Liz Clark

  • 21/03/2015
  • Anita Fuchs

Die Surferin im Interview über ihre Segelboot-Trips

Liz Clark

Liz hat die Freiheit dort hin zu segeln wohin der Wind sie treibt. Die Abenteurerin und Umweltschützerin lebt seit knapp neun Jahren auf ihrem Segelschiff „Swell“, mit dem sie paradiesische Inseln, fremde Kulturen und entlegene Wellen erkundet. Ihre Abenteuer teilt sie auf ihrem Blog und inspiriert mit ihren Geschichten dazu selbst seine Träume zu leben! „This isn’t just a surf trip – it’s a lifestyle, passion, and search for better ways for humanity to inhabit our shared planet.“

Hi Liz, was bedeutet „Swell“ für dich?

Swell hat viele Bedeutungen im Englischen: es bedeutet glücklich, zufrieden, sehr gut, exzellent. Aber es bedeutet auch „expandieren oder größer werden“. Und natürlich steht Swell auch für Wellen, die durch Wind auf dem Meer entstehen und die über den offenen Ozean wandern. Sie surfen wir, wenn sie schließlich an der Küste ankommen. Da ich mich mit diesen drei Bedeutungen identifiziere, habe ich damals, 2005, beschlossen mein Boot „Swell“ zu nennen.

 

Was war deine Inspiration dich auf einen einsamen Segeltrip zu begeben?

Meine Mission auf der Reise war es entlegene Wellen zu surfen, fremde Kulturen zu entdecken, mich selbst herauszufordern, als Mensch zu wachsen und Zeit in der Natur, in den letzten ursprünglichen Orten dieser Erde, zu verbringen. Ich bin immer auf der Suche nach einer Möglichkeit wie wir Menschen mehr in Einklang mit uns und unserem Planeten leben können und das wertvolle Leben, in das wir geboren werden, besser zu verstehen.  

Du lebst ja auf einen Boot. Wo warst du denn schon überall mit deinem Zuhause?

Im Jahr 2005 bin ich auf die Swell gezogen und bin dann nach Mexiko, Guatemala, Nicaragua, El Salvador, Costa Rica, Panama, Galapagos Island, Cocos Island, Marquesas Islands, Tuamotu Atolls, Society Islands und die Line Islands gesegelt. Das sind mehr als 20.000 Seemeilen.

Hast du schon immer davon geträumt mal ein Boot zu haben oder wie kam das?

Ja, schon seitdem ich klein war. Meine Familie segelte als ich neun Jahre alt war auf einem 50‘ Segelboot für ein Jahr lang von San Diego an der Küste entlang runter nach Baja, weiter in die See von Cortez bis zum Festland von Mexiko. Ich habe mich in diese Art des Reisens verliebt, da man sich so frei fühlt, wenn man auf dem Meer wohnt und ständig von der Schönheit der Natur und Tieren umgeben ist. Während dieser Reise las ich zwei Bücher über junge Solo-Weltumsegler – Dove und Maiden Voyage. Sie inspirierten mich, dass auch ich so etwas schaffen kann und gegen Ende unserer Reise war ich schon dabei meinen eigenen Trip zu planen. In den Jahren darauf bin ich viel mit meinem Vater auf’s Meer gefahren und er hat immer gesagt: „Tu einfach so als wäre ich gar nicht da. Du machst alles allein.“ In meinem letzten Jahr an der Uni erlaubte mir mein Vater schließlich das Boot in den Hafen von Santa Barbara zubringen um darauf zu leben. Meine ersten Trips als Kapitän segelte ich raus zu den Channel Islands und Hollister Ranch, um mit Freunden zu surfen. Ich habe nie geplant alleine los zu segeln, aber als sich die Chance ergeben hat Kapitän von Swell zu werden, musste ich es versuchen.

Was hast du getan bevor du zu deinem ersten Trip aufgebrochen bist?

Ich habe als Crew-Mitglied auf verschiedenen Segelbooten und als Barkeeperin in einem Restaurant gearbeitet.

Patagonia - Liz ClarkFoto: Patagonia

Was hat dich motiviert deinen ersten Trip zu starten? Mit welchen Problemen hattest du zu kämpfen?

Es gab so viele Schwierigkeiten, unzählige, aber ich wusste, dass ich kein normales Leben an Land führen wollte. Die Richtung in die sich Amerikas Gesellschaft entwickelte fühlte sich für mich nicht gut an – der Konsumwahn, kein Mitgefühl für die Armen und das extreme Ignorieren der Umweltprobleme. Ich wollte daran nicht mehr teilnehmen. Aber das Boot startklar zu machen war auch nicht einfach. Ich musste alles lernen: Vom Funk über die Lackierung, das Ruder, die Segel, die Elektrik… es gab so viele Dinge zu bedenken. Ich hatte viele Leute, die mir Ratschläge gaben und ich musste mich weiterbilden, damit ich durchdachte Entscheidungen treffen konnte ohne dabei jemanden zu verletzen, weil ich nicht auf seinen Rat hörte. Ich hatte es auch mit vielen Schwarzsehern zu tun, aber ich habe gelernt die negative Energie abzulenken und mich nicht von deren Ängsten und Einschüchterungen irritieren zu lassen. Auch das kellnern hat mich wirklich weiter gebracht, da ich so lernte mit verschiedenen Persönlichkeiten und Situationen umzugehen.  
Patagonia - Liz ClarkFoto: Patagonia

Liz Clark

Was braucht man als guter Kapitän?

Du brauchst Mut, Selbstbewusstsein und du brachst Vertrauen, in dich selbst und das Universum. Du musst flexibel sein und immer daran denken die Kraft von Mutter Natur zu respektieren.

Kommst du auch ab und zu an deine Grenzen?

Ja, öfter mal. Ich war einmal acht Tage lang alleine in einem Sturm und der Wind hat mich an meinen Ziel vorbei geschoben. Ich hatte fast kein Essen mehr, keine trockene Kleidung und ich musste gegen den Wind ankämpfen, um anzukommen. Da war ich fast am Ende.

Eine andere schwierige Situation verursachte ein seltsames Leck, bei dem Wasser unter dem Motor reinkam. Ich hab das Boot am Dock aus dem Wasser geholt, um es zu reparieren, aber kein Loch gesehen. Ich habe es drei Mal versucht zu reparieren und jedes Mal hat es drei bis vier Monate gedauert, in denen ich in einem giftigem, Mosquito-verseuchtem Boot in einer Weft ohne Kühlschrank, Dusche und Toilette leben musste. Und als ich das Boot wieder ins Wasser ließ, kam immer noch Wasser rein. Da hätte ich fast das Handtuch geworfen und mir einen neuen Lifestyle gesucht. Aber ich habe durchgehalten! 

Wie viel Zeit verbringst du auf dem Wasser und wie viel an Land?

Ich komme regelmäßig nach Kalifornien um meine Familie zu besuchen. Normalerweise verbringe ich so 2-3 Monate im Jahr an Land.  

Fühlst du dich dizzy wenn du an Land gehst? Mir ging es nach 10 Tagen auf dem Boot so…

Ich kenne das Gefühl, aber das passiert mir kaum noch. :)

Liz Clark

Wie fühlst du dich bei deinen Trips? Du bist ja ganz allein. Ist das nicht manchmal einsam?

Ich fühle mich groß und klein zugleich. Ich fühle mich frei. Manchmal fühle ich mich fast, als würde ich verschwinden. Wenn das Wetter schlecht ist und ich müde bin und Angst habe, ist das „allein sein“ wesentlich mächtiger.

Was war das Schwierigste, das du bisher bewältigen musstest?

Ich musste lernen meinen eigenen Entscheidungen zu vertrauen. Und ich musste lernen das komplette Equipment auf dem Boot zu bedienen. Das allein sein zu genießen. Außerdem zu lernen mich selbst zu lieben!

Bist du den schon auf See in kritische Situationen gekommen?

Ich hatte schon viele beängstigende Momente auf dem Meer. Beim Schlimmsten war ein Gewitter sehr, sehr nah. Vor Panama schlug ein Blitz so nah an mir ein, dass der Radar und das GPS ausgefallen sind. Ziemlich unheimlich...

Ich war schon in ein paar ziemlich heftigen Stürmen. Einmal ist mir auch das Focksegel inmitten einer 1300 Meilen Passage gerissen. Ich musste es abnehmen und per Hand nähen, was eine unangenehme, langweilige Arbeit von drei Tagen war.

Welche wichtigen Lektionen hast du auf deinen Reisen gelernt?

• Hör auf dein Herz. Und handel, wenn es dir etwas sagt. Das Universum führt durch Sehnsucht und Intuition jeden von uns zu unserem besten, glücklichsten Selbst. Triff deinen Entscheidungen danach und es wird sich richtig anfühlen…

• Anstatt andere für etwas verantwortlich zu machen, blick auf dich und verändere dich selbst

• Jede Schwierigkeit im Leben – sei es eine Situation oder eine Person – ist eine Möglichkeit etwas zu lernen und daran zu wachsen – solange du es auf diese Weise siehst

• Die gleichen Lektionen werden in deinem Leben immer wieder auftauchen, bis du dir die Zeit nimmst, dich mit ihnen auseinanderzusetzen

• Die Natur, die Menschheit und alles Leben auf der Erde sind auf eine untrennbare und fantastische Weise miteinander verbunden. Mal nicht auf sich selbst bezogen zu sein und versuchen das große Ganze zu verstehen und daran teilzuhaben ist nicht nur der Weg zur eigenen Erfüllung, sondern trägt auch dazu bei unseren Planeten zu einem gesünderen und friedlicheren Ort zu machen. 

• Ich habe gelernt, dass für mich selbst frische Luft, klares Wasser, gesundes Essen und gute Gesellschaft zu einem sehr erfülltem Leben beitragen.

Liz Clark

Liz Clark

Wo bekommst du eigentlich deine Vorräte her und was isst du während du unterwegs bist?

Ich kaufe meine Sachen auf lokalen Märkten oder ich begebe mich an abgelegenen Orten selber auf die Suche. Ich esse inzwischen nur noch rein pflanzlich, also angle ich nicht, außer es gibt wirklich nichts anderes. Während dem Segeln, esse ich hauptsächlich einfache Dinge wie Reis oder Nudeln, da ich leicht ein wenig Seekrank werde und das ist das beste Essen bei Übelkeit.   

Erzähl uns doch bitte etwas über deinen Surfhintergrund!

Mit 14 Jahren wollte ich anfangen zu surfen. Ich habe in einer kleinen grünen Box in meinem Zimmer etwas Geld gespart. Irgendwann habe ich meinen großen Bruder James überredet mich zu South Coast Surfboards in Ocean Beach zu fahren. Ich bin da rein und habe dem Verkäufer gesagt, dass ich Surfen lernen will. Er zeigt auf ein 8‘4‘‘ Encinitas Egg und ich gab ihm das Geld dafür aus meiner kleinen grünen Box. Ich weiß nicht mehr, warum ich unbedingt Surfen wollte, vor allem da niemand auf meiner Familie oder meinem Freundeskreis surfte. Es hat mich einfach gepackt, nachdem ich ein Mädchen, Renee Miller, die surfte, an meiner Schule getroffen hatte. Viele Jahre lang war ich Wettkampf-Turnerin, aber mit der Zeit wurde es langweilig und ich war bereit für etwas Neues. Als ich das Brett ganz neu hatte bin ich oft mit dem Taxi von zuhause in Point Loma an den Strand zu den Jetties nach Ocean Beach gefahren. Ich hatte keine Ahnung was ich machen sollte. Ich bin einfach ins Wasser gegangen, habe den Surfern in der Outside zugesehen und versucht es ihnen im Weißwasser nachzumachen. Ich weiß noch wie glücklich ich war, als ich das erste Mal endlich auf dem Board stand und geradeaus surfte bis meine Finnen im Sand stecken blieben.

Ein Jahr später oder so zogen wir in eine neues Haus in der Nähe vom Strand und ich war praktisch jeden Tag surfen. In der Nachbarschaft gab es viele Surfer. Sie halfen mir Fortschritte zu machen und schon bald konnte ich ein kürzeres Brett surfen. In meinem letzten Jahr auf der High School war ich Teil des Surf Teams, später dann auch an der Uni und habe während meinen vier Jahren an der Universität in Santa Barbara fast jedes Wochenende recht erfolgreich an NSSA und lokalen Wettbewerben teilgenommen – und das mit recht viel Erfolg.

Meine Karriere im Contest Surfen fand ihren Höhepunkt 2011 als ich die Nationals gewonnen habe, doch anschließend  habe ich für mich festgestellt, dass ich lieber mit meinem Surfboard auf Entdeckungsreise gehe als an Wettkämpfen teilzunehmen.

Welche Surfboards hast du denn an Bord?

Ich habe ein paar Shortboards von 5‘8“ bis 5‘9“, ein paar Step-up Boards von 5‘11“ bis 6‘3“ und ein paar Größere zwischen 6‘8“ und 7‘10“. Außerdem ein paar Quad Fishes, ein Mini, ein Singlefin, ein Longboard und eine kleines Quad für Tubes. Alles in allem habe ich zwischen 7-10 Boards auf dem Boot. 

Welcher Spot hat dich am meisten beeindruckt?

Teahupoo und Puerto Escondido sind beide so kraftvoll und beeindruckend!

Ist es schwer einsame Wellen zu finden?

Im Pazifik gibt es haufenweise einsame Wellen, es ist nur nicht immer so leicht dort hin zukommen… 

Wieso macht Leidenschaft deiner Meinung nach die Welt zu einem besseren Ort?

Wir alle werden mit einem riesigen, einzigartigen Potential geboren. Jeder von uns hat einen anderen Auftrag oder Ziel im Leben, woraus eine tiefe Sehnsucht entsteht, die durch körperliche Erfahrungen gestillt werden muss. Ich glaube, dass Beste, das wir für uns selbst, unsere Familien und die Welt tun können, ist diesem Ruf zu folgen. Die Alternative ist in stiller Frustration zu leben, mit der Ständigen Frage im Hinterkopf: „was wäre wenn“ oder „hätte ich lieber“. Wir können die Stimmen im Hinterkopf zwar unterdrücken, aber sie werden trotzdem immer da sein…

Wenn wir unsere Leidenschaften ausleben, fühlen wir uns lebendiger, dynamischer, inspirierter und näher an der Person von der wissen, dass sie in uns steckt. Es macht uns glücklicher! Jeden Tag das zu tun, was wir gerne tun, ist ein Geschenk, egal wie anstrengend oder schwierig es ist. Es lehrt uns dankbar zu sein und verbindet uns mit dem Universum. Wenn man auf das Pech, die Missgeschicke und die Schwierigkeiten im Leben zurückblickt, kann man sie auch als Teil eines Prozesses sehen, der dich an den jetzigen Punkt geführt hat. Man hört auf sich über Dinge in der Vergangenheit zu beschweren, da man erkennt, dass sie geholfen haben dich zu der Person zu machen, die du jetzt bist. Alles passiert aus einem bestimmten Grund.

Boat-Trip Liz Clark

Man lernt auch Mitgefühl für andere zu haben. Das Gefühl von Frieden das kommt, wenn man seinem Herzen folgt, kombiniert mit dem Verständnis, dass das selbe für jeden Menschen gilt, bringt einen dazu anderen Menschen helfen zu wollen, damit sie sich genauso fühlen wie man selbst. Die positive Energie fühlt sich so gut an, dass man möchte, dass andere den gleichen Erfolg haben. Dein eigenes Mitgefühl breitet sich schnell über Familie und Freunde zu allen Menschen, Pflanzen und Tieren aus. Wettbewerb wird durch den ehrlichen Wunsch andere weiter zu bringen ersetzt. Eifersucht verblast, nachdem man selbst aus Erfahrung weiß, dass der wahre Reichtum im Leben nur aus dem Inneren kommt.  Anstatt sich vom Glück anderer bedroht zu fühlen oder neidisch zu sein, unterstützt man sie und feuert sie an, in der Hoffnung, dass sie eines Tages den gleichen Frieden wie du selbst empfinden.

Und als letztes werden wir anfangen zu fühlen und zu sehen wie alles Leben miteinander vernetzt ist. Dass wir alle von einer großen Energie kommen und dorthin zurückgehen werden, ungeachtet unserer Form. Wir erkennen die Gemeinsamkeit der Kämpfe und Erfolge eines jeden Lebewesens, ungeachtet der Spezies, Rasse oder Geschlecht. Sobald wir verstanden haben, dass wir alle eins sind, verstehen wir auch, dass wir nur wachsen können, wenn wir alle zusammen wachsen.

Ich denke auch, je mehr von uns diese Reise machen und es schaffen glücklich zu werden, desto besser stehen die Chancen, dass wir eine glücklichere, gesündere und liebevollerer Welt schaffen.

Was ist deine Leidenschaft?

Leute dabei helfen diesen Prozess zu verstehen. Natürlich habe ich eine große Leidenschaft für Surfen, Natur und Umweltschutz, Wildnis, positives Leben, veganes Essen und ganzheitliche Gesundheit.

Wohin geht es als nächstes?

Ich werde die nächsten Jahr in Französisch Polynesien unterwegs sein und dabei an einem Projekt arbeiten: ein Buch mit Kurzgeschichten und Fotos meiner Reisen zusammen mit meinem Sponsor Patagonia!  

Liz Clark



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