Wie ich auf einer tropischen Insel ein zweites Zuhause fand

Ein eigenes Haus auf einer tropischen Insel, nur wenige Minuten vom nächsten Surfspot entfernt – hätte mir jemand vor fünf Jahren gesagt, dass dies einmal Wirklichkeit für mich wird, hätte ich ihm das niemals geglaubt. Ich war zwar schon damals selbstständig und hatte die Möglichkeit oft zum Surfen zu fahren, doch von einem zweiten Standbein am Meer wagte ich nicht zu träumen.

Island life – Siargao 

Seit ich mich ins Surfen verliebte, blieb ich mit jedem Surftrip länger und länger am Ozean. Aus zwei Wochen wurden im folgenden Jahr drei, dann vier Wochen und schließlich mehrere Monate. Surfen macht mich glücklich, ich bin freier und unbeschwerter in den Tropen und wollte dieses Gefühl immer länger beibehalten. Besonders hatte es mir Siargao, eine kleine Insel im Osten der Philippinen angetan: Dort fanden mein Freund und ich schnell Anschluss und fühlten uns zu Hause. Perfekte Wellen, eine nette kleine Community von Surfern, ein entspannter Inselvibe – und ausreichend Internet, um von dort zu arbeiten. Wir blieben während unserer ersten längeren Reise durch Südost Asien hier hängen…

Wir sind beide selbstständig, er ist Grafik-Designer, ich Fotografin und Redakteurin und wir sind die Herausgeber vom Golden Ride Magazine. Da wir die Arbeit auch von unterwegs machen können und unsere Kollegin vom Golden Ride vor Ort ist, können wir mehrere Monate im Jahr weg. Also blieben wir auch im folgenden Jahr den Herbst über auf Siargao und kamen für die Snowboardsaison zurück nach München.

Während unserer Reisen nach Siargao träumten wir immer wieder von einem eigenen kleinen Häuschen auf der Insel. Als dann eine Freundin auf der Insel ein Grundstück kaufte, beschlossen wir uns auch einfach mal umzusehen – ohne große Erwartungen und Pläne. Kurz vor unserer Abreise zeigte uns ein einheimischer Freund ein Grundstück in unserer Preiskategorie, unter Kokospalmen, in guter Lage und auch noch direkt gegenüber von unserer Freundin. Perfekt! Kurzerhand kauften bzw. mieteten wir das Grundstück, denn als Ausländer darf man auf den Philippinen kein Land besitzen. Man kann es entweder über einen Einheimischen kaufen, oder eine Corporation gründen, wobei  diese aus mindestens drei Filipinos bestehen muss. Am Tag unseres Abflugs unterschrieben wir die Papiere und sahen unser Baby erst ein Jahr später wieder….

 

Unser Jungalow

Genug Zeit also zu überlegen, was wir auf dem Grundstück anstellen möchten. Wir entschieden uns für ein kleines Häuschen, das wir vermieten können, wenn wir in Deutschland sind. Eigentlich hatten wir es nicht eilig, doch als wir ein Jahr später wieder auf Siargao waren, hatte sich die Insel verändert: Die Preise waren explodiert und die Insel war deutlich voller. Damit hatten wir nicht gerechnet, auch nicht, dass es nun stetig so weiter gehen würde. Also beschlossen wir doch zügig zu bauen, bevor das Material und die Baukosten weiter steigen würden. Wir suchten uns eine einheimische Architektin und entwarfen mit ihr zusammen unser Haus. Das dauerte mehrere Monate, denn auf den Philippinen dauert einfach alles sehr, sehr lange….  Wir wollten nicht wieder ein Jahr verstreichen lassen und kamen im Frühling zurück, um die Baugenehmigung zu beantragen und einen Bauleiter zu finden. Denn wir wollten und konnten nicht während der gesamten Bauzeit auf der Insel bleiben. Also brauchten wir einen vertrauenswürdigen Bauleiter, der alles in unserem Sinne abwickelt. Durch eine Freundin fanden wir diesen auch, aber leider war sein Kostenvoranschlag außerhalb unseres Budgets.  Wir mussten das Hausdesign noch mal abändern und andere Materialien wählen, bis wir schließlich im Budgetrahmen waren. Währenddessen ärgerten wir uns mit dem Papierkram herum, denn um die Baugenehmigung zu bekommen, braucht man zahlreiche Papiere. Zum Glück ist die Amtssprache auf den Philippinen Englisch, doch auch mit den verständlichen Papieren, war bzw. ist es zum Haare raufen. Wir wurden mit Papier A von Büro zu Büro geschickt, um Papier B und C zu beantragen, was man wiederum für den Antrag für Papier D und E braucht. Wobei es Wochen, Monate dauern kann, um spezielle Papiere zu bekommen. Dann wird man zur falschen Behörde geschickt, sucht stundenlang das richtige Office, darf mit FlipFlops nicht ins Büro und so weiter und so fort…. Das ist definitiv kein Urlaub und jeden Tag Surfen ist so leider auch nicht drin… 

Wir kamen unserem Ziel aber langsam näher und kurz nach unserer Abreise war endlich Baubeginn. Unser Bauleiter schickte uns regelmäßig Fotos, wir ihm Geld und unsere Freundin vor Ort schaute öfter nach dem Rechten. Es lief alles nach Plan, nur eben im philippinischen Schneckentempo. Aus 4-5 Monaten geplanter Bauzeit wurden 8 Monate, dann 9 und schließlich 10. Als wir dann endlich einziehen wollten, wurde uns der Strom abgestellt. Eine Millionen Papiere später, schlaflosen Nächten und dank der Hilfe von unserem einheimischen Freund, konnten wir aber auch das Problem lösen und bekamen zwei Wochen später Strom! Juhu! 

Grundsätzliche Dinge wie Wasser, Strom und Müllentsorgung werden auf so einer kleinen Insel zur echten Herausforderung. Es gibt keine Wasserversorgung, kein Abwassersystem und nur eine dürftige Müllentsorgung. Für Wasser muss man einen eigenen Brunnen bohren, der in der Trockenzeit hoffentlich nicht austrocknet, Strom fällt immer wieder aus und eine geregelte Müllabfuhr gibt es auch nicht. 

Die Inneneinrichtung

Natürlich gibt es auch keinen Ikea oder ähnliches auf der Insel und nur ein paar Läden mit einer kleinen Auswahl an Haushaltswaren. Die Möbel werden von Schreinern vor Ort gefertigt, was theoretisch super ist, da man recht günstig individuelle Möbel anfertigen lassen kann. Praktisch hat es aber leider nicht so funktioniert. Kein Möbelstück wurde so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Und das obwohl wir die Möbel am Computer entworfen und die Schreiner die Bilder und Maße hatten… Wieso sie sich nicht an die Vorgaben halten? Keine Ahnung, damit muss man sich wohl einfach abfinden. Auch, dass die Bauarbeiter kommen und gehen wie sie wollen. Der Schreiner sagt, er sei fünf Minuten weg und kommt erst zwei Tage später wieder. Man lernt geduldig zu sein… oder man versucht es. Wir hatten uns sechs Wochen Zeit für die Inneneinrichtung und den Garten genommen. Das war leider etwas knapp bemessen und wir arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: wir verlegten den Rasen, buddelten Pflanzen im Dschungel aus, bei uns im Garten ein, gruben Löcher, montierten Lampen, strichen Wände, Schränke und Blumentöpfe und fuhren fünf Mal täglich ins Dorf, um Besorgungen zu machen. Ein Haus von null an einzurichten macht Spaß, ist aber auch eine Herausforderung: Man hat keinen Mülleimer, keine Gabeln, keine Töpfe, keine Stühle, kein Ventilator, kein Bett, kein Kopfkissen, kein Bettbezug und keine Handtücher. Ich hätte nicht gedacht, dass man doch so viel braucht: Fußmatten, Bilderrahmen, Lampenschirme, Türschlösser, Salzstreuer, Weinöffner, Kühlschrank, Kochplatte, Gas, Gasanschluss, Kaffeemaschine… die Liste hörte nicht auf und sie wurde gefühlt nie kürzer, der Kontostand aber immer leerer. Für die größeren Besorgungen mussten wir auf die Nachbarinsel fahren, was eine echte Mission ist. Aber egal wie überladen das Tricyle ist, am Ende kommt alles heil im Haus an. Filipinos sind wahre Meister der Improvisation. Da können wir noch viel von ihnen lernen!

In wenigen Wochen geht es wieder zurück nach Siargao, ich kann es kaum erwarten wieder mehr Zeit zum Surfen zu haben und nach dem Morning-Surf einfach im Haus zu relaxen. Bis dahin kümmert sich unsere Freundin vor Ort um das Haus und die Gäste, denn wir vermieten es auch auf airbnb. Falls ihr also plant nach Siargao zu kommen, freuen wir uns, euch vielleicht im Jungalow Willkommen zu heißen. Wir vermieten das ganze Haus und auch einzelne Zimmer. Wir freuen uns über Gäste . 

Hier könnt ihr den JUNGALOW bei airbnb buchen!

Und hier ein Zimmer im Haus.