Wie ein Schmetterling liegt die Insel im Ozean, die Flügel mit einem Muster aus leuchtenden Farben. Das Grün der Natur und der weiße Sand stehen im Kontrast zum türkisblauen Wasser, in dem er seine Flügel ausbreitet. Tropische Temperaturen laden mich ein von den Flügeln ins Meer abzutauchen und Stunden auf dem Wasser zu verbringen. Auf den Wellen zu reiten und dem Schmetterling ein Schauspiel zu bieten. Das alles klingt wie ein Märchen oder zumindest wie ein weit entfernter Traum.  Für mich wurde dieser Traum zur Realität und ich verbrachte ein Auslandssemester mit dem Erasmus-Programm auf der französischen Insel Guadeloupe – die „Ile de papillon“.

36° Grad und es wird noch heißer! Tropisches Klima und musikalischer Empfang der karibischen Inselbewohner erwarteten mich Ende August bei meiner Ankunft am Flughafen. Die Stimmung war ausgelassen und herzlich und jeder wollte uns helfen, wo er nur konnte. Einziges Manko: Die Uhren auf Guadeloupe ticken um einiges langsamer! Egal wo man ist, man wartet. Doch wenn man sich darauf einstellt, kann eine Zeit ohne deutsche Hektik auch mal sehr gut tun. Beim Warten entwickeln sich interessante Gespräche und noch dazu wurde jeder von uns mit einer gesunden Portion Gelassenheit angesteckt.  Da an der Uni auch alles sehr entspannt verlief und die Kurse oft sehr früh anfingen bzw. ab und an spontan ausfielen, gab es während der vier Monate genügend Zeit für den Ort, an dem ich am Liebsten bin: den Ozean. Dieser hat mit seinen 28° absolute Badewannentemperatur, was heißt man kann es sehr lange im Wasser aushalten ohne sich in lästige Ganzkörperanzüge zu quälen. Perfekte Bedingungen für entspannte Bikini Surf Sessions!

Foto von: DaniellBohnhof

Die Südküste

Bananier ist der einzige Surfspot auf Basse-Terre und auch der einzige reine Beachbreak. Er erinnert mit seinem Shorebreak und Durcheinander ein bisschen an Frankreich und hier sind hauptsächlich Bodyboarder unterwegs.

Vom Flughafen gen Osten fahrend findet man den ersten Point kurz nach dem Örtchen Mare Gailard. Petit Havre liegt in einer kleinen Bucht mit wunderschönem Strand und Palmenkulisse. Wenn ein kräftiger Swell von Ost kommt, ist die lange linke Welle ein Traum. Einsteigen kann man malerisch über eine lange Felszunge, oder man nutzt den Paddelweg vom Strand zum Aufwärmen. Die Leute im Wasser sind sehr entspannt und gerne für einen kleinen Plausch bei einer Setpause bereit. Die Welle bricht aufs Riff und das Wasser ist oft nicht sehr tief, also für Anfänger eher ungeeignet.

Weiter östlich zwischen St. Anne und St. Francois kommt man zu Le Helleux. Dieser Spot ist sehr weitläufig und für verschiedene Könnerstufen geeignet. In der Mitte, wo hauptsächlich Sanduntergrund ist, finden Anfängerkurse statt. Diese werden meist mittwochs und am Wochenende angeboten, Boardverleih gibt es auch an diesen Tagen und das Wasser ist somit sehr crowded. Geübten Surfern empfehle ich nach links raus zu paddeln: Je weiter links, desto schöner wird die linke Welle dank zunehmendem Riff. Ganz rechts direkt an den Felsen ist eine rechte Welle, die technisch sehr anspruchsvoll ist. Wer einen Anfängerkurs machen möchte, geht am besten einfach mal an einem besuchten Tag hin oder ruft bei Aaron von der Arawak Surfschool an, dort gibt es Kurse für 20€Euro. Aaron ist mit seiner kleinen Statur und Rastas, die fast bis zum Boden reichen, auf der Insel allbekannt und kann auch Fortgeschrittenen echt hilfreiche Tipps geben.

Foto von: DaniellBohnhof

Die Nordküste

Hier erwarteten mich absolute Traumstrände inklusive Wellen! Wenn der Swell aus dem Norden kommt (was in den Wintermonaten oft der Fall ist), laufen hier super schöne cleane Wellen vor einer traumhaften Kulisse. Im Fischerdörfchen Port Louis gibt es mehrere Spots. Der Plage du Souffleur gehört zu den schönsten Stränden der Inseln – nicht nur zum Surfen – auch zum Chillen und Schnorcheln bietet er einiges. Leider sind hier sehr viele Mücken unterwegs und ab 16 Uhr ist es außerhalb des Wassers kaum auszuhalten. Bei ausreichendem Swell findet man hier aber eine langsame linke Welle, die mit Sanduntergrund auch super für Anfänger geeignet ist.

Weiter rechts wird man nach einem mühsamen Paddelweg mit weiteren Wellen belohnt, bei denen der Name Programm ist: die lange Longboarder-Welle Droite-Gauche läuft bei guten Bedingungen wunderschön in beide Richtungen. Table d’opération ist eine rechte, schnelle Welle, die bei sehr flachem Wasser auf Korallen und Riff bricht. Der Untergrund fungiert hierbei bei ungünstigen Stürzen als Chirurg…

Fährt man noch weiter nördlich, kommt man nach Anse-Bertrand, ein sehr konsistenter Spot. Hier gibt es eine linke und rechte Welle und man steigt über einige Felsen ein, die direkt neben einem Friedhof liegen. Aber keine Angst – die Locals vergewisserten mir, dass noch keiner der Surfer hier umkam! Links neben den Felsen liegt ein wunderschöner Sandstrand, von dem aus man perfekt den Sonnenuntergang beobachten kann. Bei atemberaubenden roten und violetten Tönen endet hier das Schauspiel und der Schmetterling legt sich zur Ruhe…

Flat Days

Kilometerlangen weißen Sandstrand mit vielen kleinen Strandbars findet man in St. Anne, im Süden Grand-Terres. In der Hauptsaison gibt es täglich einen kleinen Markt mit lokalen Spezialitäten und tropischen Früchten. Besser als jedes Eis, das ich je gegessen habe ist das selbstgemachte Sorbet au coco/mangue, das die einheimischen Frauen an ihren kleinen Strandwägen selbst herstellen.

Ein kleiner Geheimtipp ist der Strand La Caravelle. Er liegt etwas vor St. Anne und gehört eigentlich zu einem Hotel, seitlich kommt man aber auch direkt an den Strand, der absolut kalenderreif ist.

Wer schon immer mal mit Schildkröten schwimmen wollte, fährt zum schwarzen Sandstrand Malendure auf Basse-Terre. Die Unterwasserwelt ist atemberaubend und eignet sich hervorragend zum Schnorcheln und Tauchen. Mehrmals täglich fährt auch ein Boot mit Glasboden zur gegenüberliegenden naturgeschützten Insel.

Der sehr grüne Inselteil Basse-Terre bietet noch viele weitere Ausflugsmöglichkeiten in der Natur. Auf dem noch aktiven Vulkan Soufrière hat man bei gutem Wetter einen wunderschönen Ausblick über die Insel. Fährt man die Route Traversé entlang, die von Grand-Terre aus mitten durch Basse-Terre zieht, führen zahlreiche Wanderwege durch den Regenwald zu Wasserfällen, die eine kühlere Alternative zum Baden im Meer bieten. An der Küstenstraße entlang sind kurze Stopps für Klippenspringen und Baden in heißen Quellen auch sehr zu empfehlen.

Zu Guadeloupe gehören außerdem noch weitere kleine Inseln, die eine Überfahrt mit dem Schiff absolut wert sind: Les Saintes, Marie Galante, La Désirade und Petit Terre. Mit wenig Verkehr und Stränden wie aus dem Bilderbuch herrscht hier Karibikfeeling pur.

Foto von: SebastianSchöffel

Essen

Leider sind die Lebenshaltungskosten recht hoch, da alles von Frankreich importiert wird. Essen gehen kostet meist zwischen 10 und 15 Euro. Um nicht zu viel auszugeben und möglichst wenig touristisch unterwegs zu sein, empfehle ich die lokalen Märkte zu besuchen. In Le Gosier öffnet der Markt jeden Freitag um 16 Uhr. Besonders die frischen Säfte aus den uns unbekannten tropischen Früchten sind super lecker (mein Liebling: fruit au pain). Einen weiteren Markt gibt es dienstags in St. Francois mit ähnlichen Ständen, aber mehr Souvenirs und karibischer Musik. Außerdem gibt es überall Imbisswägen mit günstigen Sandwiches, die sogenannten Bokits bzw.  Agoulous. Falls man sich doch mal einen Restaurantbesuch leisten möchte, gibt es zahlreiche Möglichkeiten am Hafen La Marina bei Point-à-Pitre. Das französische Crêpe-Restaurant ist preiswert und gut und im Restaurant La Route du Rhum gibt es kreolische Spezialitäten. Ebenfalls super leckere einheimische Gerichte gibt es im Restaurant Poisson d’Or in Port-Louis.

Foto von: SebastianSchöffel
Foto von: SebastianSchöffel
Foto von: DaniellBohnhof

Feiern

In Le Gosier sowie in St. Anne gibt es zahlreiche kleine Strandbars. Am billigsten kommt man mit der karibischen Spezialität Ti Punch (ti =
petit auf creol): Weißer Rum mit Limetten und Zucker. Am Hafen La Marina gibt es zahlreiche weitere Bars mit Tanzmöglichkeiten und dem einzigen Club: Zoo Rock. Echt beneidenswert, wie die karibischen Jungs und Mädels ihre Hüften schwingen! Jeden Mittwoch gibt’s Mojitos für 5 Euro in der Blueberry Bar. Wer eher auf Reggae steht, hat einen super Abend im Zion Park in St. Felix, wo verschiedene Livebands auftreten. Mein Tipp: Für einen Fünfer Rum vom Supermarkt kaufen und mit den Liebsten ein Lagerfeuer am Strand schüren. Stockbrote übers Feuer halten, neugierige Vorbeilaufende einladen und gemeinsam den karibischen Traum auf der Schmetterlingsinsel genießen…

Foto von: SebastianSchöffel
Foto von: SebastianSchöffel

Facts

Guadeloupe ist mit einer Fläche von 1.628 km² und 402.119 Einwohnern recht überschaubar. Von Osten nach Westen sind es ca. 1 ½ Autostunden. Ein Auto ist unbedingt notwendig. Es fahren zwar Busse mit Reggae-Musik, aber die kommen wann sie wollen und fahren nie nach 18 Uhr und am Wochenende. Leider gibt es sehr oft Stau, aber da muss man mit karibischer Gelassenheit durch.

Regenzeit: Juli bis November, doch die Regenschauer sind oft sehr kurz und kalt wird es ja sowieso nicht.

Lufttemperatur: Mai bis Oktober ca. 33°C, nachts ca. 28°C; November bis April ca. 28°C, nachts ca. 23°C

Anreise: In Point-à-Pitre befindet sich der einzige Flughafen, der aus Europa nur von Paris aus angeflogen wird (Air France, Air Caribe, Corsair). Ein Studentenspecial mit kostenloser Boardmitnahme gibt es bei Air Caribe.

Unterkunft: Das momentan noch einzige Hostel auf der Insel ist das e.gwada Hostel in St. Felix. Dort herrscht entspannte Stimmung und der Besitzer Jean gibt einem hilfreiche Tipps. Ansonsten findet man natürlich zahlreiche Hotels und als weitere günstigere Alternative „airbnb“ oder „couchsurfing“.