Obwohl Barrett eine zierliche Frau ist, hat sie im Schnee schon immer tiefe Spuren hinterlassen! Sie hat sich ihren Weg durch die Snowboardindustrie gebahnt wie keine andere! Als erste Frau mit einem Pro-Model 1996 gibt es bei ihrem Ex-Sponsor und jetztigen Arbeitgeber Mervin (Gnu, LibTech & Roxy Snowboards) immer noch ihr Signature Brett, das B-Pro. Sie ist auch nach über 20 Jahren noch tief in dem Sport verwurzelt und bringt ihre Erfahrung, Kreativität und Visionen als Head of Women’s Product Design und Sports Marketing Managerin bei Mervin ein. Barrett beendete ihre aktive Profi-Karriere, um eine Familie zu gründen und ihre Leidenschaft fürs Snowboarden und Surfen mit ihren Kindern und der nächsten Generation zu teilen .

Foto von: Barrett Christy

Hi Barrett, das Motto dieser Ausgabe lautet „Share the stoke“. Du und dein Mann teilen eure Liebe zum Boardsport mit euren Kindern. Wie ist es deine Leidenschaft mit deinen Kindern teilen zu können?

Ich denke, es kam ganz von selbst. Wir sahen keinen Grund warum wir aufhören sollten die Dinge zu tun, die wir lieben und wollten dies mit unseren Kindern teilen! Es funktioniert, weil wir beide den anhaltenden Wunsch verspürten, so viel wie möglich in den Bergen und am Meer zu sein. Wir beide hatten damals die Flexibilität und die Zeit zu reisen und waren nicht an einen Zeitplan gebunden. Es war ganz normal, aktiv zu bleiben und weiterhin die Dinge zu tun, die wir lieben.

 

Wie kannst du Snowboarden und Surfen in deinen vollen Terminkalender mit Schule, Arbeit und Alltag integrieren? Wie viele Tage verbringst du im Winter auf deinem Board?

Als wir unser zweites Kind bekamen, fing unser Erstes an in die Schule zu gehen, also hatten wir mehr Routine und einen Zeitplan, an den wir uns halten mussten. Ich hatte auch festere Arbeitszeiten, woran ich mich allmählich gewöhnte. Wir zogen schließlich an einen Ort, von dem aus man schnell in den Bergen und am Meer ist. Es war und ist wichtig für uns, dass wir die Möglichkeit haben, zu Snowboarden oder zu Surfen, wenn die Bedingungen gut sind. Es geht uns heute mehr um Qualität als um Quantität, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Schule, Kinderaktivitäten, Vollzeitjob und Hausarbeit sind zeitaufwendig, so dass wir weniger Flexibilität haben. Aber wir nutzen die Zeit, die wir haben, sehr effektiv. Wenn ich die Events, zu denen ich im Winter gehe, mitzähle, bekomme ich vielleicht 30-40 Tage auf dem Snowboard zusammen. Ich habe wahrscheinlich mehr Tage im Jahr zum Surfen, denn wir leben nahe am Meer, wo es das ganze Jahr über Wellen gibt. 

Foto von: Barrett Christy
Foto von: Barrett Christy

Hat das Riden mit deinen Kindern deine Sicht auf Snowboarden verändert?

Ich denke, Kinder zu haben, hat mich natürlich vorsichtiger gemacht. Ich bekam plötzlich eine Art von Schutzgefühl – um mich und die Kinder zu beschützen. Ich mache mir viel mehr Sorgen über Menschenmassen in Resorts und außer Kontrolle geratene Snowboarder und Skifahrer! Die Kinder sind jetzt groß genug um selbst überall hinzukommen und mein Sohn Cannon ist ein besserer Snowboarder als ich jetzt. Also weiß ich, dass er es unter Kontrolle hat, aber ich sorge mich, dass jemand in sie reinfährt! Ich sehe Snowboarden inzwischen mehr als Familienakti-vität und möchte die Snowboardbranche dazu ermutigen, Snowboarden für die ganze Familie zugänglich zu machen. Snowboarden ist nicht nur der „Extremsport“, den ich in den 90er Jahren betrieben habe. Es ist eine super lu-stige, gesunde Aktivität für Jung und Alt, auf allen Ebenen. Die Branche muss sich wirklich öffnen und den Sport einem breiten Publikum zugänglich machen.  

 

Was hast du durchs Snowboarden mit deinen Kindern gelernt?

Cannon fährt Transistions wie ein Profi!
Ich liebe es ihm hinterher zu fahren und zu sehen wie er mit dem natürlichen Terrain spielt und wovon er abspringt. Bei den Kindern scheint es, als würden sie sich etwas vorstellen und es einfach machen, ohne den Selbstzweifel oder die Überanalyse, die als Erwachsener einsetzt. Ich liebe es Ayla‘s Lächeln zu sehen, das sie nur vom Cruisen und dem Wind in ihrem Gesicht bekommt. Sie wird nicht deprimiert, wenn der Schnee schlecht ist, sie liebt es einfach sich zu bewegen. Ich höre wie sie singt und mit sich selbst redet, wenn sie auf frischen Pisten unterwegs ist! Snowboarden fördert Kreativität und Vertrauen der Kinder und sie erinnern einen daran im Moment zu sein und sich den Spaß nicht durch andere Ablenkungen verderben zu lassen.

Foto von: Barrett Christy
Foto von: Barrett Christy

Möchten deine Kinder auch gerne Snowboard-Profis werden?

Cannon geht gerne mit seinen Freunden raus, um für Fotos und Videos zu shooten, er mag diesen Prozess. Die Definition von Snowboard-Pro hat sich sehr verändert, seit
Temple und ich uns Profis nannten. Ich glaube nicht, dass einer von beiden motiviert ist, um Vollzeit an Contests teilzunehmen. Aber sie fahren gerne bei Banked Slaloms und Jam-Session-Events wie der „Big Wave Challenge“ mit. Vielleicht können sie ihre eigene Definition von Profi erschaffen, wenn sie älter werden, so wie wir es in den 90er Jahren getan haben. Oder vielleicht Snowboarden sie einfach nur zum Spaß…. ganz wie sie wollen.

 

Viele junge Frauen haben Angst, dass das Muttersein ihrer Freiheit und ihren Hobbies wie Snowboarden und Surfen ein Ende setzt. Wie hast du das erlebt?

Ich war damals an dem Punkt in meinem Leben und meiner Karriere, an dem ich bereit für ein wenig mehr Routine war. Ich hatte keine Angst, dass Kinder meinen Hobbies ein Ende setzen würden. Vielmehr dachte ich ehrlich gesagt, dass Kinder mir die Freiheit geben mein Leben um etwas anderes als Snowboarden aufzubauen, mit mehr Bedeutung und mehr Erfüllung. Das war mit Anfang 30 und dank meinen Sponsoren musste ich mich nicht sofort um eine Vollzeitstelle kümmern. Ich hatte immer noch die Freiheit zu Hause zu sein und Temple auch. So konnte ich auch mit Temple etwas reisen und weiter mit meinen Sponsoren in beratender Funktion arbeiten. Als Cannon vier Jahre alt war, war ich mit Ayla schwanger und in einer eher offiziellen Tätigkeit bei Mervin und Nike. Er wurde eingeschult als Ayla geboren wurde und dann befanden wir uns wirklich in einer Routine. Das bedeutete aber nur, dass wir mit unserem Zeitmanagement besser sein mussten, um Platz für Hobbies und Zeit auf den Boards zu schaffen.

 

Was sind die Herausforderungen und wie bist du damit umgegangen?

Ich finde es immer noch heraus! Aber die Zeit vergeht so schnell und jetzt haben wir einen 14-Jährigen und eine 10-Jährige, und sie beide tun gerne die Dinge, die wir tun…. aber auf ihre eigene Art.  Es gibt immer Kompromisse, aber wir sind hartnäckig. Und wir bezahlen die Rechnungen und sorgen für den Transport, so dass wir normalerweise gewinnen, wenn es um die Wochenendaktivitäten geht. Snowboarden ist immer noch Teil meines Jobs, aber die anderen Verpflichtungen machen es mir oft schwer einfach nur Snowboarden zu gehen. Also ist die Herausforderung alles auszubalancieren und so viel wie möglich an den Wochenenden zu unternehmen.

Foto von: Tim Zimmerman

Du teilst deinen Stoke auch durch deinen Job bei Mervin, wo du u.a. für das Design der Frauen-Snowboards verantwortlich bist. Wie siehst du das Frauen-Snowboarden und was sind deine Wünsche für die nächste weibliche Snowboard-Generation?

Die Frauen und Mädchen, mit denen ich bei Mervin arbeite, sind so inspirierend! Ich hoffe, dass sie sich auf ihrem Weg auch von mir inspirieren lassen, aber ich bekomme auch viel Inspiration von ihnen. Es gibt für mich bei Mervin nicht wirklich eine Trennung von Produkt und Marketing. In meinem Team sind die Kreativen, aber ich arbeite auch mit den Snowboarderinnen zusammen, die ihr Wissen und ihre Erfahrung in den gesamten Prozess einfließen lassen. In die Grafiken, Boarddesigns und Kollektionsplanung. Wir sind dabei immer bemüht, für jede Fahrerin etwas im Angebot haben! Mit Gnu, Roxy und Womens Lib haben wir mit Abstand die größte Auswahl an Damen-Snowboards auf dem Markt. Ich sehe, wie sich das Frauen Snowboarden weiter entwickelt und es ist so toll zu beobachten. Jeder Hang kann auf unterschiedlichste Art gefahren werden und die Mädchen haben heutzutage das Selbstvertrauen, den Style und die Kraft es ganz nach ihrer Vorstellung zu tun. Wenn eine Frau eine Andere einen Trick im Schnee machen sieht, wird es plotzlich möglich. Dann wird die Messlatte wieder höher gelegt…. Es scheint wirklich so, als würden die Frauen den Sport für sich definieren, die Dinge auf ihre eigene Weise machen und ich kann es kaum erwarten zu sehen, was sie als Nächstes tun.

Foto von: Tim Zimmerman

Du warst und bist immer noch ein Vorbild für viele Snowboarderinnen. Welche Werte möchtest du weitergeben?

Snowboarden hat mich gelehrt immer offen für Möglichkeiten zu sein. Als ich noch bei Contests teilnahm und nur den Traum verfolgte Profi zu werden, hatte ich keine großen Zweifel und sah die Hindernisse nicht. Ich machte einfach selbstbewusst weiter. Daran muss mich manchmal erinnern! Snowboarden diente wirklich als meine Ausbildung nach der Highschool und ich habe einige wertvolle Lektionen fürs Leben gelernt: Flexibel zu sein, sich nicht daran aufhängen “wie es sein sollte” und die Kontrolle über die Situation zu übernehmen. Der Begriff „Soziales Netzwerk“ ist heute ganz anders als damals, aber es ist wichtig ein Netzwerk zu haben, nett und respektvoll zu den Menschen zu sein, sie nicht auszunutzen und sich nicht ausnutzen zu lassen. Spaß zu haben. Und wenn es keinen Spaß mehr macht, weiter zu ziehen!

 

Und wer sind deine Vorbilder?

Hm, ich habe zu den Leuten vor mir im Snowboarden aufgesehen, als ich danach strebte, in der Rolle zu sein, in der sie waren, wie Shannon Dunn, Tina Basich, Michelle Taggart. Ich bewunderte auch andere Athleten wie Picabo Street und Gabrielle Reece, weil sie stark waren, aber bei meinen Begegnungen mit ihnen zugänglich und geerdet schienen…. und sie hatten knallharte Sponsorenverträge, die ich selbst gerne gehabt hätte!  

Ich sehe auch Frauen wie Kaitlyn Farrington, Jamie Anderson und Amy Purdy als inspirier-
ende
Freunde und Athleten an, die in diesem Sport und mit ihren Zielen so viel erreicht haben und sich immer treu geblieben sind. Und ich liebe es, dass ich immer noch von den jüngeren Frauen lerne, die ich dank Snow-
boarden kennenlerne. Natürlich habe ich auch außerhalb vom Sport Vorbilder: Mütter, Väter, Karriereprofis, Kommunikatoren, Musiker, Künstler, Lehrerinnen. Ich hoffe, dass ich weiterhin Inspiration und Motivation durch Menschen finde, denen ich im Leben begegne, unabhängig davon, in welcher Rolle sie sich befinden.

Thanks!

Foto von: Barrett Christy