Drei Rampage-Siege in Folge, ein historischer Flatspin 360 und ein ganz eigener Weg an die Spitze des Mountainbike-Freeridens: Die Neuseeländerin Robin Goomes pusht Frauen-Freeriding stets auf ein neues Level. Im Interview spricht sie über den Rampage-Spirit, den produktiven Umgang mit Angst und warum der wahre Erfolg schon lange vor dem Drop-in beginnt.

800 Kilometer östlich der neuseeländischen Küste liegen die Chatham Islands. Hier, inmitten rauer Natur und weit weg vom Rest der Welt, liegen Robins Wurzeln. Doch ihr Hunger nach Progression führte sie weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus – zunächst zum Militär und sogar in die Antarktis, bevor sie eine Kehrtwende machte und ihren Traum vom Mountainbiken verwirklichte.

Heute gehört Robin Goomes zu den prägenden Persönlichkeiten des Frauen-Freeridens. 2021 landete sie bei Crankworx ihren ersten Backflip in einem Contest, 2024 gewann sie die historische Premiere der Frauen bei der Red Bull Rampage. Ein Jahr später verteidigte sie ihren Titel. Und im Oktober 2026 setzte sie noch einen drauf: Bei der 25. Ausgabe der Rampage holte sie ihren dritten Sieg in Folge. Mit einem Flatspin 360 gelang ihr dabei als erster Frau überhaupt dieser Trick bei dem legendären Big-Mountain-Event. Ihr Final Run wurde mit 93,50 Punkten bewertet.

Robins Riding steht für technische Präzision, massive Sprünge und den Mut, neue Grenzen auszuloten. Doch hinter den spektakulären Runs stecken nicht nur Talent und Nervenstärke, sondern auch jede Menge harte Arbeit. Im Interview erzählt sie, was in den letzten Sekunden vor dem Drop-in passiert, wie sie Angst für sich nutzt und warum bei der Rampage der entscheidende Teil oft schon vor dem Finaltag stattfindet.

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Robin Hood Rampage

Hi Robin, wann war dein letzter Run, bei dem einfach alles Klick gemacht hat und du gespürt hast, dass du auf dem nächsten Level angekommen bist – auch was das Selbstvertrauen angeht?

Crankworx Rotorua in diesem Jahr war der Hammer. Ich habe meinen ersten 360 in einem Contest gestanden und hatte außerdem einen fetten Step-Down-Flip in meinem Run. Die Bedingungen waren echt schwierig und insgesamt gab mir das einen ordentlichen Push. Ich wusste: Wenn ich das unter diesen Umständen hinbekomme, schaffe ich es immer.

Wenn du an diesen Moment zurückdenkst: Was genau hat sich da bei dir verändert?

Es war gar nicht so sehr eine krasse Veränderung, sondern eher dieser eine Moment, in dem sich das ganze Training der letzten Jahre endlich ausgezahlt hat.

Kannst du beschreiben, was in den letzten Sekunden vor dem Drop-in – zum Beispiel bei der Rampage – in dir vorgeht?

In diesen letzten Sekunden passiert eigentlich nicht viel. Mein Kopf ist ziemlich leer und extrem fokussiert. Die Arbeit ist getan: Ich habe die Line getestet, ich habe trainiert und ich habe visualisiert, was ich tun muss. Das Einzige, was jetzt noch bleibt, ist es durchzuziehen.

Ab welchem Punkt wird Angst für dich zu einer nützlichen Information – und wann versuchst du, sie komplett auszublenden?

Wenn es dir Angst macht, weißt du, dass du etwas gebaut hast, das dich herausfordert und dich an deine Grenzen bringt. Angst ist nichts, was ich einfach abschalten kann. Sie fährt quasi mit, also nehme ich sie einfach mit auf die Reise und nutze sie für mich.

Was bedeutet ein „erfolgreicher Run“ für dich – jenseits von Ergebnissen, Scores oder Rankings?

Bei der Rampage fühlt es sich schon wie ein Sieg an, es überhaupt bis zum Finaltag zu schaffen. Einen Run in einem Event wie diesem sauber von oben bis unten ins Ziel zu bringen, ist immer ein Erfolg.

Was motiviert dich, dein Level immer weiter zu pushen?

Mich inspiriert es, andere fahren zu sehen. Und das Wissen, dass in meinem Bereich noch so viel mehr möglich ist.

Du kommst aus einem extrem strukturierten Umfeld wie dem Militär und bewegst dich jetzt in völlig unvorhersehbarem Gelände. Beeinflusst das heute noch die Art, wie du auf dem Bike Entscheidungen triffst?

Es gibt nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen meiner Zeit in der Armee und dem, was ich jetzt mache. Aber ich denke, die wichtigste Sache, die ich von damals mitgenommen habe, ist das Mindset.

Robin Goomes competes at Red Bull Rampage 2026
Foto: Paris Gore / Red Bull Content Pool
Robin Goomes competes at Red Bull Rampage 2026
Foto: Christian Pondella / Red Bull Content Pool

Wenn du eine Line planst oder baust, worauf liegt dein Fokus?

Das Ziel ist es, etwas zu bauen, das mein Riding am besten präsentiert – aber vor allem etwas, das mir Spaß macht, zu fahren.

Was kann man als Zuschauer leicht übersehen, wenn man nur den finalen Run sieht?

Bei der Rampage wissen die Leute oft nicht, dass jede Fahrerin ihre Line mit Hilfe von nur zwei Shapern komplett selbst bauen muss. Und danach liegt es an der Fahrerin, jedes Feature selbst zu testen, bevor sie den Contest bestreitet. Der Großteil der Rampage findet eigentlich schon vor dem Finale statt.

Wenn du auf die Entwicklung des Freeride-Sports der Frauen in den letzten Jahren blickst: Was ist der größte Fortschritt?

Dass Frauen bei der Rampage mitfahren. Es fühlte sich an wie das letzte große Freeride-Event, dem noch eine Frauen-Kategorie fehlte. Das ist riesig für die nächste Generation: Dass sie das als völlig normal ansehen und darauf hinarbeiten können, eines Tages selbst dabei zu sein.

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