Spotcheck Lenzerheide
Schokolade, Käse, Kühe auf malerischen Bergwiesen – und irgendwo in der Jackentasche ein Taschenmesser, um für jedes Abenteuer bereit zu sein. Das sind nur einige Klischees, die es über die Schweiz gibt. Wir wollten aber ganz ohne Vorurteile, neutral wie die Schweiz sozusagen, ihr einziges Königreich in Graubünden erkunden: Das Bike Kingdom Arosa Lenzerheide und Chur. Spoiler: Das Taschenmesser hätten wir gebraucht und das Postkartenidyll mit Kühen, Almwiesen, Bergseen und beeindruckenden Berglandschaften wurde zu 100 % erfüllt.
Das Bike Kingdom Arosa Lenzerheide Chur im Test
Ganz neutral waren die Marketingverantwortlichen bei der Namensgebung nicht. Ein ganzes Königreich für Mountainbiker:innen klingt verheißungsvoll und einzigartig. Wir wollten herausfinden, ob die Region dem Namen gerecht wird und wir uns auf unseren Mountainbikes königlich amüsieren werden. Ähnlich wie Laax ein Vorreiter für Snowboarder:innen war, erkannten Arosa, Lenzerheide und Chur schon früh das Potenzial von Mountainbiker:innen. Die drei Gebiete schlossen sich zusammen und mit dem Bike Kingdom-Tagesticket stehen dir zwei Bikeparks, 12 Bergbahnen sowie zahlreiche Trailkilometer zur Verfügung. In Graubünden darf jeder Wanderweg auch mit dem Mountainbike befahren werden, daher gibt es hunderte Kilometer Trails und unzählige Touren zu entdecken. Zudem gibt es eine große Infrastruktur für Mountainbiker:innen wie MTB-Schulen, Bike-Hotels, Verleihe und zahlreiche Events. Der größte findet dieses Jahr in Lenzerheide statt: ein Stopp der WHOOP UCI Mountain Bike World Series.
Das ganze Angebot ist gebündelt in einer App zugänglich. Hier findest du eine Übersicht der Trails, aufgeteilt nach Schwierigkeit, Tourenvorschläge, offene Lifte, Wetter, Webcams, Restaurants, Hotels und Bikeschulen sowie Quests, bei denen Preise und Specials gewonnen werden können. An jeder Liftstation gibt es gratis WLAN, sodass auch Nicht-Schweizer die App nutzen können, ohne ein Vermögen an Roaminggebühren ausgeben zu müssen.
Die Trails im Bike Kingdom
Für unseren Besuch im Bike Kingdom wählten wir drei Tage Mitte Juli. Dass es in Lenzerheide hoch hinausgeht, spiegelten die weißen Gipfel um uns herum wider. Zugegeben, 14 Grad und Nieselregen waren nicht die wärmste Begrüßung, doch unsere Unterkunft, das Valbella Resort, sorgte mit den gemütlichen Zimmern, Spa-Bereich und dem köstlichen Abendessen schnell dafür, dass wir uns wohlfühlten. Die Mountainbikes waren sicher im Bikekeller verstaut und wir besprachen mit Mountainbike-Guide Lara unsere Optionen für den ersten Tag. Nachdem auf den höhergelegenen Trails bis zu zehn Zentimeter Neuschnee lagen, wollten wir am nächsten Tag die etwas tiefer gelegenen Strecken auf der Westseite der Lenzerheide erkunden. Auf dem Programm standen Scalottas Nord, der Höhenweg Alp Stätz, sowie der etwas ruppigere Lavoz Trail.
Nach einem gemütlichen Frühstück ließ der Regen nach und unter grauem, wolkenverhangenem Himmel starteten wir von Valbella aus zum Sessellift mit dem unaussprechlichen Namen Tgantieni. Eine kleine Erinnerung daran, dass Graubünden der einzige Kanton in der Schweiz ist, in dem Rätoromanisch Amtssprache ist (neben Deutsch und Italienisch). Der Dreiersessellift brachte uns und unsere Bikes hoch auf den Piz Scalottas auf 2.323 Meter. Bevor wir das wunderschöne Panorama bewunderten, zogen wir uns aber sämtliche Klamotten an, die in unseren Hip Bags Platz fanden.
Die Westseite
Von der Bergstation hat man nun zwei Optionen: Rechts hinunter auf dem Top Fops oder links den Höhenweg entlang bis zum Einstieg zum Alp Stätz Trail. Ausgestattet mit der Karte und der App starteten wir gemütlich den Singletrail zur malerischen June Hütte, der direkt in den Scalottas Nord übergeht. Ein einfacher, flowiger Trail, mit Blick auf den Heidsee und das imposante Rothorn gegenüber. Am Ende des Trails kamen wir in einen Graupelschauer.
Umringt von einer Herde Kühen versuchten wir, den weiterführenden Trail zu finden – doch ohne WLAN waren wir lost (das teure Datenroaming wollten wir uns mit unseren deutschen Mobilverträgen sparen.) Tipp: Bei WLAN alles vorladen, dann lässt sich die App auch offline nutzen. Der Regen und die Kälte ließen uns kurzerhand dazu entscheiden, einfach den vorhandenen Schildern zu folgen, diese führten uns über die MTB-Tour 616 zurück ins Tal. Bei einem Snack aus dem Supermarkt besprachen wir bei Käse und Brot am See – leider ohne Schweizer Taschenmesser, dafür mit wunderschöner Kulisse – unsere Optionen.
Action & Flow im Bikepark Lenzerheide
Wir beschlossen, die Westseite noch mal in Ruhe, bei besserem Wetter, auszukundschaften und jetzt in den nahegelegenen Bikepark zu fahren, um uns bei einigen schnellen Runden wieder aufzuwärmen. Tatsächlich kam bei den ersten Anliegern auf dem Flowtrail auch die Sonne raus und uns wurde langsam warm auf unseren Bikes. Der Bikepark besteht aus fünf Strecken, von einer Flowline, über eine Shoreline bis zur schwarzen „STRAIGHTline“, die auch im World Cup gefahren wird, ist alles dabei. Die blauen und roten Strecken stehen für Anlieger und Jumps in jeder Größe – Enduro-lastige Trails findet man hier nicht, schließlich besteht das restliche Bike Kingdom aus Enduro-Trails unterschiedlicher Couleur. Der Lift zum Bikepark fährt von Anfang Juli bis Mitte August bis 20 Uhr – und so konnten wir noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf dem Rad genießen.
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Zurück zur Westseite des Bike Kingdoms
Ein kurzer Blick am Morgen aus dem Fenster verriet uns: Sonne pur! Die herbstlichen Temperaturen vom Vortag waren vergessen und wir freuten uns, noch mal bei guten Wetterbedingungen die Trails an der Westside zu fahren. Dieses Mal hatten wir uns besser vorbereitet und in der App und auf Trailforks genau geschaut, wie wir von Scalottas Nord auf den weiterführenden Höhenweg Alp Stätz kommen. An der Stelle, an der wir am Vortag im Schauer auf den Forstweg abgebogen waren, traten wir dieses Mal ca. 100 hm bergauf und kamen so zum Einstieg des Höhenwegs. Mit wunderschönem Panorama, und entlang von Blumenwiesen kommt hier richtig Flow auf. Von dort bogen wir in den Wald ein und endlich ging es auf dem Alp Stätz Trail über Wurzeln und Steine etwas ruppiger hinab ins Tal. Doch wo genau waren wir jetzt eigentlich? Ein kurzer Blick in die App zeigte uns: Wir müssten in Parpan sein – und wollen zurück zum Ausgangslift, da wir noch den Top Fops auf dem Plan stehen haben. Die Aussicht, jetzt sieben Kilometer entlang der Hauptstraße zurück nach Lenzerheide zu treten, sorgte bei uns allen nicht für große Begeisterung. Doch wir hatten Glück und erwischten einen Bus, der uns zurück in den Ort brachte! So konnten wir ohne große Anstrengungen und Zeitverlust zurück zum Tgantieni Sessellift. Merke fürs nächste Mal: Von Parpan aus macht es mehr Sinn, nach Churwalden zu fahren und von dort aus die Gondel zu nehmen, um wieder an den Ausgangsort zu kommen – oder gleich die Trails um Churwalden zu entdecken. Das Bike Kingdom ist nämlich wirklich weitläufig.
Wir waren zurück auf dem Piz Scalottas und hatten mit dem Top Fops einen verspielten Singletrail vor uns, der teils mit engen Serpentinen bergab führte. Leider nicht ganz zurück ins Tal, aber dieser Abschnitt ist bereits in Planung. Wir waren aber zufrieden und erschöpft von dem Tag auf dem Bike und freuten uns darauf, bei bestem Wetter noch kurz in den Hotelpool zu springen, bevor wir mit Bündner Spezialitäten wie Pizzoccheri wieder unsere Kraftreserven für den letzten Tag auffüllen konnten.
Hochalpine MTB-Trails: Älplisee Trail & Rothorn
Inzwischen war der meiste Schnee wieder geschmolzen und so zog es uns am letzten Tag in höhere Gefilde. Leider war der Dark Side of the Moon Trail noch geschlossen, aber mit dem Great White und dem Älplisee Trail warteten noch zwei Highlights auf uns. Die Rothornbahn und der Weißhornspeed-Sessellift brachten uns schnell in hochalpines Gelände. Die Trails (Schwierigkeiten S2-S3) hier führen über Steine und Geröll und bieten eine atemberaubende Aussicht auf die Schweizer Berge. Der acht Kilometer lange Älplisee Trail startet auf 2.615 Meter Höhe und führt über einen Singletrail hinab zum malerischen Älplisee, vorbei an Murmeltieren und kleinen Bächen. Danach folgt eine enge und steile Steinpassage, die wieder zu einem flowigen Trail in wunderschöner Berglandschaft wird. Glücklich und zufrieden steigen wir in Arosa in die Gondel und machen uns über Zick-Zack-Trails auf den Rückweg nach Valbella.
Fazit
Drei Tage im Bike Kingdom sind nur ein kleiner Einblick in ein riesiges Netzwerk aus Trails. Neben den Bikepark Strecken locken vor allem die unzähligen Enduro-Trails. Flowige Singletrails, technische Passagen, Natur pur – hier findet jede:r Mountainbiker:in die passenden Trails. Wer Schweizer Bergidylle, Trails und Abenteuer liebt, sollte das Bike Kingdom unbedingt auf seine Liste setzen.
Tipps für ein unvergessliches Wochenende im Bike Kingdom:
Hotels: Es gibt einige offizielle Bike-Hotels, wie das Valbella Resort, das mit Bike-Garage, Bike-Wash und Toureninfos ausgestattet sind. Die Preisrange bei den Bike-Hotels liegt hier ca. bei 170-250 CHF pro Zimmer/Nacht inkl. Frühstück.
Aber: Es gibt auch Bike-Packages, bei denen pro Nacht und Person das Tagesticket (53 CHF) inkludiert ist. Somit kommt man nicht viel teurer, als bei einem Bike-Wochenende in Österreich oder Deutschland.
Camping: Camping ist in der Schweiz vergleichsweise günstig! Es gibt zwei Campingplätze, die Stellplätze und Chalets anbieten. Ein Wohnmobilstellplatz kostet 25 CHF, plus 10 CHF pro Person, plus 4,50 CHF Kurtaxe. Ein Zeltplatz kostet nur 12 CHF.
Good to know – Rabatte & Karten: Arosa Card: Wer mindestens eine Nacht in Arosa (Hotel/Ferienwohnung/Camping) bleibt, erhält die Gästekarte. Mit ihr gibt es 30 % Rabatt auf Tagestickets an den Arosa-Kassen (Bike-Transport ist in den regulären Tickets inklusive).
Online kaufen: Bike-Tickets sind ca. 6 % günstiger online als an der Kasse.
Hotel-Packages: Mehrere Häuser schnüren Übernachtung und Bike-Pass. Preise variieren je nach Saison und Nachfrage; bei kurzer Aufenthaltsdauer lohnen diese Bundles oft.
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