Wie aus einer Idee auf dem Trail eine MTB-Brand für Frauen wurde
Die Reise hinter RaphRoxs
Manchmal braucht es nur eine unbequeme Hose zu viel. Raphaela, Mountainbikerin und Produktentwicklerin aus Augsburg, hat genau das erlebt – und daraus RaphRoxs gemacht: eine MTB-Brand, die nicht für Frauen entwickelt wurde, sondern mit ihnen. Wie aus Frust eine Marke wurde, aus einer Idee ein Prototyp und aus einem Traum ein Launch – das ist ihre Geschichte:
Ich liebe dieses Gefühl, wenn aus einer Idee Realität wird – wenn aus einem Gedanken ein Produkt entsteht, das wirklich einen Unterschied macht. Genau wie auf dem Trail geht es auch im Design darum, Grenzen zu verschieben und neue Lines zu finden.
Zwischen Leidenschaft und Limit
Servus, ich bin Raphaela eine fanatische Mountainbikerin aus Augsburg, die es liebt Grenzen zu verschieben. Seit 2018 bin ich in der Outdoor- und Textilbranche tätig und entwickle Produkte. Ich denke in Innovationen, Materialien und Lösungen. Ein Umfeld, das ich liebe – und gleichzeitig eines, dass mir Grenzen aufzeigte.
Obwohl ich als ehemalige Elektronikerin für Geräte und Systeme meine Leidenschaft „Design“ zum Beruf gemacht habe, blieb über die Jahre hinweg ein Eindruck präsent: Vermutlich sichere Strukturen können gewachsene Unternehmen fest am Boden halten und sie gleichzeitig an den essenziellen Bedürfnissen ihrer Kunden vorbeientwickeln lassen.
„Was wäre, wenn ich das alles umsetzen könnte?“ – ein Gedanke, der mich unzählige Male innerlich umtrieb. „Aus eigener leidvoller Erfahrung wusste ich, dass uns die Schnitte für Männer vor allem in den Bike-Hosen jedes Mal Komfort, Zeit, Leistung und Ästhetik kosteten.“ Der Traum der Selbstständigkeit war zwar schon lange da, doch damals waren noch zu viele Fragen offen. Ein Freelance-Business? Klar greifbar. Planbar. Sicher. Aber eine eigene Marke? Etwas Eigenes aufbauen, finanzieren und verantworten? Das fühlte sich lange nach einer Nummer zu groß an.
Die Entscheidung, die alles veränderte
Eine Anfrage über LinkedIn: Co-Founderin für eine Laufbrand zu werden. Das klang richtig gut. Eine eigene Marke gründen, Selbstständigkeit, Herausforderung, Aufbau, Innovation und Verantwortung – und das zu zweit. Mein potentieller Businesspartner und ich matchten einfach perfekt, auf jeder Ebene. Er brachte Internationalen BWL-Background mit und ich Produkt & Designexpertise. Doch dann ist mir klar geworden, ich komme von meinem Traum ab und es wäre nicht zu 100% das Thema, für das ich einfach so brenne. Wenn ich schon ein volles Risiko eingehe, dann für meinen eigenen Traum, mit voller Leidenschaft und Energie.
Aber das Coole war, dass mein potenzieller Businesspartner meine Vision verstanden hat und mich motivierte, und Mut machte, diesen Traum umzusetzen.
Dieser Wendepunkt wurde für mich zum Energie-Kick und veränderte alles. Ich buchte ein Erstgespräch bei meiner Gründungsberaterin – sie brachte dann den entscheidenden Impuls. Zum ersten Mal sagte jemand von außen zu mir: Du bringst eigentlich schon alles mit – ich sehe da sehr viel Potenzial. Kurz darauf griff ich zum Handy und rief meine Freundin Andi an, die selbst Teil der Bike-Branche ist. Was dann passierte, lässt sich nicht planen. Innerhalb einer Stunde entstanden 13 Seiten: Marke, Vision, Identität. Alles war da. Ich war so im Flow wie auf einem richtig guten Trail und habe erst später gesehen, dass es so viele Seiten & Ideen aus mir rausgesprudelt sind. Und es hat sich sooo richtig gut angefühlt.
Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar, ich setzte das jetzt hauptberuflich um und habe somit meinen sicheren Job gekündigt und anschließend an einem Accelerator-Programm „Stoff im Kopf“ teilgenommen, sowie meine Gründungsberaterin an der Seite.
NO MORE BOYS CLUB ON TRAIL: Warum RaphRoxs entstehen musste!
Die Idee für meine eigene Marke kam aber nicht aus dem Nichts. Sie kam aus der Erfahrung unzähliger Stunden auf dem Bike, und dem Frust vieler Mountainbikerinnen: Die perfekte Hose existiert nicht. Zu eng an den Hüften. Zu weit an der Taille, zu große Logos. Unbequem – vor allem an Tagen, an denen der Frauenkörper sensibler ist. Ein Thema, über das zu wenig gesprochen wird – aber jede Frau, die ein Fahrrad hat, kennt. Ich begann genauer zuzuhören. Mir selbst und den Bike-Mädels in meiner Gruppe, mit denen ich oft gemeinsam fahre.
Denn genau diese Community hat mich unglaublich geprägt und inspiriert. Die Frauen-Community im Mountainbike spielt für mich eine zentrale Rolle. Wenn man mit anderen Bikerinnen unterwegs ist, erlebt man diese besondere Mischung aus Hilfsbereitschaft, Humor und echtem Support. Man pusht sich gegenseitig, wächst gemeinsam über Ängste hinaus, teilt Erfolge – und manchmal auch Stürze.
Diese Stärke, dieses Miteinander und diese Leidenschaft inspirieren mich jeden Tag und sind ein zentraler Antrieb hinter RaphRoxs.
Community statt Zielgruppe
In Online-Foren, Facebook-Gruppen, bei Ride-Outs, auf Events. Auf den Bike-Events in Freiburg und über die Communities verteilte ich dann Fragebögen an die Mountainbiker:innen und sammelte auch Feedback in WhatsApp-Gruppen. Somit baute ich die RaphRoxs Community auch auf Social Media auf und habe die Mädels direkt in den Entwicklungsprozess mit einbezogen. Die Produkte, die daraus entstanden, entstanden also in 100%iger Co-Creation mit den Mountainbikerinnen. Von Anfang an war dadurch für mich klar: RaphRoxs wird keine Marke für Frauen. Sondern eine Marke mit ihnen.
Zusätzlich gründete ich eine kleine WhatsApp-Gruppe: „RaphRoxs Support“ – mit acht befreundeten Bikerinnen, unterschiedliche Persönlichkeiten, die mir ehrliches Feedback bei meinen Selbstzweifeln gaben. Dort habe ich die Dinge geteilt, wenn ich mir selbst im Weg stand – und genau das hat mir geholfen, weiterzugehen. Denn von einem angestellten Verhältnis in die Selbstständigkeit ist erstmal mental eine Herausforderung. An dieser Stelle danke, dass ihr für mich immer ehrlich da seid.
Auch auf Instagram wuchs die Idee sichtbar: Skizzen, Umfragen, Farben, Features. Die Community entschied mit. Und genau das wurde später zur größten Stärke von RaphRoxs.
Vom ersten Schnitt zur finalen Hose
Nachdem ich das Feedback über meinen Fragebogen und Social Media gesammelt hatte, habe ich alles ausgewertet und anhand der Vorlieben der Mädels angefangen, den ersten Prototypen zu entwickeln. Alle Prototypen wurden von mir in meinem kleinen RaphRoxs LAB in Augsburg genäht.
Der erste Prototyp war – wie zu erwarten – alles andere als perfekt. Also habe ich weiter optimiert und einen zweiten Prototypen entwickelt. Diesen habe ich den Mädels beim Pfadfinderinnen Camp vorgestellt und direkt testen lassen. Es mussten noch ein paar Passformanpassungen gemacht werden und auch der Stoff war noch nicht optimal – er war uns allen einfach nicht stretchig genug und hatte schnell Fadenzieher.
Also ging es nochmal von vorne los: Neuen Stoff auswählen, neu denken, nochmal Prototyp 3 und 4 nähen. Und dann hat es finally gepasst.
Daraufhin wurde der komplette Größensatz entwickelt. 12 Meter Stoff auf dem Boden zugeschnitten und sieben Hosen in Langgrößen selbst genäht. Zuschneiden ist ehrlich gesagt nicht meine Lieblingsaufgabe – aber mei, es gehört halt dazu.
Dann kam der Moment, vor dem ich am meisten nervös war: das Fitting.
Wir hatten beim Size Set ein paar Prozent mehr einkalkuliert und dadurch ist die Hose minimal zu groß ausgefallen. Ich war extrem nervös, als ich die Hosen an unterschiedliche Mädels gegeben habe, um zu sehen, ob sie wirklich passen. Gleichzeitig wusste ich durch meine Erfahrung und etwas Rechnen auch, wo wir im finalen Zustand landen werden – Da steckt wirklich viel Schweiß und Herzblut drin.
Aber genau diese Phase – das gemeinsame Testen mit den Mädels auf dem Bike – war auch eine der schönsten.
Der Reality Check
Durch meine positive Energie und Leidenschaft war der Anfang nur so im Flow. Markenkonzept, Produktumsetzung, Pitch gewonnen, Podcast, die Chance auf der ISPO dabei zu sein. Auch der Aufwand der Prototypenentwicklung war zwar anstrengend, aber hat Spaß gemacht.
Doch die Realität eines Start-ups ließ bei mir nicht lange auf sich warten. Eine Woche vor Weihnachten kam die Absage des Gründerzuschusses in einer privat herausfordernden Woche. Bis dahin lief alles fast zu gut, aber dann kam alles Knall auf Fall. Die nächsten Hürden ließen nicht lange auf sich warten. Die Hiobsbotschaft meines Stoffherstellers: Der Stoff wurde falsch produziert! Und somit kam es zu Lieferkettenproblemen, aus sieben Wochen wurden sechzehn und mein ganzer Puffer war somit aufgebraucht. Das hat mich sehr viel Ärger, Zeit und Energie gekostet.
Ich habe auf meine Erfahrungswerte vertraut und mich auf das besonnen, was mir in meiner Anstellungszeit anvertraut wurde: zu entscheiden, was unbedingt bleiben muss und was später ergänzt werden kann.
Somit wurde der Launch um ein paar Wochen verschoben und die Hose, das Herzstück der Marke – wurde vorbestellbar.
Warum sich etwas ändern muss
Was mich zusätzlich überraschte: Wie oft ich unterschätzt werde. Als junge zierliche Frau. Als Gründerin. Als neue Marke. Vor allem in traditionellen Strukturen der Textil- und Bike-Branche. Ich hätte nie gedacht, dass das heute noch so präsent ist. Vielleicht fiel es vorherigen Stationen deshalb schwer, flexibler auf den Markt einzugehen. Ab hier stellte sich für mich die nächste Erkenntnis ein. Warum RaphRoxs wirklich wichtig ist. Frauen fühlen sich gesehen. Verstanden. Einbezogen.
„Ride your own raph trail“ hat für mich eine doppelte Bedeutung.
Vor kurzem habe ich RaphRoxs gelaunched. Eine Marke, die aus Mut entstanden ist. Aus einer klaren Vision: mehr Sichtbarkeit für Frauen im Mountainbiking. Mehr Produkte, die wirklich passen. Und mehr Mut, den eigenen Weg zu fahren.
RaphRoxs soll auch ein Umdenken anstoßen: Frauen gehören genauso selbstverständlich auf den Trail wie Männer. Sie sind starke Vorbilder, naturverbunden, leidenschaftlich und tough – und genau das darf sichtbar werden.
Entwickelt aus Expertise, Leidenschaft und echter Community-Power.
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