Aller Anfang ist schwer – und beim Surfen leider ganz besonders. Die Holländerin Léonie Christen arbeitet bei Wavetours als Surflehrer in Vieux-Boucau. Wir haben uns mit ihr über die häufigsten Anfängerfehler beim Surfen unterhalten.
Hallo Léonie. Kannst du dich kurz bei unseren Leserinnen vorstellen?

 Hallo, mein Name ist Léonie, ich komme aus den Niederlanden und ich bin 25 Jahre alt. Ich surfe schon seit langer Zeit, und seit ca. 8 Jahre verbringe ich die Sommer in Vieux-Boucau und wollte seitdem auch nie wirklich woanders hin. Seit etwa 2,5 Jahren gebe ich Surf-Unterricht, habe zwei Saisons in Sri Lanka, ein paar Monate in Portugal, einige eiskalte Stunden in Holland verbracht und werde nun meine zweite Saison als Surflehrer für Wavetours in Vieux-Boucau, Frankreich, beginnen. Ich arbeite schon seit einigen Jahren für Wavetours, erst als Teamer im Camp und dann irgendwann, als ich mich im Wasser richtig wohl fühlte, machte ich meine Surflehrerlizenz und begann zu unterrichten. Für mich ist Frankreich einfach der beste Ort der Welt. Wenn mich die Leute fragen, kann ich es nicht wirklich erklären, es hat einfach etwas Magisches. Die Wellen, die Menschen, die langgezogenen Strände, warme Sommernächte, einfach eine perfekte Kombination aus guten Dingen. Meine Arbeit und mein Hobby so kombinieren zu können, ist etwas ganz besonders.

Wir sprechen über die häufigsten Fehler, die Surfer machen. Vorbereitung ist die halbe Miete: Was ist die beste Möglichkeit, sich auf den nächsten Surftrip / den ersten Surf-Unterricht vorzubereiten? Gibt es Dinge, die Anfänger und Fortgeschrittene tun können?

Schwimmen ist immer eine gute Vorbereitung. Beim Surfen benutzt du hauptsächlich deinen Oberkörper, besonders beim Paddeln, das Schwimmen bzw. Kraulen kommt dieser Bewegung am nächsten. Leider haben wir nicht immer alle ein Schwimmbad um die Ecke, aber grundsätzlich ist jedes Training zur Stärkung von Oberkörper und Armen eine gute Vorbereitung. Liegestütze sind immer gut, obwohl ich auch nicht viele schaffe…haha. Zusätzlich kannst du, wenn du schon einmal gesurft bist, jederzeit tägliche Pop-ups an Land machen. Je öfter du das tust, desto natürlicher wird diese Bewegung und desto leichter fällt sie dir im Wasser!

Es gibt viele Anfängerfehler beim Surfen. Welche sind das und wie kann man sie vermeiden?

Es ist schwer zu sagen, normalerweise, wenn ich unterrichte, habe ich etwa 8 Leute in meiner Gruppe und fast jeder macht unterschiedliche Fehler. Ich finde das ziemlich interessant, da jeder vom gleichen Lehrer lernt. Wie auch immer, es ist sehr wichtig immer nach vorne zu schauen. Ich sage immer: Wenn man nach unten schaut, gehst du auch unter! Also Nose nach oben und immer dort hinschauen, wo ihr auch hinwollt. Dein Körper folgt deinem Blick automatisch. Das merkst du schnell. Ich vergleiche das Surfen gerne mit dem Fahrradfahren (vielleicht weil ich Holländerin bin?), aber wenn du beim Radeln nach unten schauen würdest, würdest du nur Unfälle verursachen! Außerdem ist es sehr wichtig, nicht die Rails des Boards zu greifen. Wenn du die Rails umklammerst, hast du weniger Kraft für einen Take-off. Also Hände flach auf dem Brett neben deinen Brüsten, Finger und Blick vorne!

Wie sieht es bei fortgeschrittene Surfer / Surfer, die ihre ersten grünen Wellen bekommen haben, aus. Welche sind die häufigsten Fehler?

Für Green Waves Starter ist das größte Problem, Wellen zu kriegen. Nachdem man im Weißwasser viel Selbstvertrauen gewonnen hat und viele Wellen surfen konnte, kann es recht frustrierend sein, wenn man das erste Mal im Line-up ist. Gefühlt bekommt man gar keine Wellen mehr.

Ein häufiger Fehler ist zu weit hinten auf dem Board zu liegen. Es sind nur ein paar Zentimeter, aber die machen einen großen Unterschied. Das kommt oft aus Angst vor einem Nosedive. Den richtigen Spot auf deinem Board zu finden ist aber essentiell um Wellen zu kriegen. Liegst du zu weit hinten kannst du keine Geschwindigkeit aufbauen, damit die Welle dich mitnimmt. Hast du deinen Sweet Spot und genügend Geschwindigkeit, musst du nur im richtigen Moment aufstehst und du hast du es geschafft! Ein Nosedive ist leider Teil des Prozesses, ohne Nosedives wirst du nie wissen, wann du zu spät für den Take-off dran warst… Das perfekte Timing finden ist ein Lernprozess.

Foto von: Patrick Steiner

Welche Tipps hast du im Allgemeinen für uns?

Nimm Surfunterricht! Wenn du dich im Wasser schwer tust und immer wieder die gleichen Fehler machst, hilft es, wenn dir jemand sagt, was du falsch machst und vor allem, warum. Wenn du ein fortgeschrittener Surfer bist, versuche ein Surfcamp zu finden, das Videoanalysen anbietet, wie ich es immer mit fortgeschrittenen Schülern mache. Es ist super hilfreich sich selbst beim Surfen zu sehen und so zu erkennen, was man richtig und falsch macht. Man kann nur an etwas arbeiten, wenn man weiß, was man ändern muss! Versuche nicht mit aller Macht besser zu werden, sondern genieße es, im Wasser zu sein und freue dich über jede einzelne Welle, die du surfst. Das mag klischeehaft klingen, aber ich sehe viele Surfer, die der neue Kelly Slater oder Stephanie Gilmore sein wollen und super frustriert sind, wenn das nicht funktioniert. Last but not least, viel Spaß beim Wipe-Out! Mir geht es selbst erst seit kurzem so, aber so ein Wipe-Out kann viel Spaß machen. So kannst du bei allen Bedingungen Spaß im Wasser haben, egal ob bei guten oder schlechten Wellen.