Die Fahrt geht seit Stunden schon durch kleine Ortschaften, entlang an Reisfeldern und Palmen, wir kreuzen immer wieder große Verkehrs-straßen und Busse und LKWs rasen im Affenzahn an uns vorbei… Schlagloch auf Schlagloch rumpeln wir immer weiter… dass wir für 200 km tatsächlich fünf Stunden brauchen könnten, hatten wir anfangs nicht glauben können, jetzt verstehen wir warum. Erstens sind die Distanzen auf Java riesig und bei den kleinen, schlechten Straßen kommt man nur sehr langsam voran. Aber wir haben es ja auch nicht eilig… die entspannte Mentalität der Indonesier sowie die Hitze haben auch auf uns abgefärbt. Hauptsache wir kommen heil an, was bei dem Fahrstil unseres Fahrers an ein Wunder grenzt!

Foto von: Anita Fuchs

Wer nach Indo reist, fliegt meist nach Bali. Die Insel der Götter ist ein Paradies mit Surfen, Yoga, Party und gutem Essen – und bereits so touristisch erschlossen, dass sie extrem aus den restlichen indonesischen Inseln heraus sticht. Alleine schon wegen der Religion: Während die Balinesen hauptsächlich Hindus sind, leben auf den restlichen 17.000 Inseln des Archipels Großteils Moslems. So auch auf der zweitgrößten Insel Java. In Sichtweite von Bali verbirgt sich auf der riesigen Vulkan-insel das wahre Herz Indonesiens: und das sollte entdeckt werden! Denn neben Vulkanen, Tempelanlagen, Dschungel und sehr günstigen Preisen, liegen an der Küste Javas einige bekannte und sehr viele weniger bekannte Surfspots. Wer nach leeren Wellen sucht, wird hier auf jeden Fall fündig. Nur etwas Zeit sollte man mitbringen, da die Insel mit 1062 km Länge wirklich riesig ist! Die Bevölkerung ist sehr freundlich und neugierig und auch als alleinreisende Frauen hat man dort keine Probleme, solange man sich in den Dörfern und Städten entsprechend kleidet (langer Rock, bedeckte Schultern), mit einem Sarong bedeckt zum Strand läuft und mit T-Shirt und Boardshorts surft. In den bekannteren Surfspots ist aber auch ein Bikini-Surf kein Problem.

Java ist eine der am dichtesten besiedeltsten Inseln der Welt, doch fährt man durch das weitläufige Land, fällt das nicht auf – erst wenn man in Städten wie der riesigen Hauptstadt Jakarta unterwegs ist. Java ist kulturell und historisch gesehen das Herz Indonesiens. Unterteilt in vier Regionen ist West Java, bekannt als Sunda Land, die Größte mit den meisten Einwohnern. Die wellenreiche Region ist bekannt für ihre einzigartige Kultur und Sprache (Sundanese) und besticht durch ihre wunderschöne Landschaft aus Bergen, imposanten Vulkanen, grünen Tälern und malerischen Buchten. Für uns Surfer ist auch Java Timor, also Ost Java, besonders interessant. Die grüne Region, in der neben Vulkanen und Dschungel auch die bekannte Tempelanlage Borobudur liegt, punktet mit einer Vielzahl an Wellen.

Foto von: Anita Fuchs

Zeit für Neues 

Bali eignet sich allerdings perfekt für das erste Ankommen in Indonesien und als Ausgangspunkt für eine Reise nach Ost Java. Von der Nordwest Küste Balis kann man die Nachbarinsel, die nicht einmal 5 km entfernt ist bereits erblicken. Man setzt mit der Fähre in knapp einer Stunde über und von dort ist es nicht mehr weit zur weltbekannten Welle von G-Land. Als Durchschnitts-Urlaubssurfer kann man den Trip in den Dschungel und zur Barrel von Granjagan aber auch gerne auslassen und stattdessen die Westküste etwas weiter entlang fahren, um dort in einsamen Buchten leere Beachbreaks zu surfen. Eine dieser Buchten wird von Bali aus gerne angefahren und hinter grünen Plantagen und Palmen wartet eine weitläufige Bucht mit malerischen Felsen und einem sanften, leeren A-Frame über Sand. Neben einem Surfcamp findet man in dem kleinen Ort ein paar günstige Homestays, einfache Warungs mit leckerem Essen und viele pinke Dragonfruits, die dort in der Nähe angebaut werden.  Außer ein paar Surfanfängern vom Surfcamp hat man die Welle unter der Woche meist für sich alleine. Und da sie nie besonders groß und kraftvoll ist, hat man als Anfänger und Intermediate Surfer dort sicher seinen Spaß.

Weiter entlang der Küste findet sich in der Nähe von Yogyakarta ein weiteres Surfmekka von Java, wobei Surfmekka hier nur so viel heißt wie zwei Hostels und davor ein paar gute Wellen. Also alles sehr entspannt und einsam.  Sollten die Wellen vor der Haustüre nicht laufen, hat man die Möglichkeit zu umliegenden Spots zu fahren, die allerdings eine Rollerfahr-Stunde entfernt liegen. Einziger Nachteil: Wenn es flat ist, kann man hier nichts machen, außer im Hostel ein Buch zu lesen. Denn der Ort ist nicht besonders schön und es gibt kein einziges schönes Cafe oder Restaurant zum Relaxen. Und am Strand im Bikini zu chillen ist hier auch keine Option…

Foto von: Anita Fuchs

Der perfekte Pointbreak

Mein persönliches Highlight von Java ist allerdings der lange Pointbreak am Ende einer weitläufigen Bucht in West Java. Entweder man fliegt von Jakarta aus mit einer Chesna und genießt den schönen Ausblick, oder man fährt ca. zehn Stunden mit dem Auto in das Paradies für Longboarder. Hinter dichtem, grünen Dschungel liegt am Ende des langen Sandstrands eine kleine Felsformation an der sich eine sanfte rechte Welle bricht und lange über Sand läuft. An guten Tagen peelt sich die Welle über hundert Meter wie am Schnürchen und neben zahlreichen Longboardern hat man auch mit einem Funboard an größeren Tagen viel Spaß und endlose Rides. Bei kleinem Swell leiht man sich einfach ein Longboard aus, versucht sich an Cross-Steps oder man checkt den A-Frame am Riff. Die schnelle Riffwelle bietet nach rechts eine schöne lange Wall und kann auch nach links gesurft werden. Sollten beide Spots nicht laufen, findet man rechts und links vom Point in ca. einer Stunde Rollerfahrt noch weitere Beachbreaks, die viel Swell anziehen.

Das besondere an dem kleinen Fischerdorf ist auch der entspannte Vibe! Direkt am Point findet man einige einfache Homestays, von deren Terrasse aus man die Wellen checken und bei einer Kokosnuss relaxen kann. Die Strände sind bis auf die Wochenenden und Feiertage schön leer, doch wenn die Locals aus der nächsten großen Stadt Bandung Urlaub machen, erinnert die große Bucht an ein Wellenspaßbad! Groß und Klein springen mit Schwimmreifen in die Wellen, am Strand wuselt es, das Bananaboot dreht seine Runden und der Eisverkäufer läuft mit seinem Klingelton Amok. Am besten umgeht man das Treiben bei einem Ausflug zum Canyoning in den Dschungel oder einer Bootsfahrt durch einen grünen Canyon. Die wunderschöne Landschaft lädt definitiv zu Ausflügen ein.

Foto von: Anita Fuchs

Go West!

Ganz im Westen der Küste liegen noch weitere Surfspots, die von Jakarta in 2-6 Stunden aus zu erreichen sind und deshalb auch öfter mal crowded sind. Die Spots hier sind generell etwas kraftvoller und steiler.

Wer Zeit und Entdeckungslust mitbringt, findet an der langen Küste vor Java bestimmt das ein oder andere Wellenjuwel! Denn auch wenn Bali immer wieder schön ist und alles bietet, was man zum Entspannen braucht, fehlt oft das Abenteuer! Dies und leere Wellen sind dabei gar nicht weit, also steigt in den Van, Bus oder Flugzeug und entdeckt das wahre Herz Indonesiens!

Foto von: Anita Fuchs