Auf in die Freiheit – Mit dem PandaVan in die Bretagne
Diese Story stammt aus Ausgabe 69 – Chasing Dreams. Hier kannst du das Magazin bestellen!
Wenn ich mich in den Van setze und alleine in ein Abenteuer aufbreche, dann fühle ich die Aufregung und Vorfreude auf das große Unbekannte. Die Nerven sind meist gut strapaziert von den ganzen Vorbereitungen, doch ich weiß es lohnt sich und jeden Kilometer, den ich nach dem Start zurücklege, breitet sich die Entspannung in mir aus und ich bin bereit für das nächste Abenteuer. Genau das habe ich erlebt, als ich mich entschied, meinen 40. Geburtstag nicht zuhause zu feiern, sondern mit meinem 32 Jahre alten, 45 PS starken PandaVan einen Monat lang in die Bretagne zu fahren – allein, auf meine Weise und mit einem Plan, der sich immer wieder an die Gegebenheiten anpassen musste
Solo-Trip als Frau: Freiheit und Flexibilität – vor allem wenn es regnet
Es war ein ziemlich spontaner Entschluss. Nach einer ersten Solo-Reise im PandaVan nach Portugal wusste ich, dass ich mehr Surftrips damit unternehmen wollte – auch wenn es schon mal unbequem in einer kleinen Kiste sein kann. Diesmal zog es mich in die Bretagne, um zu surfen und gleichzeitig meinen 40. Geburtstag auf den Wellen zu verbringen. Und Finstère, das sogenannte „Ende der Welt“, testete mich und mein Vorhaben gleich zu Beginn: Regen, Wind und eine Surf-Vorhersage, die alles andere als vielversprechend war. Aber ich wusste, dass der wahre Zauber einer Reise oft in den Momenten steckt, in denen nicht alles nach Plan läuft.
Nach drei Tagen Fahrt erreichte ich also mein Ziel – und es regnete. Und es regnete. Und es war kalt. Aber ich weiß von meinen bisherigen Reisen, dass ein Abenteuer selten mit Sonne und perfekten Bedingungen beginnt und ich immer eine kreative Lösung finde. Nach zwei Tagen des fröstelnden Daseins am Campingplatz entschied ich mich, für ein paar Nächte in einem gemütlichen und geselligen Guesthouse einzuchecken. Es war der perfekte Rückzugsort, um aufzutanken: warme Duschen, ein gemütliches Bett, nette Leute und natürlich ein französisches Frühstück.
PandaVan: Abenteuer mit einfachen Mitteln
Eigentlich wollte ich einen großen Bus mit Stehhöhe. Aber nach vielen Monaten vergeblicher Suche entschied ich mich, das Unmögliche möglich zu machen: Ich baute meinen kleinen Fiat Panda 141 in einen Van um. Es war nicht perfekt, aber mit viel Liebe gemacht und genau das, was ich brauchte. Ein einfacher Ausbau aus Holz ist alles andere als kompliziert und auch nicht teuer. Etwas Stauraum, eine gemütliche Matratze für das Bett, eine kleine Küche – sogar mit Wasser und eine tragbare Zweitbatterie, die mir unterwegs den nötigen Strom für Licht und mein Ladegerät lieferte – mehr brauchte es nicht. Kein Schnickschnack, kein Luxus. Alles, was innen keinen Platz hatte – kam aufs Dach. Das Wichtigste war, dass ich alles, was ich für die Reise brauchte, gut verstauen konnte und gleichzeitig gemütlich schlafen konnte. So entstand im kalten Februar mit viel Messen, Tüfteln und helfenden Händen in knapp fünf Wochen der wahrscheinlich kleinste Van der Welt. Und dass mein “Bus” nun doch unter 1,90 m Schranken mit viel Luft nach oben durchfahren kann, ist im Nachhinein ein großer Vorteil!
Und das Beste: So ein einfacher Ausbau kann in wenigen Wochen realisiert werden, wenn du bereit bist, selbst Hand anzulegen – vielleicht sogar mit Hilfe eines guten Freundes oder einer Freundin.
Die Bretagne im Herbst: Eine raue, aber wunderschöne Küste
Die Bretagne im Herbst – das ist ein ganz eigenes Erlebnis. Die Küstenlinien sind wild und ungezähmt, das Wetter wechselt in Sekundenschnelle von stürmisch zu klar und sonnig. In dieser Jahreszeit kann das Wetter sehr wechselhaft sein: Die Temperaturen liegen tagsüber oft bei etwa 12-20°C, können aber nachts auf 6-8°C sinken. Der Wind ist im Herbst ein ständiger Begleiter – vor allem in den westlichen Regionen wie der Halbinsel Crozon, wo der Wind oft von den Atlantikwellen her weht und die Luft rau und salzig ist.
Die Farben der Natur verändern sich im Herbst und lassen die Landschaft besonders lebendig erscheinen. Das Gras auf den Hügeln, die Felsen am Meer, die alten Steinhäuser in den kleinen Dörfern – alles wirkt intensiver und zugleich ruhiger. Die Küsten sind gesäumt von steilen Klippen, die dramatisch ins Meer abfallen, und endlosen Stränden, die bei Ebbe von einem feinen, goldenen Sand überzogen sind. Hier findest du noch das authentische „Ende der Welt“, mit den schroffen, wilden Küstenlandschaften, die dich zum Staunen bringen.
Surfen im Herbst in der Bretagne: Allein auf sanften Wellen unterwegs
Die Wellen im Herbst sind unberechenbar, aber das macht den Reiz aus. Die Hauptsurfzeit liegt von September bis November, mit den besten Bedingungen ab Oktober. Die Wellenhöhe kann zwischen einem halben Meter und zwei Metern schwanken, wobei die besten Swells bei einer Periode von über 10 Sekunden laufen. Besonders in den westlichen und südwestlichen Teilen der Bretagne findest du einige der besten Surfspots – wie die Strände von La Palue und Guissény, die auch in der Nebensaison noch nicht überlaufen sind. Auch wenn das Wasser recht kühl ist (ca. 15-16°C), ist der Herbst eine gute Zeit für Surf-Enthusiasten, da du die Strände praktisch für dich alleine hast. Und mit einem 4/3er Neo ist auch das kalte Wasser kein Problem!
Als ich mit meinem kleinen Panda durch die Bretagne rollte, stieß ich nicht nur auf neue Surfspots, sondern auch auf viele nette Reisende, mit denen ich die Tage gemeinsam verbrachte. Auch wenn ich oft auf eher einsamen Parkplätzen und Surfstränden stand, taten sich immer wieder unverhofft Gelegenheit auf und ich hatte ich nie das Gefühl, allein zu sein.
Kulinarische Entdeckungen: Muscheln, Galettes und mehr
Die Bretagne ist nicht nur ein Paradies für Surfer:innen, sondern auch für Feinschmecker. Besonders in der Nebensaison, wenn die Strände ruhig und leer sind, kannst du in den kleinen Dörfern und an den Küstenstädten die besten kulinarischen Schätze der Region entdecken. Meine absoluten Favoriten: Galettes! Die findest du in den kleinen Restaurants oder an Ständen am Meer– herzhafte Crêpes, die mit allem gefüllt werden können, was das Herz begehrt: Schinken, Käse, Ei und frische Zutaten. Ein Galette nach einem langen Tag im Wasser ist für mich der pure Genuss – ein Stück Bretagne, das einfach dazugehört. Und dazu ein Glas Cidre – der bretonische Apfelwein, der perfekt zu diesen lokalen Spezialitäten passt. Wenn du durch die kleinen Fischerorte schlenderst, wirst du immer wieder auf ein kleines Café oder ein Restaurant stoßen, in dem diese Köstlichkeiten frisch zubereitet werden – ein echtes Highlight der Reise.
Abschied von der Bretagne
Nach vielen Tagen in und am Meer, mit wunderbaren Wellen an meinem 40. Geburtstag und einem Frühstück mit neuen Surf-Freund:innen – und natürlich Pain au Chocolat, stand aufgrund eines erneuten Wetterumschwungs das Ende meiner Reise an. Die Reise begann mit Nieselregen und endete mit Nieselregen, aber ich war mehr als glücklich mit diesem Vantrip, der mir wunderschöne Tage beschert hat. Und ich war auch sehr dankbar für die Freiheit, allein unterwegs zu sein, dankbar für das Gefühl, mein eigenes Ding zu machen. Das ist für mich das Besondere am Alleinreisen: Ich kann frei entscheiden, wohin die Reise geht und jeden Tag neu meine Route und Ziele wählen. Das Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ist der wahre Schatz einer solchen Reise.
Tipps für Solo-Reisende in der Bretagne und Vanlife
- Vanlife-Tipps für Solo-Reisende: Wenn du alleine im Van unterwegs bist, halte deine Route flexibel und plane nicht zu viel voraus. Nutze Apps wie Park4Night, um spontane und sichere Stellplätze zu finden. Sei offen für Begegnungen, aber achte immer auf dein Bauchgefühl, wenn du neue Leute triffst.
- Anreise: Praktische und sichere Stellplätze für eine Zwischenübernachtung suche ich, wenn’s einfach gehen soll, gern mal im “Camper Connect Netzwerk”. Die Mitgliedskarte kann für nur 5 Euro direkt am Automaten erworben werden und ist unbegrenzt gültig. Dort habe ich immer unkompliziert sichere (und nicht von den Autobahnen zu weit entfernte) Bezahl-Stellplätze gefunden.
- Essen und Trinken: Die Bretagne ist bekannt für ihre leckeren Spezialitäten wie Crêpes, Käse und Cidre. Besuche lokale Märkte und probiere die regionalen Gerichte. Wenn du im Van mit Küche unterwegs bist, kannst du natürlich auch selbst kochen und deine Mahlzeiten im Van zubereiten.
- Kalte Tage: Mein Tipp für die Bretagne: La Plooz Guesthouse in der Nähe von Plozévet. Ein wunderschönes, renoviertes Steinhaus, umgeben von einem großzügigen Garten, in dem der Besitzer und Surfer Gaël seine Gäste herzlich empfängt und gerade im September immer ein freies Plätzchen hat. Auch mit dem Camper möglich!
- Gratis Übernachten: Dass Frankreich ein Camping-freundliches Land ist, war mir bekannt, aber sogar in der beliebten Bretagne finden sich immer ein paar kostenlose Stellplätze oder ausgewiesene Wiesen, auf denen man legal und gratis stehen kann. Teils sogar mit eigener Toilette und Müllentsorgung (Müll zu entsorgen ist sonst oft eine Herausforderung). Alle einfach vor Ort zu erfragen oder in der Park4Night App zu finden.
- Surfen in der Nebensaison: Über Facebook (old, but gold) habe ich auf meiner Portugal- und auch Bretagne-Reise bereits vorab nette Surf-Kontakte knüpfen können. Nützlich, wenn man in der Nebensaison unterwegs ist und die Anzahl an anderen Campern, die auch surfen, sehr überschaubar ist. Gerade beim Surfen schätze ich es, nicht alleine ins Wasser zu gehen. Einfach auf der Reise oder noch besser: vorab eine passende Gruppe auf Facebook suchen und dort schauen oder fragen, wer ebenfalls in der Gegend ist.
- Kommunikation: Wenn du nicht fließend Französisch sprichst, kann es hilfreich sein, eine Übersetzungs-App auf deinem Smartphone zu haben. Ein paar Wörter vorab zu üben lohnt sich, so kannst du auch am Wasser mit anderen Surfer:innen etwas Smalltalk halten 🙂
- Fürs Surfen: Ich habe oft gelesen „Im September ist das Wasser in der Bretagne noch schön warm”, muss jedoch sagen, dass ich bei 15 – 16 ° C Wassertemperatur sehr froh um meinen 4/3er Neo war. Pro-Tipp: Noch einen zweiten dünneren Neo für sonnige Surf-Sessions tagsüber einpacken. So ist immer ein Neo einigermaßen trocken. Schöne Surfspots habe ich durch Erkunden, Freunde und im “Surf & Travel” Buch gefunden.
