Interview mit Anna Weiß – Concept Designerin und Visionärin

Tief verwurzelt in der Bike-Branche verhilft die Visionärin Anna Weiss Bike-Destinationen und -Brands zu mehr Authentizität und rückt dabei auch immer das Thema Frauen in den Fokus. In ihrem Job als freie Concept Designerin sind ihre Aufgaben so vielfältig und so eng mit ihrer Leidenschaft verwoben,  dass wir mehr über ihren Werdegang erfahren wollten. Alles was sie uns verraten hat findest du hier im Interview mit Anna Weiß:

Hallo Anna, was machst du beruflich?

Ich bin Concept Designerin und bewege mich im Spannungsfeld der Themen Design Thinking, Outdoor und Frauen. Ich konzipiere und leite Content-Produktionen für Bike- und Outdoor-Brands und Destinationen. In Design Thinking Workshops entwickle ich gemeinsam mit Destinationen, Unternehmen und NGOs ganzheitliche Strategien für zukunftsweisende Fragestellungen. Meine Expertise gründet sich auf verschiedensten Funktionen in der Outdoor- und Tourismusbranche, von B2B bis B2C: Ich habe die Welt als Flugbegleiterin für Lufthansa bereist, als Industrie-Insiderin den erfolgreichen Special Interest Verlag WOM Medien mitgegründet und als Senior Consultant einer Kreativagentur herausragende Projekte umgesetzt. Ich bin Ausbilderin im Bundeslehrteam Mountainbike des Deutschen Alpenvereins (derzeit ruhend). Gemeinsam mit Hannah Röther und Arndt von Lucadou habe ich die Projekte Bloomers Outdoors und das Netzwerktreffen European Women’s Outdoor Summit initiiert – der Startschuss für meine tiefgehende Beschäftigung mit dem Thema Mädchen und Frauen im Outdoorsport.

Portrait Anna Weiß

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Einen normalen Arbeitstag gibt es nicht. Weil ich so unterschiedliche Dinge mache, sind auch die Anforderungen immer unterschiedlich. Aber ich kann meinen Workflow kurz nachzeichnen. Egal, ob Aquise, Kundentermin, Artikel schreiben, Location Scouting, Workshop: der erste (und zumeist umfangreichste) Schritt ist immer eine umfassende Recherche. Um herauszufinden, was das ganz besondere an Unternehmen X oder Destination Y ist, welche Anknüpfungspunkte es zu bestimmten Megatrends oder gesellschaftlichen Themen gibt, was die Alleinstellungsmerkmale sein könnten, was die jeweiligen Mitbewerber gut oder schlecht machen… dann geht es in die Konzeptionsphase, während derer viele Ideen entstehen und ebenso viele wieder verworfen werden. Zuletzt kommen Umsetzungs- und Feedbackphase. Wenn ich nicht gerade Termine bei meinen Kunden wahrnehme, kann ich ganz nach meinem Rhythmus arbeiten. Am konzentriertesten arbeite ich in den frühen Morgenstunden; wenn ich etwa um 03:00 oder 04:00 Uhr aufstehe.

Wie wichtig ist dir, dass du deine Arbeit mit deinen Leidenschaften kombinieren kannst?

Extrem wichtig. Mir ist erst vor kurzem wieder so richtig klar geworden: Es gibt keine Arbeitszeit. Arbeitszeit ist genauso Lebenszeit wie Freizeit. Und meine Lebenszeit will ich definitiv nicht mit Dingen zubringen, die mich nicht interessieren. Dafür ist sie mir viel zu kostbar.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Freelancers?

Vorteile:

Mit den Kunden zu arbeiten, mit denen man arbeiten will. Der Stolz, wenn man etwas geschafft hat. Unabhängig agieren zu können. Mutig sein zu können. Extrem viele eigene Erfahrungen machen zu können. Die Angst vor dem Scheitern zu verlieren.

Nachteile:

Wenn man, wie ich, aus einer Familie kommt, in der Sicherheit über alles geht, man am besten 50 Jahre lang in derselben Firma arbeitet und „Arbeit, die Spaß macht, keine Arbeit ist“, kann diese große Freiheit erstmal zu einem Gefühl der Unsicherheit führen. Die Dualität zwischen der Freude, das machen zu können, was in mir steckt und dieser Unsicherheit auszuhalten, das hat mich anfangs fast zerrissen. Ich bin da erst langsam reingewachsen, indem ich mir viele Fragen gestellt habe: Wie viel muss ich verdienen? Wie viel will ich verdienen? Was ist mir wichtig im Leben? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

MountainbikerinnenFoto von: David Schultheiß
Zwei Sportler schauen auf die BergeFoto von: Andreas Meyer

Im Interview mit Anna Weiß bestätigte sie uns, dass Leidenschaft und Arbeit hervorragend Hand in Hand gehen. Hier gibt sie uns einen kleinen Einblick in ihr große Passion: das Mountainbiken und die Berge.

Du hast schon viele Projekte/Unternehmen gegründet, um dann weiterzuziehen und wieder was Neues zu starten. Liegt der Reiz für dich mehr darin eine Idee zum Leben zu erwecken?

Generell würde ich sagen: ja. Ich bin jemand, der sehen will, was geht. Ich will dazulernen und mich mit verschiedensten Ansätzen beschäftigen. Von daher bin ich eher der Projekt-Typ – was ich über lange Jahre auch erst lernen musste. Was sich aber wie ein roter Faden durch all meine Projekte zieht: ein Ansatz des human-centered design, das den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellt.

Welche Fähigkeiten braucht man als Gründerin?

Know-How und ein gutes Netzwerk in der jeweiligen Branche. Selbstbewusstsein: Die Fähigkeit, die eigene Leistung und damit ein Stück weit „sich selbst“ zu verkaufen. Soziale Kompetenz und gute Menschenkenntnis. Resilienz und Gelassenheit. Systemisches Denken.

Woher nimmst du deine Inspiration und Motivation?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Sie ist intrinsisch und einfach da. Ich glaube, ich bin einfach extrem neugierig auf die Welt. Details, Muster und Zusammenhänge faszinieren mich.

Was möchtest du erreichen?

Gutes Design.

Nutzwert.

Mehr Diversität.

Mehr Originalität.

Mehr Menschlichkeit.

European Womens Outdoor Summit
Anna Weiß bei der Arbeit

Wir sind der festen Überzeugung, dass Anna durch ihre Arbeit ihre Vorsätze entweder schon erreicht hat oder sie noch erreichen wird! Rechts siehst du sie übrigens im vollen Einsatz bei zwei ihrer Herzens- und Gründungs-Projekten Bloomers Outdoors und European Women’s Outdoor Summit.

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