Hinter Turin biegt die Straße nach Westen ab. Der Verkehr wird weniger, die Berge rücken näher. In Dronero beginnt das Abenteuer – hier öffnet sich das Tor ins Valle Maira. Dort finden sich italienische Gastfreundschaft, Einsamkeit (wer mag), verlassene, wundersame Orte, lange, abenteuerliche Straßen und: unzählige Möglichkeiten für Splitboard- /Skitouren. Und deswegen sind wir da.

Das Val Maira löst ein, was so manche Alpendestination verspricht: Hier gibt es die einsamen Touren abseits der Massen und der Hektik der gewöhnlichen Skiresorts und Tourengebiete. Die Region in den kottischen Alpen punktet mit einer fantastischen Kulisse: sanfte Hänge, schroffe Felsen, markante Kletterwände, steile Rinnen, im Winter verlassene oder verfallene Almen und lichter Lärchenwald prägen das Bild beim Tourengehen. Teilweise erinnert die Szenerie an die Dolomiten.

 

Tourenmöglichkeiten für Splitboards

Die Möglichkeiten für Touren sind endlos im Val Maira. Kein Wunder schließlich ist das allein das Haupttal 60 Kilometer lang, von diesem zweigen allein 16 Nebentäler ab. Grundsätzlich könnt ihr bei nahezu allen Bedingungen passende Touren finden. Wir stellen euch hier zwei Touren vor, die über den ganzen Winter, auch in schneearmen Jahren funktionieren und die für Splitboarder keine langen Schiebepassagen beinhalten. 

Valle Maira Splitboarden
  1. Giro de la Repiatetta

Diese Tour beginnt im “Steindorf” Chialvetta. Am Ende des Dorfes schnallen wir unser Splitboard zum Aufstieg an und schieben uns über sanfte Hänge mit lichtem Baumbestand nach oben. Bald erreichen wir die Hochebene des Prato Ciorliero und blicken auf den Cobre. Ein mächtiges über 2600 Meter hohes Felsmassiv. Später steigen wir links um den Còbre bergauf, um dann in einer Schleife auf der rechten Seite abzufahren. Nach zwei Steilstufen welche von einem kürzeren flachen Stück unterbrochen wird, erreichen wir das flache Gipfelplateau von La Repiatetta. Die Abfahrt führt uns durch ein nordseitiges Kar, indem sich der Pulverschnee lange hält und führt dann auf die Aufstiegsspur zurück. Ein Schmankerl zum Schluss hält die Tour auch noch bereit, das Rifugio Viviere. Dieses bietet eine Einkehrmöglichkeit noch oberhalb des Dorfes und einen Blick zurück auf die Tour. In dem Rifugio lässt sich genau so wie im Dorf Chialvetta auch gut übernahcten. Nicht der schlechteste Stützpunkt, denn allein von Chialvetta gibt es rund 35 Touren. 

Die Giro de la Repiatetta hat rund 1200 Höhenmeter und ist rund 8 Kilometer lang, mittelschwer und mit Gelände bis max 40 Grad Steilheit. 

HIER findest du die Tour. 

ValleMaira Skitour
  1. Colle del Sautron 

Die Tour startet quasi am Straßenrand bei einem kleinen Kraftwerk zwischen den Orten Chiappera und Saretto. Zunächst geht es durch steindurchsetztes Gelände entlang des Wanderwege weg von der Straße und rein ins Gelände. Bald eröffnet sich eine Hochebene mit schönem Ausblick auf die umliegenden Berge. Wir wenden uns nach rechts in Richtung des Refugio Bivaco Danilo Sartore. Das Gelände Richtung Scharte Colle del Sautron wird zunächst etwas flacher bevor es direkt vor der Scharte einen steilen Schlussanstieg bereithält. Oben stehen wir an der Grenze zu Frankreich. Die Abfahrt befindet sich zunächst im Aufstiegshang. Doch kurz vor dem Rifugio halten wir uns links, fellen nochmal auf und erreichen über eine kleine Scharte ein tolles Nordkar, das auch im schneearmen Winter etwas Pulver für uns bereithält. Nach einer kleinen Schleife erreichen wir wieder die Aufstiegsspur und damit den Sommerwanderweg. 

Hier findet Ihr den passenden GPS Track dazu!

Der Tourismusverband des Valle Maira bietet zudem ein Online-Tourenportal. Ansonsten ist der “old-schoolige” Skitouren-”Almanach” Charamio von Bruno Rosano sehr empfehlenswert. Im wichtigsten (Ski-)tourenbuch der Region sind allein 135 Routenvorschläge enthalten. Das Buch ist auch auf Deutsch erhältlich.

Valle Maira Skitour

Warum das Valle Maira etwas Besonderes ist

Das Tal in der italienischen Provinz Piemont hat seit der Nachkriegszeit mit dem Wegzug seiner Bevölkerung zu kämpfen. Viele kleine Dörfer sind komplett ausgestorben oder von über 1000 Einwohnern in den 1950ern auf 30 Einwohner geschrumpft. Hauptgrund war die Landflucht, die insbesondere durch die Ansiedlung von Michelin und Fiat im Großraum Turin erleichtert wurde. 

Doch 2013 passierte etwas Interessantes. Getrieben von einigen Valle-Maira-Bewohnern und -Liebhabern gründete sich ein Konsortium, welches sich zum Ziel setzte das Valle Maira auch bei Touristen bekannter zu machen. Doch das Konsortium, welches sich aus Mitgliedern aus unterschiedlichen Betrieben zusammensetzte, verfolgte dieses Interesse nicht, wie es üblicherweise konventionelle Tourismusverbände tun. Stattdessen waren nachhaltige Ziele von Anfang im Kern der Initiative verankert.

So gibt es beispielsweise im ganzen Tal keinen Skilift. Übernachtungen finden sich bei lokalen Betrieben, die oft noch in der Landwirtschaft aktiv sind oder andere Einkünfte haben. Die Schlafplätze sind meist auf wenige Zimmer begrenzt. Zudem gibt es in den Unterkünfte fast immer die Möglichkeit im “posto tappa” im Schlafraum zu übernachten. Ein Zugeständnis an alle, die sich keine teuren Hotels leisten können. Und natürlich ist es für alle Tourengeher:innen ziemlich besonders, weil es unzählige Touren und Varianten in einem Areal bietet, das nicht überlaufen ist. 

Valle Maira Skitour

Ausgewählte Unterkünfte im Valle Maira

Lou Lindal eine gemütliche kleine Unterkünft – in einem ehemaligen Pfarrhaus mitten im Herz des Val Maira. Hier bekommt ihr Frühstück, Lunchpaket, typisch okzitanisches Abendessen und könnt es euch im Aufenthaltsraum richtig gemütlich machen. 

Rifugio die Viviere in Chialvetta ist der perfekt Ausgangspunkt für zahlreiche Touren (siehe Tourenbeschreibung 1) und bietet 6 urige Zimmer und einen gemütliche Gaststube. Dort wird Frühstück und Abendessen serviert. Im Winter ist die Hütte nur zu Fuß bzw Splitboard o.ä. erreichbar

Ceaglio Albergo Diffuso ist ein kleines Hoteldorf (im italienischen “Albergo Diffuso”). Unterkünfte, Restaurant, Skiraum etc finden sich jeweils in unterschiedlichen alten restaurierten Baunerhäusern, die sich rund um den Dorfkern von Ceaglio gruppieren. Die ursprünglichen Einwohner sind abgewandert, das Albergo Diffuso wird von der Familie Galliano in der dritten bzw vierten Generation betrieben und liegt im oberen Valle Maira in einem Seitental auf über 1200 Metern. 

Bries Relais Alpino ist eine Unterkunft die den Charme des Tales mit Komfort und Erholung verbindet und liegt in der Nähe von Ceaglio. Das “Mini-Hoteldorf” Bries, liegt ebenfalls  ist aus einem alten alpinen Weiler entstanden und bietet in verschiedenen markanten Steinhäsuern, Zimmer, Restaurant und Wellness mit feinstem Bergblick

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Better togehter

Powder-Sprays, Berg-Abenteuer und eine Portion Fernweh: Unsere neue Snow-Ausgabe entführt dich ins Winter-Wonderland – auf dem Snowboard, auf Ski und im Wasser. Zum ersten Mal haben wir auch Ski-Content im Magazin – weil Freiheit und Freeriden nicht aufs Snowboard limitiert sind. Wir teilen dieselbe Leidenschaft für Abenteuer – und nun auch ein Magazin voller spannender und inspirierender Geschichten rund um Freeride, Freestyle und das gute Leben!