Beim Snowboarden lebt man ganz in dem Moment… ganz selten schweifen die Gedanken in die Vergangenheit oder Zukunft ab. Vor allem wenn man am Inrun von einem riesigen Kicker steht, und die Gedanken nur um den nächsten Trick kreisen. Kjersti Buaas kennt das Gefühl, sie stand schon an hunderten Inruns und musste sich schon hunderte Mal fokussieren… Deshalb führte sie das Snowboarden irgendwann zum Yoga, um zu lernen wie man in stressigen Zeiten ruhig bleibt, sich mit dem Atem verbindet und sich körperlich und mental aufs Snowboarden vorbereitet. Kjersti ist schon seit fast 20 Jahren im Contest Geschehen dabei, hat zahlreiche Titel und suchte sich in den letzten Jahren neben dem Snowboarden mehr geistigen Input – sie entdeckte nicht nur Yoga für sich, sondern auch Ernährung, Meditation und Fitness. Sie ist offen für Neues und sucht nach Möglichkeiten ihr Wissen zu teilen und ihren Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Splitboard Camps, Trips ins Backcountry und vielleicht sogar Olympia 2018 – Kjersti ist so vielseitig auf dem Board, wie auch im restlichen Leben.

Foto von: Chanelle Sladics

Hi Kjersti, neben deinem Leben als Pro-Snowboarderin hast du viele andere Projekte, in denen auch Spiritualität eine Rolle spielt. Was möchtest du in die Welt hinaustragen?

Vor circa zehn Jahren habe ich eine neue Welt entdeckt. Ich habe begonnen Yoga zu praktizieren, hab angefangen mir Gedanken darüber zu machen wo mein Essen her kommt, hab Meditation für mich entdeckt und ich habe viele Menschen auf diesem Weg kennengelernt, die mich dazu inspiriert haben, offener zu sein und mich nicht nur auf diese eine Sache, Snowboarden, zu fokussieren. Ich hab schon immer alle Arten von Sport geliebt und ich liebe Snowboarden, aber jetzt ist mein Ziel nicht gute Contests Ergebnisse
und beim Snowboarden Leistung zu bringen, sondern etwas zurückzugeben und meine mir geschenkten und über die Jahre entwickelten Fähigkeiten mit anderen zu teilen. Mein Ziel im Leben ist es jetzt mehr inneres Bewusstsein zu erlangen und dies in die Welt herauszutragen.

Auf welche Art und Weise teilst du dein erlangtes Wissen mit der Welt?

Auf verschiedene Art, zum Beispiel durch die PRSNTS Camps, die ich zusammen mit Chanelle Sladics organisiere. Die Camps sind momentan nur für Frauen und wir kombinieren Snowboarden oder anderen Action Sports mit Yoga, Meditation und guter Ernährung. Und durch diese Dinge habe ich das Gefühl, dass wir eine Inspiration für diese Frauen sein können, eine Gemeinschaft schaffen können und sie gute Gewohnheiten in ihr Leben übernehmen. Sie lernen Neues in den Camps, auch wie sie mit Angst umgehen können oder Angst in etwas Positives umwandeln können. Während unseren Karrieren als Profi-Snowboarderinnen haben wir oft mit Angst umgehen müssen. Wenn du zum Beispiel am Inrun von einem riesigen Kicker stehst und dich fragst, was du hier eigentlich machst, musst du dich selber erden und lernen wie du diese Energie in etwas Positives verwandelst. Wir geben unser Wissen also an andere weiter – und das muss gar nicht auf den Sport bezogen sein, denn diese Tools kann man in verschiedenen Situationen anwenden. Zielsetzung ist auch ein wichtiges Thema in unseren Camps. Denn meine Ziele zu definieren, was ich an einem Tag, einer Woche, einem Monat oder in meinem Leben generell möchte, hat mir sehr weiter geholfen. Auch Dankbarkeit gehört zu meiner täglichen Routine. Wenn ich mich unsicher oder ängstlich fühle, hilft mir Dankbarkeit mich zu erden und dass ich mich besser fühle.

Wir gehen in unseren Camps also ziemlich in die Tiefe. Ich war noch nie auf einem Snowboard oder Abenteuer Camp wie diesem. Aber ich hab schon an vielen anderen Camps wie Yoga, Sommercamps für Erwachsene, etc. teilgenommen – und wir nahmen all die positiven Dinge, die wir kannten und übertrugen sie in unsere Industrie. Das ist also die organisierteste Art wie ich mein Wissen teile, aber ich  versuche auch die Botschaften und Tools, die ich gelernt habe über Social Media zu teilen. Ich benutze diese Plattform sehr bewusst und habe mit jedem Text / Post eine Absicht. Ich liebe es zu schreiben, zu fotografieren, Videos zu filmen und Inhalte zu produzieren. Es fühlt sich für mich sehr natürlich an, aber ich investiere viel Zeit und Energie darin. Außerdem arbeite ich gerne mit Firmen und Hilfsorganisationen zusammen  – solange wir auf Augenhöhe sind und das gleiche Ziel verfolgen, sodass ich weiss, dass die Zeit, die ich investiere auch etwas bewirkt. Dass wir zusammen in dieselbe Richtung gehen. Das hilft mir meinen inneren Zustand des Bewusstseins zu zeigen und ich selbst zu sein.

Das hört sich bisschen so an, als würde Snowboarden nicht mehr so im Fokus bei dir stehen….

Beim traditionellen Sport geht es darum der/die Beste der Welt zu sein. Es geht um den einen Gewinner und es ist ein riesiger Ego-Boots, sich als der Beste zu fühlen. Du hast ein riesiges Team hinter dir, aber es geht nur um dich und das hat sich über die Zeit für mich ein wenig selbstsüchtig angefühlt. Es hat sich an einem Punkt für mich nicht mehr als mein Weg angefühlt und es ist auch nicht der Weg, bei dem ich meine Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Ich schätze, deswegen möchte ich meine Skills einbringen, in der Snowboardindustrie bleiben und auch bei Contests mitfahren. Wettbewerbe bringen auch etwas Gutes in mir hervor, ich pushe mich, verbringe Zeit mit meinen Freunden, wir pushen uns gegenseitig und wir spielen, probieren was aus… Spielen ist sehr wichtig.

Snowboarden hat mir so viel gezeigt und ich liebe so viele Aspekte, die es mir beigebracht hat. Deswegen möchte ich noch viel Snowboarden, aber ich tue es auf eine andere Art und Weise. Und ich arbeite nur noch mit Firmen und Menschen, mit denen ich auf Augenhöhe bin – dadurch gibt es mehr Sinn.

Was hat dir Snowboarden alles gelehrt?

Es hat mir so viel beigebracht – zum Beispiel mich meinen Ängsten zu stellen, nicht allen, aber mich den Herausforderungen zu stellen. Wenn ich zum Beispiel morgens aufwache und mich nicht danach fühle einen 80ft Kicker zu springen… Es ist ein langer Weg vom Aufwachen bis zum Wettbewerb: sich selbst zu beruhigen, die Angst zu bezwingen und sie in etwas Positives zu transformieren, eine gute Energie, die dich am Berg weiterbringt. Es hat mich definitiv gelehrt Herausforderungen durchzustehen. Und es hat mir gelehrt präsent zu sein, in dem Moment zu sein und mir selbst zu vertrauen.

Es hat mir gelehrt im Flow zu sein, im Flow mit der Natur. Ich habe in den letzten Jahren angefangen mehr ins Backcountry zu gehen, Splitboard-Touren zu machen und die Elemente
von Halfpipe und Slopestyle mit natürlichem Terrain zu kombinieren. Dieser Flow und die Verspieltheit kannst du in andere Aspekte deines Lebens übertragen.

Außerdem lernte ich durchs Snowboarden Teamwork und Spontanität. Wenn du reist, ist nichts vorhersehbar, du musst immer bereit sein auf verschiedene Situationen zu reagieren.

Foto von: Daniel Blom

Nimmst du denn nächstes Jahr bei Olympia teil?

Gerade versuche ich wirklich auf mich zu hören und herauszufinden, was ich tatsächlich möchte.
Es ist eine Option, die ich mir offen halten möchte, es ist kein definiertes Ziel. Es passiert, wenn es passieren soll, aber ich möchte nicht dieses engstirnige Ziel verfolgen. Wer weiß, welche großartigen Möglichkeiten sich vielleicht ergeben, die du übersehen würdest, wenn du zu stark fokussiert bist. Mein Ziel ist es meinen eigenen Instinkten und meinem Herzen so gut es geht zu folgen und zu schauen wohin es mich bringt.

Es scheint als würdest du nach dem Gesetz der Anziehung leben. Dass du mit deinen Gedanken, deine Welt erschaffst… sehe ich das richtig?

Ja! Ich habe irgendwann erkannt, dass ich mit den Gedanken mein Leben forme – in der Vergangenheit wusste ich das nicht und bin mit dem Flow gegangen. Ich konnte mich schon immer gut anpassen, an Situationen und Dinge und ich war nicht so anspruchsvoll, wo mich das Leben hinbringen soll. Ich hab alles mitgemacht, was mir Spaß gemacht hat. Das ist auch ein guter Ansatz im Leben, aber ich hab angefangen die Idee, dass ich mein eigenes Leben erschaffe, zu verinnerlichen. Ich kann manifestieren, was ich in mein Leben ziehen möchte, denn was du verkörperst, ziehst du an. Wenn du also mit ganzem Herzen liebst, sendest du das aus und das Universum wird es zu dir zurücksenden. Als ich dieses Prinzip verstanden und verinnerlicht habe, fing ich an größer zu Träumen und mir mehr Ziele zu setzen. Ziele aufzuschreiben und sich klar werden, was man möchte. Das hab ich in der Vergangenheit nie gemacht. Das brachte viele Emotionen mit sich und auch viele Ängste, weil man sich wirklich dazu entschließt etwas zu tun und es nicht einfach passieren lässt. Ich bin absolut überzeugt davon, dass du das wirst, was du denkst. Und gleichzeitig ist es auch wichtig seine Gedanken zur Ruhe zu bekommen. Gedanken können Überhand nehmen und wenn du sie nicht erden kannst, können sie in Angst und Stress umschlagen. Ich habe erst vor kurzem durch meine Meditationen gelernt, dass Gedanken Stress sein können. Wenn du dir also zu viele Gedanken machst, hast du Stress in deinem Körper. Das muss nichts Negatives sein, aber man muss in der Lage sein, bei der Meditation das durchzustehen. Dann fangen deine Gedanken an sich zu beruhigen, und wenn du dachtest deine Seele spricht zu dir, war das in Wirklichkeit vielleicht nur viel Lärm und wenn die innere Ruhe hervorkommt, spricht sie lauter als alles andere und denkst dir „Wow“!

Foto von: Distillery/ 9 Queens
Foto von: Distillery / 9 Queens