Surfen auf Teneriffa

Hotelburgen, Wellenberge und Vulkane

Die Kanarischen Inseln haben den Ruf das Hawaii Europas zu sein: Vulkaninseln mit weltklasse Wellen und eine große Spotauswahl. Doch meist beschränkt sich diese Vorstellung auf Fuerteventura und Lanzarote. Die beiden Inseln ziehen Surfer aus ganz Europa an und liefern saubere, lange Wellen, Wärme und spanisches Flair. Im Schatten der beiden Inseln liegt die größte kanarische Insel: Teneriffa, auf die all dies ebenfalls zu trifft. Doch ihr haftet der Ruf an, ein Rentnerparadies zu sein. Das ist sie auch, aber Teneriffa hat wesentlich mehr zu bieten! Es ist der perfekte Ort für einen abwechslungsreichen Surftrip! Wir verraten euch wie Surfen auf Teneriffa wirklich ist:

Surfen auf Teneriffa

Die Insel der Gegensätze

Teneriffa steckt voller Gegensätze. Der Norden der Insel ist grün, bergig und hat wunderschöne Strände, die eingebettet zwischen imposanten Klippen liegen. Hinzu kommen lebhafte, spanische Städte und einige gute Surfspots. Der Vulkan Teide, der höchste Berg Spaniens, trennt den Norden vom Süden und sorgt nicht nur für Windschatten für die Surfspots im Südwesten, sondern auch für einem imposanten Anblick vom Line-up aus. Trocken, warm und wüstenartig zieht der Süden viele Touristen an und strahlt mit der Kargheit und weiten Flächen einen ganz anderen Charme aus als der satte, hügelige Norden.

Surfen kann man an allen Küsten der dreieckigen Insel. Die unterschiedlich ausgerichteten Buchten und Strände sorgen dafür, dass das ganze Jahr über immer irgendwo eine cleane Welle läuft. Während meinem 10-tägigen Aufenthalt liefen an neun Tagen gute Wellen – man muss allerdings wissen wo…

Vom Norden in den Süden braucht man bis zu zwei Stunden mit dem Auto, daher hilft es die Forecasts genau zu studieren, sich einen Surfguide zu buchen oder in eine Surfschule –bzw. Camp zu gehen. Außerdem braucht man einen Mietwagen, denn ohne Auto ist man zu unflexibel!

Dank dem ganzjährig milden Klima herrschen auf Teneriffa Durchschnittstemperaturen von 19° im Winter bis zu 25° im Sommer. Mit einer Wassertemperatur von 19° im Januar reicht ein 3/2er Neo, selbst verfrorenen SurferInnen wie mir. Im Sommer kann man sogar im Bikini surfen auf Teneriffa. Im Süden ist es tendenziell wärmer und trockener als im Norden – durchschnittlich regnet es hier nur vier Mal im Jahr.

 

Surfen auf Teneriffa: Der Süden

Surfen auf Teneriffa
Surfen auf Teneriffa

Die Südwest-Küste

Wer aus dem Ausland nach Teneriffa reist, landet auf dem Flughafen im Süden der Insel. Von dort ist es nicht weit zum Surfmekka Las Américas. Ich war bei meiner Ankunft dort erstmal geschockt in einer riesigen Ansammlung von Hotelburgen gelandet zu sein. Las Américas entstand Ende der 60ger und ist geprägt von großen All-Inclusive Hotels, einer langen Strandpromenade mit Shops, Restaurants und zahlreichen sonnengebräunten Rentnern. Findet man seinen Weg entlang der großen Gebäude und Parkplätze bis zum Meer, entdeckt man hinter dem Touristentrubel einen schönen Strand, an dem cleane, lange Wellen rein laufen, die einen alles andere vergessen lassen!

Die sechs verschiedenen Spots bestehen aus Lefts, Rights und A-Frames, die unterschiedlich groß und kraftvoll brechen, so dass für jedes Level die passende Welle dabei ist.  Die bekannteste Welle ist La Izquierda oder auch Spanish Left genannt. Die lange, perfekte Linke ist an guten Tagen leider den Locals vorenthalten. 

Surfen auf Teneriffa

Schlendert man von La Izquierda weiter die Bucht entlang, reiht sich ein Surfspot an den Nächsten: El Medio ist ein A-Frame, der sanft und clean bricht, Derecha del Cartel ist eine kraftvolle, steile Rechte, Derecha del Conquisitor ist etwas sanfter und kleiner, La Piscina ist eine Right, die etwas mehr Swell aufnimmt und um die Ecke der Bucht liegt Lafitenia, die bei den vorherrschenden NW Swells ein gutes Stückchen kleiner bricht.  Somit findet man in einem Abschnitt von ein paar hundert Metern eine Vielzahl an Surfspots, sodass man einfach und schnell die passende Welle für sich wählen kann.

Die Spots im Süden laufen das ganze Jahr über! Im Sommer ist der Surf eher kleiner, aber dank des Windschattens des Teides auch clean. Obwohl Las Américas einen Sandstrand hat, brechen die Wellen über Riff, auf dem auch Seeigel sitzen. Also packt vorsichtshalber auch Booties ein! An der Strandpromenade sind einige Surfschulen sowie Surfshops, die alle Arten von Surfboards verleihen.

Obwohl die Südwest-Küste recht lang ist, gibt es außerhalb von Las Américas nur wenige andere Surfspots. Rund um Alcalá gibt es noch ein paar Breaks, die allerdings etwas windexponierter sind als Las Américas.

 

Die Südostküste

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An der nach Osten ausgerichteten Südküste bläst vor allem in den Wintermonaten Onshore Wind, was zahlreiche Kite- und Windsurfer anzieht. Erst im Sommer erwachen die Surfspots zum Leben!

Der nach Süden ausgerichtete Peak in Las Galletas, ist bei kleinem Swell perfekt für Anfänger und Longboarder – bekommt bei overhead Swell aber Punch.  

El Confital ist etwas nördlicher, in der Nähe des Flughafens und erwacht ebenfalls im Frühling/Sommer. Die Welle ist schnell und kraftvoll und auch meist in der Hand von Locals.

 

Der Norden

Der grüne Norden ist das komplette Gegenteil vom kargen Süden. Die Landschaft ist durch Hügel und Steilküsten geprägt. Die Surfspots liegen hier weiter auseinander und sind eingebettet in die schöne Natur. Nur die Spots Martíanez und Playa Jardín in der Nähe vom Touristen-Hotspot Puerto de la Cruz sind zugebaut, haben aber mit dem schwarzen Sandstrand ein besonderes Flair. Die Stadt Puerto de la Cruz zählt im Norden zu den Touristen-Hotspots, hat aber im Gegensatz zu Las Américas noch eine charmante Altstadt.

Playa Del Socorro

In der wunderschönen, kleinen Bucht laufen vor grünen Klippen saubere Wellen rein. Socorro ist ein wahrer Swellmagnet und wenn es auf dem Rest der Insel flat ist, findet man hier in der Regel immer etwas Surfbares. Aber Achtung, die Strömung ist recht stark.

Bajamar

In Bajamar gibt es mehrere Breaks, der Bekannteste ist aber ein langer, linker Pointbreak nördlich der Stadt. Die Welle ist recht fett und langsam, und fest in der Hand der Locals. Vor imposanten Klippen können an guten Tagen hier endlose Lines rein laufen und der Spot hat mich irgendwie an Uluwatu auf Bali erinnert, da man von den Klippen die langen, blauen Lines in die Bucht laufen sieht.

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Taganana: Almáciga & Benijos

Mitten in der wunderschönen, grünen Landschaft im Norden Teneriffas liegen zwei Spots, die selten voll werden und auch für Anfänger geeignet sind: Almáciga und Benijo. Da sich die Anfahrt durch enge Serpentinen, die Berge rauf und wieder runter ans Meer, etwas zieht, werden die abgelegenen Spots nur am Wochenende voller. Die Fahrt dorthin war für mich aber allein schon ein Highlight! In Taganana gibt es auch Unterkünfte und so kann man dort locker ein paar ruhige Tage verbringen.

 

Localism & Crowds

Die Kanaren sind Allgemein bekannt für ihren ausgeprägten Localism – das ist auch auf Teneriffa nicht anders. Ich habe einige Geschichten von aufgestochenen Reifen und aggressiven Locals gehört, vor allem im Norden. Ich selbst hab jedoch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wenn man zurückhaltend surft, freundlich grüßt und die Locals respektiert, sollte man auf Teneriffa keine Probleme bekommen.

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After-Surf

Der trockene Süden punktet vor allem mit der Vielzahl an Wasseraktivitäten. Neben Surfen kann man hier auch gut Tauchen und die Wasserwelt erkunden. Unweit der Insel ziehen regelmäßig Wale vorbei – von Pottwalen über Orkas, bishin zu den seltenen Pilot-Walen kann man hier viele der Säugetiere beobachten. Wählt dazu aber ein Unternehmen, das nachhaltig und schonend vorgeht.

Außerdem sind Los Gigantes, 500 Meter hohe Klippen, im Westen der Küste einen Ausflug wert. Hier kann man entlang der Klippen Kajak- und SUP-fahren oder vom Hafen aus den Sonnenuntergang genießen. Es gibt auch wunderschöne Wanderungen von den Klippen hinunter ans Meer.

Der 3718 Meter hohe Vulkan Pico del Teide besticht mit einer einzigartigen und sehr abwechslungsreichen Landschaft und darf auf keinem Teneriffa Trip fehlen. Von allen Seiten der Insel führen Straßen in den Nationalpark. Man kann den Gipfel auch zu Fuß besteigen, was allerdings vom höchsten Parkplatz aus 4-5 Stunden dauert und eine anspruchsvolle Wanderung ist. 

Die urwaldartigen Berge im Norden eignen sich ebenfalls perfekt zum Wandern, denn  es warten viele Wanderwege durch einzigartige Flora und Fauna mit Blick auf das Meer auf dich.

Außerdem ist die Hauptstadt Santa Cruz eine typisch spanische Stadt mit einer netten Altstadt, kleinen Gässchen, Cafès und Bars, wo man zur Abwechslung etwas City-Flair genießen kann.

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Facts:

Anreise / Rumkommen

Es gibt zwei Flughäfen auf Teneriffa: Einen im Norden, auf dem Inlandsflüge landen, und einen im Süden, auf dem Flugzeuge aus dem Ausland ankommen. Es gibt günstige Direktflüge von vielen europäischen Städten ab 40 € One Way. Vor Ort empfiehlt sich ein Mietauto, auch wenn das Busnetz gut ausgebaut ist.

Wohnen

Auf Grund der warmen Temperaturen kann man auch im Winter ohne Probleme in einem Van übernachten. Es gibt ein paar Anbieter, die ausgebaute Busse vermieten und da man auf Teneriffa am besten flexibel ist, ist Campen perfekt.

Es gibt nur wenig günstige Hostels auf Teneriffa, aber Airbnb bietet eine große Auswahl, besonders in kleineren, charmanten Orten.

Im Süden findet man in Las Américas nur große Hotelanlagen. Wer das nicht mag, muss etwas außerhalb wohnen und mit dem Auto zum Surfen fahren. Es gibt ein paar Surfcamps in der Nähe, die dieses Konzept verfolgen.

Essen

Dank der sehr südlichen Lage wächst auf Teneriffa tropisches Obst wie Banane, Mango, Papaya, Avocado, Guave oder Maracuja. Die Preise sind ähnlich günstig wie in Spanien und außerhalb der Toursiten-Hotspots bekommt man im Restaurant Tapas für 2-3 €, ein Bier für 1 € etc. Es gibt auf Teneriffa viel frischen Fisch, Kartoffeln (Papas canarias) und die typische Soßen Mojo verde und Mojo rojo – und vor allem viel süßes Gebäck.

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