THE ROAD IS THE DESTINATION. 

Meeresrauschen. Der Geruch von Tajine. Feilschende Hände. Ich war wieder zurück – in Marokko. 

Meinem zweiten zu Hause. Oder dritten? Die Antwort auf die Frage „Wo bist du zu Hause“ habe ich schon längst gefunden: „Am Meer!“ Manche sagen ich lebe meinen Traum, andere sagen ich entfliehe der Wirklichkeit, andere sagen ich drücke mich vor Verantwortung und andere sagen, ich höre auf mein Herz. Ich denke, alle haben ein bisschen Recht. Aber eins weiß ich: Es gibt nichts, dass mich glücklicher macht, als ins Salzwasser einzutauchen und am Ende des Tages an meinen eigenen Ideen und Projekten zu arbeiten.

 

LIFE IS A ROAD

„Just follow your dream“ das hört man oft. Aber ganz so einfach ist das nicht. Es gehört einiges dazu, um alles zurückzulassen. Ein Zuhause, Freunde, Familie, ein geregeltes Einkommen und eine Zukunft. Wenn man mich fragt, was ich in drei Monaten mache, dann habe ich keine Antwort.  Es ist manchmal nervenaufreibend. Anstrengend, aussichtslos. Manche sagen „Du kannst dich wirklich glücklich schätzen“ – darauf möchte ich am liebsten antworten, dass wir alle das gleiche Glück haben. Träume werden einem nicht einfach auf einem Teller serviert, man muss sie selbst kreieren und umsetzen. Und das ist alles andere als einfach.

Aber ich bleibe meiner Philosophie stets treu: „The road is the destination“. Folge der Straße, biege rechts ab, biege links ab. Schaue was sich am Ende der Straße verbirgt. Vielleicht bleibst du, vielleicht gehst du weiter. Vielleicht gehst du zurück. Wer weiß. Wenn du die Straße nicht kennst, dann ist die Überraschung am Ende umso größer. Du wirst vielleicht den schönsten Fleck auf Erden finden, oder vielleicht in einer Sackgasse enden.  Jede Straße, die du nimmst, wird eine neue Erfahrung mit sich bringen, ein neues Abenteuer und eine neue Geschichte. Deswegen trau dich, nimm auch mal die Straße ohne Namen, den kleinen, versteckten Weg und wage es vom Wege abzukommen. Du wirst sehen, dort draußen lauert das Leben. Auch wenn das bedeutet, dass du mal stolpern und fallen wirst. Das ist normal, dafür steht man mit umso größerer Kraft wieder auf, uns setzt die Reise weiter fort.

Foto von: Marie-Therese Pfisterer

LISTEN TO YOUR HEART

Wenn ich eins gelernt habe, dann ist es, dass man seinem Herzen folgen sollte, auch wenn die innere, vernünftige Stimme einem etwas ganz anderes sagt. „Meinst du nicht, du bist mal langsam alt genug, um einen anständigen Job zu haben, für ein Haus zu sparen und an eine Familie zu denken?“ das hört man oft und mein 30. Geburtstag rückt immer näher. Und wenn die Freunde einen zur Hochzeit einladen und schon Baby und eigenes Haus haben, dann ja, man fängt an zu zweifeln, ob man auch das Richtige macht. „Du hast einen Bachelor gemacht, einen Master, und trotzdem musst du jeden Monat deine Cents zusammenzählen“. Mama hat Recht. Doch wenn man dann auf der Klippe in Marokko sitzt, die Zunge nach Salz schmeckt und man sich frei und ungebunden fühlt, dann weiß man, dass man den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Foto von: Sebastian Drews

FOLLOW YOUR HEART

Wenn man ganz fest an seine Träume glaubt, dann gibt es immer einen Weg das zu verwirklichen.  Einfach gesagt. Nicht so einfach umgesetzt. Ich weiß nicht wie viele Male ich schon mit dem Gedanken gespielt habe, meine Ideen, meine Träume, meine Projekte einfach über Board zu werfen, um ein geregeltes und sicheres Leben führen zu können.  Doch nein, ich möchte keine Steck-
nadel in einem Haufen sein. Ich möchte andere inspirieren, ich möchte meinen Teil zu einer kreativen Gesellschaft beitragen. Ich möchte meine Begabungen und Talente für mich selbst, und alle mit denen ich zusammenarbeite, nutzen, anstelle Tag für Tag mit meinem Computer zu sprechen, eingeschlossen, die Stunden zählend, bis es endlich wieder Feierabend ist, nur damit ich mich erschöpft auf meiner Couch niederlassen kann. Nein, ich möchte atmen, ich möchte frei sein,  die Welt erforschen. Ich möchte kreieren, und inspirieren. Durch Fotografie. Durch Geschichten. Durch Projekte.

Foto von: Sebastion Drews

DREAM BIG. DREAM SMALL.

Ich rede die ganze Zeit davon, wie wichtig es ist seinen Träumen zu folgen. Doch von was träume ich genau? Um ehrlich zu sein, für mich gibt es nicht den einen, großen Traum. Ich habe unzählig viele kleine Träume, die ich nach und nach versuche zu erfüllen.

Ich habe schon lange davon geträumt kleinen Marken zu helfen und kreative Menschen vorzustellen – aus diesem Traum ist mein Online Mag Salt in My Hair entstanden, wo wir zu viert über die Menschen und Marken schreiben, denen wir auf unserer Reise begegnen, und wo wir über die Orte berichten, die wir in unser Herz schließen. Dieser Traum hat mich auch dazu gebracht den Saltwater Shop in Hamburg für über ein Jahr lang zu leiten, wo ich viele kleine, nachhaltige und lokale Marken mit viel Herzblut repräsentieren konnte.

Ich habe davon geträumt am Meer
zu leben. Mittlerweile arbeite, surfe und lebe ich in Portugal und folge weiterhin dem Traum, die kleinen und lokalen Marken zu unterstützen, indem ich für den Shop Magic Quiver in Ericeira arbeite, ein kleiner Shop der hand-
crafted Surfboards verkauft und nicht die großen Surfmarken.

Ich habe davon geträumt ein besonderes Longboard zu besitzen. Nicht, um einfach nur surfen, sondern um auf dem Meer zu tanzen, um frei zu sein, um die Kraft der Natur zu spüren. Ich bin eine sehr sensible Person und das Meer hilft mir, abzuschalten und meine innere Ruhe zu finden. Es ist wie Medizin für mich. Meine Art von Yoga und Meditation. Das Meer ist meine Pille zum Glücklich-sein.

Ich habe davon geträumt, anderen
Menschen meine Leidenschaft für das Meer weiterzugeben. Dieses Jahr haben Chanti Mai und ich unser erstes Salt in My Hair Longboard & Yoga Retreat in Marokko organisiert. Und es war alles andere als fancy und teuer. Wir haben mit den Locals zusammengearbeitet. Zum Frühstück gab es keinen Chiapudding und vegane Pancakes, sondern die traditionelle marokkanische Küche: Omelette, Brot, saisonale Früchte,  Minztee. Wir haben ein kleines Fischerdorf ausgesucht, wo man ein Stück vom echten Marokko sehen kann, vielleicht rough und schmutzig, aber unglaublich freundlich, hilfsbereit. Eine Woche ohne Internet, ohne die täglichen Probleme. Einfach nur abschalten und in eine neue Kultur eintauchen. Dieses Retreat ist der Anfang und es werden noch viele weitere kommen. Das nächste im September 2018, wo wir den Süden von Marokko ausforschen werden.

Ich habe davon geträumt, nicht nur kleinere Marken zu unterstützen, sondern ich wollte all die kreativen Menschen der Surfszene zusammenbringen, um gemeinsame Projekte und Kollaboration zu erleichtern. Aus diesem Traum ist die Plattform Surfers Collective entstanden, eine Plattform, die die kreative Surfszene beleuchtet. Mit einer Beschreibung, Kontakt-
daten und einem Portfolio werden besondere Talente aus verschiedenen Bereichen gelistet. Fotografen, Filmmaker, Künstler, Magazine, Blogs, Surfer, usw. aus der ganzen Welt. Diese Plattform ist gerade dabei sich zu entwickeln und viele interessante Projekte und Ideen sind schon in der Planung.

Foto von: Marie-Therese Pfisterer

FLY LITTLE BIRD

Zu träumen ist einfach. Seine Träume schlussendlich dann aber zu realisieren, dazu gehört einiges. Aber mit Geduld, mit Vertrauen, mit Durchsetzungsvermögen kann man alles schaffen. Mein Vater sagte einst zu mir: „Du bist ein Paradiesvogel. Man kann dich nicht einfach in einen Käfig sperren“ – mit diesen Worten hat er begonnen meinen unkonventionellen Weg  zu akzeptieren und mittlerweile habe ich meine gesamte Familie davon überzeugt, dass meine Träume und Ideen zu wertvoll sind, um sie  einfach zu verwerfen.

 

The Road is the Destination

Ich denke, jeder Mensch hat seine eigene Illusion der perfekten Straße. Und ich bin mir sicher, dass jeder seinen Platz finden kann, wenn man auf die richtige Straße gelangt. Auch wenn das bedeutet, dass man erst tausende von Wege einschlagen muss, wenn man viele Male stolpern wird und einige Hindernisse überqueren muss.

Foto von: Aljaz Babnik