Peniche – Ein Reiseführer für Surfer

Kilometerlange Sandstrände, die besten Wellen Europas und ein Fischerort, der heute zu den besten Surf-Metropolen des Kontinents zählt: Peniche an der portugiesischen Atlantikküste ist auf jeden Fall und immer wieder eine Reise wert! Wir zeigen euch, wo ihr Kelly Slater und Tiago Pires durch die Barrels schießen, wie in Portugal glorreiche Straßenfeste gefeiert werden und wo ihr euren Camper Van in der ersten Reihe mit Meerblick parken könnt!

Foto von: Pia Schröter

 

EIN FISCHERDORF SCHREIBT INTERNATIONALE SURFGESCHICHTE

Noch vor fünfzehn Jahren war hier nichts los! Doch spätestens als der Rip Curl Pro 2009 zum ersten Mal als offizieller Tourstopp der ASP World Tour die besten Surfer der Welt nach Peniche brachte, wusste es die ganze Welt: Der verschlafene Fischerort knapp 80 Kilometer und nur 50 Autominuten nördlich von Portugals Hauptstadt Lissabon ist einer der besten und konsistentesten Surf Spots auf dem Europäischen Kontinent! Die mittlerweile 27.000 Einwohner starke Kleinstadt ist nach wie vor der zweitgrößte Sardinenumschlagplatz Europas und die Fischfabriken sind nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken. Heute hat die Hafenstadt auf der Halbinsel sogar eine Tourismushochschule und gilt als Wahlheimat vieler Surfer aus aller Herren Länder. Kein Wunder, denn neben zahlreichen Surfshops und jeder Menge erstklassiger Fischrestaurants, hat Peniche auch einige Bars und Clubs zu bieten, in denen nicht nur zu World Pro Tour Zeiten bis in die frühen Morgenstunden getanzt werden darf.

 

SURFEN, SURFEN UND NOCHMAL SURFEN

Peniche liegt auf einer Halbinsel. Und das ist der Clou! Denn so gibt es immer für jede Wind- und Wellenrichtung und zu jeder Tide mindestens einen Strand mit einer surfbaren Welle. Im Umkreis von 15 Kilometern Küstenlinie tummeln sich insgesamt 44 Surfspots. Von Beachbreaks, über Felsen bis hin zu Reefbreaks, Wellen gibt es allemal! Und jeder, egal ob blutiger Anfänger oder erfahrener Surfpro, kommt hier auf seine Kosten. Da die verschiedenen Surfspots zu verschiedenen Gezeiten, Wind- und Swellrichtungen funktionieren, kann man manchmal sogar an einem Tag bis zu dreimal an den unterschiedlichsten Spots bei perfekten Bedingungen im Wasser sein, sofern es denn die Kräfte zulassen.

BALEAL – SURFERS VILLAGE MIT CHARME

Nördlich von Peniche liegt die feinsandige Bucht von Baleal. Wenn überall anders bei großem Swell meterhohe Wellen ungebremst und wild auf die Küste ballern, gibt es in der fünf Kilometer langen Bucht meist immer noch einen geschützten Spot. Am nördlichen Ende der Bucht trennt die Halbinsel von Baleal, die durch einen Dünendamm mit dem Festland verbunden ist, die Bucht von der Nordküste. Die kleine Ortschaft ist ein Surfers Village mit Charme: hier pulsiert das Leben, hier wohnen die Surfer, hier gibt es die besten Strandbars und hier steigen im Sommer die Parties. Während in der Mitte der Bucht eher große und starke Beachbreaks den fortgeschrittenen Surfern Spaß machen, ist “Cantinho” im nördlichen Eck der beliebteste Spot für alle Könnerstufen. Links von der Bar da Praia rocken die einheimischen Locals bei gutem Swell eine saubere Welle. In Cantinho kann es an einigen Sommertagen im dreifachen Line-up allerdings richtig zur Sache gehen. Das Beherrschen der Vorfahrtsregeln ist obligatorisch und Anfänger halten sich dann besser rechts der Bar da Praia. Da lohnt es sich, ein paar Meter den Strand herunter zu laufen und vor der Bar do Bruno oder noch weiter buchteinwärts abseits der Massen zu surfen. Vor allem die herbstlichen Südwinde bringen in Verbindung mit dem richtigen Swell Off-shore und perfekte Wellen an der Nordküste. Genauso wie in der Bucht, entsteht hier bei Mid- bis Hightide die beste Welle. So kann es sein, dass der ein oder andere bei wechselndem Wind auf einmal mit dem Surfboard unterm Arm von Cantinho auf die andere Seite des Dünendammes eilt, um sich an der Nordküste bei “Prainha” oder “Lagido” in die Fluten zu stürzen. Prainha ist auch für Anfänger sehr gut geeignet. Hier findet jeder seine Welle zum Üben und kann gleichzeitig die Pros in “Lagido” beobachten wie sie sich am Pointbreak um die kraftvolle Riffwelle am Seeigelspot batteln.

An der Nordküste reihen sich unzählige Surfspots entlang der Küstenlinie bis zur Flussmündung von Foz do Arelho hintereinander auf. Der nächste Ort hinter Baleal ist Ferrel. Dort benutzen die einheimischen Bauern immer noch den Eselskarren als Hauptgefährt. In Ferrel steht auch die Kirche noch im Dorf und folgt man den handschriftlichen Schildern mit der Aufschrift “Almagreira”, so gelangt man auf eine staubige Strasse, die ans Ende der Welt zu führen scheint. Doch das ist die Straße zum Glück! Auf der rechten Seite steht eine weiße Hütte, die eher aussieht wie eine Garage. Hier hat der Shaper Joao seine Werkstatt und repariert schnell, zuverlässig und liebevoll jedes Loch und jede Delle in unserem geliebten Sportgerät. Wer möchte, kann sogar einen Shapeworkshop belegen und sich unter professioneller Anleitung sein eigenes Surfboard bauen. Am Ende der Dirtroad befindet sich der Surfspot “Almagreira.” Die Nordküste unterscheidet sich von der Südküste durch seine schroffe Landschaft und einsame Sandstrände, soweit das Auge reicht. Wenn es im Sommer in der Bucht oder im Süden zu klein ist, brechen hier häufig die besten Wellen. Almagreira ist auch der Ort, wo man am besten mit dem Camper Van übernachten kann, die schönsten Sonnenuntergänge erlebt oder unter sternenklarem Himmel sein Zelt aufschlagen kann. Von hier aus führt die unbefestigte Strasse nordwärts entlang der Küstenlinie an unzähligen Surfstränden vorbei. Ein Fahrzeug mit Allrad ist für diese Surfsafari allerdings empfehlenswert.

Foto von: ASP

WO SURFPROS UND FISCHER GEMEINSAM IM LINE-UP SITZEN

Südlich von Peniche liegt die Mole. Direkt angrenzend an der Hafenmauer bricht in “Molho Leste” eine schnelle und hohle Welle von rechts nach links. An guten Tagen ist diese Welle sogar in beide Richtungen zu surfen und formt sich zu einem schönen A-Frame. Dieser Spot ist an größeren Tagen nichts für Anfänger, denn hier herrscht eine Hackordnung. Die meisten Surfer sind Locals aus der Fischereiindustrie, die sich offenbar nur beim Surfen beweisen können. Der nächste Spot nach Süden ist “Bananas.”  Dort steht die gleichnamige gemütliche Strandbar und die Welle bricht oft sehr kraftvoll und nahe am Strand. Am gleichen Strand, nur einen Peak weiter ist der berühmt-berüchtigte Spot von “Supertubos.” Hier versammelt sich jedes Jahr im Herbst die Surfelite aus aller Welt, um ihre Kräfte beim Rip Curl Pro Portugal zu messen. Surf-Stars wie Kelly Slater und Owen Wright treffen in Supertubos auf starke Lokalmatadoren wie Tiago Pires und einige Pro Surfer behaupten, Peniche sei der beste Beachbreak der Welt. Die Welle in Supertubos ist nichts für Anfänger. Schon ab Hüfthöhe, kann es richtig Barreln und die Wellen krachen bei zu hoher Tide mit starkem Shorebreak wie ein Gewitter direkt auf den Strand. So kann es vorkommen, dass gute Surfer an einem Tag mehrere Boards brechen. Wenn es bei Überkopfhöhe in Supertubos richtig abgeht, ist es gesünder, das Spektakel der Pros besser von der gemütlichen Strandbar aus mit einem leckeren Eis auf der Hand zu verfolgen.

Südlich von Supertubos liegt der Heilort Concolacao. Am Ende des Ortes geht es zur schroffen Felsküste eine Treppe hinab. Auch dieser Spot ist nur etwas für geübte Surfer, denn zum Einstieg muss man über die Felsen balancieren und von einem Vorsprung herunter springen. Auch beim Herausgehen jongliert man sich durch die von Seeigeln bevölkerten Klippen und Booties sind in dieser Klippenlandschaft sicherlich von Vorteil. Der steinige Weg wird allerdings durch eine schöne, langsame Welle belohnt, die von rechts nach links bricht. Am untersten Felsrand gibt es übrigens ein kleines, uriges Fischlokal, wo mittags und abends die besten Meeresfrüchte zu einem erschwinglichen Preis serviert werden. So könnte man die gesamte Südküste weiterfahren und immer wieder neue Surfspots finden. Die Strände der Südküste sind eher bei ablaufender Tide, also Mid bis Low Tide zu empfehlen.

MILDES KLIMA – 365 TAGE IM JAHR

Die Portugiesen machen ihren Urlaub im August! Offensichtlich ist Peniche auch für Einheimische einer der beliebtesten Urlaubsorte der Welt. Dann ist die gesamte Region ausgebucht, Surfcamps sind vollgestopft, Campingplätze überfüllt und die Preise steigen ins Unermessliche. Am Strand bekommt man kaum noch einen Fuß auf den Boden und das Line-up wird beherrscht vom Testosteron gestresster Urlaubssurfer, die sich regelrecht um die Wellen schlagen. Die besten Wellen bringen allerdings eher die Herbstswells im September und Oktober. Auch der November kann mit warmen Temperaturen und beliebten Südwinden noch beste Bedingungen hervorbringen. Der Winter ist mild und die Wassertemperatur sinkt nicht unter 16 Grad. Im Frühjahr ist es schon sommerlich warm und das Meer hat bis zu 18 Grad. Hier gilt also ganzjährig guter Surf und günstige Preise, wenn man mal von den Sommermonaten Juli und August absieht!

 

WER DIE WAHL HAT, HAT DIE QUAL

Insgesamt 36 zertifizierte Surfschulen sind in der Region um Peniche und Baleal ansässig. Da ist für jeden das passende Plätzchen dabei. Vor fünfzehn Jahren hat Max Reuter, Kölner Urgestein und ehemaliger Deutscher Meister, eines der ersten Surfcamps in Baleal eröffnet. Das Maximum Surfcamp gehört heute zu den größten Camps der Region und wurde 2009 zu Europas Surfcamp Nummer Eins prämiert. Die komfortable Appartementanlage ist nur 200 Meter vom Strand entfernt und bietet alles, was das Surferherz begehrt. Professionell ausgebildete Lehrer kümmern sich um die Surfschüler und es gibt Videoanalyse, Fotoshootings und Unterricht für alle Könnerstufen. Erstklassiges Material ist vorhanden und regelmäßige Barbecues, Cocktail Parties und ein Ausflug in die Fatum Surfboard Factory stehen auf dem Wochenprogramm (www.maximumsurfcamp.com). Das von Portugiesen geführte Baleal Surf Camp (www.balealsurfcamp.com) und Peniche Surf Camp (www.penichesurfcamp.com) bieten ähnliche Leistungen an. Wer eher unabhängig von Surfkursen in entspanntem Ambiente unterkommen möchte, ist in der wunderschönen Appartementanlage bei Dona Helena im Surf House Helena (www.surfhousehelena.com), dem ehemaligen 58 Surf Camp, gut aufgehoben. Den etwas gehobenen Standard bietet das Surf Castle (www.surfcastle.com) direkt am Spot von Lagido. Wer nur Surfunterricht möchte, kann sich bei Rainer und Sebbo von www.Surfguidingpeniche.de für Privatunterricht in kleinen Gruppen anmelden oder zusammen mit Alex (www.alexsurfschool.com) an seiner Technik feilen. Downtown Peniche ist die vom englischen Ehepaar Duncan und Claire geführte Surflodge (www.penichesurflodge.co.uk) die erste Adresse. Ihr Sohn Dane war mehrfacher britischer Meister bei den Junior Championchips und steht ebenfalls für Privatunterricht zur Verfügung.

Foto von: Peniche Toursim

FEIERN UND SCHLEMMEN AUF PORTUGIESISCH

Dorade, Bacalao oder Garnelen gefällig? In der Hafenstrasse von Peniche reiht sich ein Fischrestaurant neben dem anderen. Hier gibt es täglich fangfrischen Fisch und echte portugiesische Lebensart. Die Bar do Bruno in der Bucht steht für die besten Burger und leckere Sandwich Snacks nach einem gutem Surf. Von der Holzveranda aus hat man einen guten Überblick über die meisten Spots und auch das Sonnenuntergangsbier schmeckt am einfach besser, wenn jemand auf der Gitarre spielt. Man glaubt es kaum, aber die Bar do Bruno verwandelt sich des nachts in eine Disco mit internationalen DJs und guten Beats, wo bis in die frühen Morgenstunden gezappelt wird. Eine Holzhütte weiter, in der Bar da Praia gibt es tagsüber den womöglich besten “Galao” – Latte Macchiato auf Portugiesisch der in der Region. Hier heißt es sehen und gesehen werden. Auch in der Bar da Praia werden abends die Tische verräumt und das tanzwütige Publikum shaked zum Sound angesagter DJs im Takt des Meeres. Die Prainha Bar auf der anderen Seite des Parkplatzes gehört Lele, einem der besten einheimischen Surfer. Er steht selbst in der Küche und serviert leckere Speisen mit Meerblick. Lange Partynächte beginnen im “Cocktail.” Hier trifft sich die lokale Surfszene zum Warm-Up. Die Cocktails schmecken hier zur Happy Hour besonders gut. Die Portugiesen sind ein lustiges Volk und vor allem ihre Straßenfeste sind ein Erlebnis für sich! Zur Festa de Ferrel verwandelt sich das Örtchen Ferrel jedes Jahr im August in eine große Straßenparty. Neben dem alljährlichen Eselrennen, bei dem übrigens jeder mitmachen kann, gibt es traditionelle “Fado” Musik und portugiesischen Pop. Das Feuerwerk vor der Kulisse der alten Kirche sorgt schließlich für Gänsehaut und Romantikfeeling.

 

KEIN SURF – WAS NUN?

Surf und Yoga passen gut zusammen. Die Deutsche Yvonne und der Kalifornier Donovan Longnaker bieten in Baleal wirklich gute Yoga und Surf Retreats an. Alle Infos auf www.apura-yoga.com. Wem die Arme vom Paddeln schmerzen, der sollte sich im Maximum Surfcamp von der Hamburger Physiotherapeutin Jana Brockhaus richtig durchkneten lassen. Und sollte der Ozean wirklich einmal flach sein, so könnt ihr euch auf dem Stand-Up Paddle Board ausprobieren oder auf dem Golfplatz in Praia del Rey den kleinen weißen Ball in 18 Löchern einlochen. An Schlechtwettertagen lohnt sich auch ein Ausflug zum Shoppen in die Metropole nach Lissabon, obwohl die lokalen Shops 58 Surfshop, Peniche Surfshop und 7 Days das beste Angebot rund um den Lifestyle, die Mode und die Boards, die für uns die Welt bedeuten, haben!