Zwei Eisbach-Surfer entwickeln nachhaltiges Surfwachs

“Der beste Surfer kann sein Potential nur entfalten, wenn Board und Surfer zur Einheit werden.” Für diese unsichtbare Bindung, bei der Grip und Stick ideal abgestimmt sind, sorgt das passende Surfwachs. Doch bei der Wahl des Waches gibt es einiges zu beachten, wie beispielsweise die Anpassung an die Wassertemperatur oder die richtige Stickiness – und der Aspekt Nachhaltigkeit natürlich. Die zwei Eisbach-Surfer Steffi und Julien haben dieses Thema wortwörtlich selbst in die Hand genommen, um ihr perfektes Surf Wax zu entwickeln. Dabei setzen sie auf eine vollkommen natürliche und nachhaltige Produktion. Wie sie schlussendlich zur richtigen Mixtur kamen und was hinter der Philosophie von Wax Z’am steckt, erfährst du hier im Interview.

Board wachsen mit Wax Z'amFoto von: Sebastian Mittermeier

Hi Steffi, vielen Dank, dass du dir etwas Zeit nimmst mit uns zu quatschen. Wir freuen uns schon wahnsinnig mehr über euer Start-Up Wax Z’am und die Geschichte dahinter zu erfahren. Das Wichtigste aber zuerst: Wie geht es dir aktuell und wo treibst du dich gerade rum?

Danke der Nachfrage, mir geht‘s sehr gut, weil ich gerade im letzten Jahr sehr dankbar sein konnte für Rat und Tat meiner Freunde und Family. Es war für mich persönlich ein sehr spannendes Jahr mit vielen neuen und herausfordernden Aufgaben, die auch Wax Z´am mit sich gebracht hat. Daher bin ich, wie einige andere vielleicht auch, dieses Jahr eher im kleineren Radius unterwegs. Aber ich habe ja das Glück, dass ich es nicht weit zur nächsten Welle und in die Berge habe, da ist viel Abwechslung drin.

Wie du schon sagst, in deiner Heimatstadt München hast du glücklicherweise eh immer eine Welle vor der Tür. Wie lange surfst du denn schon am Eisbach?

Am Eisbach erst seit zwei Jahren. Ich habe vor vier Jahren klassisch an der Flosslände angefangen und bin auch total gerne mal mit einem längeren Brett an der E2. Da kann man nämlich prima im Take-Off-Training bleiben und sich sportlich austoben. Ich mag die Abwechslung an Leuten und Surfstyles, die die verschiedenen Wellen in München bieten.

Wax Z'am Gründerin SteffiFoto von: Alina Seelmäcker
Wax Z'am Gründerin Steffi surft auf der EisbachwelleFoto von: Alina Seelmäcker

Wie der Name schon sagt, wird’s im Eisbach oft eiskalt. Da ist es essenziell das richtige Surf-Wax für die kalten Temperaturen zu haben. Denn – ihr habt das so schön formuliert: „Der beste Surfer kann sein Potential nur entfalten, wenn Board und Surfer zur Einheit werden, und ohne Surf-Wax geht nix.“ – Wie kam es denn dazu, dass ihr euer eigenes Surfwachs herstellen wolltet?

Die Idee kam uns, oder vielmehr Julien, meinem Compagnon, auf einem Spaziergang an der Loisach in Wolfratshausen. Wir hatten beide gerade etwas Luft vor dem nächsten Job. Und haben einfach etwas rumgesponnen, wie cool es doch wäre, das erste lokale nachhaltige Surfwachs im größeren Stil zu entwickeln und somit im Bereich Surfen zu arbeiten. Wir haben dann gedacht: wir können ja nur gewinnen und es probieren und das ohne große Investition – außer natürlich unserer Zeit. Die hat es auch gebraucht! Wir haben ein gutes halbes Jahr daran getüftelt, bis es dann präsentabel mit der Mixtur und auch der Verpackung und dem CI war. Da hatten wir auch großartige Unterstützung von Freunden.

Und wie ist aus der Idee ein konkreter Unternehmensplan geworden?

Unternehmerisch haben wir uns immer gesagt, wir lassen es langsam wachsen und gehen Schritt für Schritt. Wir bauen es neben unseren Jobs auf und werden sehen welche Rolle es einnehmen wird. Wir sahen natürlich schon Potential, da es ein kleines, selbst herstellbares Produkt ist, das fast jeder zum Surfen braucht und auch wieder nachgekauft wird. Dazu kommt, dass es ein Trend ist nachhaltig zu konsumieren. Wir haben zum Glück auch keinen Druck, weil wir alles selbst in der Hand haben und je nach Nachfrage schnell agieren können und somit keine Unsummen vorinvestieren müssen. Einen Businessplan haben wir also nie geschrieben. Den braucht es für unser Modell auch nicht finde ich. Die Zeit hat uns auch einfach gefehlt. Und wir wollten lieber die Resonanz von der Community, um zu wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind – und danach sieht es nach einem Jahr auf dem Markt schon aus.

Surf-Wax muss nicht nur zur Wassertemperatur passen. Worauf kommt es bei einem guten Surf-Wax sonst noch an?

Also der Geruch ist es bei uns definitiv nicht, haha. Den haben wir bewusst naturbelassen. Der Abrieb sollte ergiebig sein, damit schnell was auf ´s Brett kommt. Und genau richtig sticky sollte es sein, das kann man aber mit der Wahl des Wachses recht gut steuern. Für uns ist die Nachhaltigkeit neben Qualität aber das höchste Ziel. Und letztendlich ist es dann die Entscheidung des Surfers, welchen Beitrag er wie leisten will.

Von zuhause und von Hand

Wax Z'am: EntstehungsprozessFoto von: Sebastian Mittermeier

Und wie seid ihr schlussendlich zur richtigen Mixtur gekommen? Wie sah euer Weg dahin beziehungsweise der Prozess aus?

Das hat bei sieben verschiedenen Wachsen schon gedauert. Angefangen haben wir in kleinsten Mengen mit einem alten Topf im Wasserbad und viel vergleichen mit herkömmlichen Wachsen anderer Marken, die viel benutzt werden. Natürlich gibt es schon Basic-Rezepte im Internet und theoretisch kann man auch selbst ein rudimentäres Surfwachs herstellen. Nur ist der Aufwand einfach recht groß, bis man die Zutaten beisammenhat und dann ist das Fine-Tuning und die Farbe eben noch lange nicht optimal. Wir haben jeden kleinen Erfolg gefeiert, weil wir auch manchmal den richtigen Riecher und etwas Glück hatten mit der richtigen Mengenverteilung der Komponenten, die dann zum gewünschten Ergebnis führte. Nur als Beispiel, von Cool haben wir 19 Varianten gemacht, bis wir zufrieden waren.

Wir wissen, dass euch Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt und so stellt ihr bis heute euer Surf-Wax per Hand in München her. Was ist in dieser Hinsicht noch besonders an Wax Z’am?

Wir haben sehr kurze Lieferketten und haben auch versucht die nächsten Großhändler zu finden mit den vertrauensvollsten Rohstoffen, damit das Prinzip auch Sinn macht. Die Mengen sind zwar noch an die Größe unserer Lagerkapazität angepasst, aber unsere Ordermenge wächst stetig und macht alles effektiver. Selbst die Verpackungen lassen wir von einer ansässigen Druckerei drucken. Es macht für uns keinen Sinn, alles durch die Welt zu schippern, wenn man nachhaltig sein will. Daher sind wir mit einem Europa Vertrieb auch schon glücklich. Die Australier zum Beispiel machen dann ihr eigenes Bio-Surfwachs.

Neben dem respektvollen Umgang mit unserem Planeten verbreitet ihr mit Wax Z’am noch eine weitere, wichtige Message: die Bedeutung vom Miteinander in der Surf-Community. So hat euer Surf-Wax in der Mitte eine Sollbruchstelle durch die das Wachs mit einem Handgriff (und somit mit Freunden oder Fremden) geteilt werden kann. Wie kam es denn zu dieser schönen Idee?

Ehrlich gesagt ist die Idee ja nicht neu. Aber wir wollten sie auf jeden Fall aufgreifen, weil wir es wichtig und schön finden großzügig zu sein. Uns hat die Vorstellung aus eigener Erfahrung gefallen, dass dadurch Surfer ins Gespräch kommen. Gerade am Bach wird ständig irgendwas ausgeliehen oder geschenkt, beispielsweise wenn wieder eine Finne abgebrochen ist oder Ähnliches. Da passt es eben gut zur Lebenseinstellung. Es war aber auch eine Design-Frage für uns. Auch wenn uns die Rille viele Nerven gekostet hat, weil sie erst nicht tief genug war für eine schöne Bruchkante… Wir haben ja die Form des Wachsblocks für den Formabguss, von Hand aus Kunstharz heraus geschliffen und dann musste es ja mit dem Wachs funktionieren. Das war schon eher die Trial-And-Error Methode haha.

Wir denken mal, daher kommt auch der Name Wax Z’am oder steckt da eine andere Geschichte dahinter?

Ja, dass man als Surf-Community zusammenwachsen soll, ist eine Deutung des Namens. Doch auch die Verbindung zum Board und zur Natur soll da deutlich werden. Einige Rohstoffe unseres Wachses wachsen ja auch erstmal. Der bayrische Touch ist dann noch eine Anlehnung an unsere Heimat, wobei der Name auch in anderen Sprachen klangmässig funktioniert – auch wenn dann keiner weiß, was es heißen soll. Ist somit auch ein kleiner Insider. 🙂

Board wachsen mit Wax Z'amFoto von: Alina Seelmäcker
Wax Z'am Gründerin SteffiFoto von: Alina Seelmäcker

Hast du noch Tipps oder Hinweise, was man unbedingt beim Board Wachsen beachten sollte?

Da hat denke ich jeder seine Präferenzen. Aber ich finde einen Basecoat schon sinnvoll und beim Auftragen ein Rautenmuster zu bilden gibt schöne Bumps. Dann reicht es auch vor jeder Session mal kurz drüber zu reiben, für aufgefrischte Stickiness.

 Gibt es sonst noch etwas, was du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben möchtest?

Lass dich nicht von Zweiflern entmutigen, wenn du von deinen Vorhaben überzeugt bist. Egal wie es ausgeht, Hauptsache du hast es probiert! Es ist auch nie zu spät mit etwas anzufangen. Der Spaß, Input und die Erfahrungen, die man mitnimmt sind ist es immer wert.

Wenn du Steffi und Julien unterstützen, und vor allem mit deiner Surfwachs Wahl etwas Gutes tun willst, dann schau unbedingt auf der Wax Z’am Website vorbei. Dort findest du auch alle Infos zu den sieben verschiedenen Varianten und findest bestimmt das passende Wachs für deinen nächsten Surftrip.

Golden Ride Cover

Wax Z’am als Aboprämie!

Wir sind begeistert von dem Surfwachs und haben es auch als Aboprämie!

Hast du diesen Sommer noch einen Roadtrip geplant? Dann hol dir dafür mit unserer aktuellen Surf-Ausgabe ‘On the road’ noch jede Menge Inspiration zu dir nachhause. Oder wenn es “nur” an den Eisbach geht, dann lade dir die Rider’s Playlist von Eisbach-Surferin Laura Haustein runter.