Surf-Fotografie aus der Sicht einer Frau
Foto von: Cait Miers

In kreativen Berufen muss man kein alter Hase sein, um Erfolg zu haben. Frische, ungewöhnliche Blickwinkel sind heutzutage gefragt. Das beste Beispiel ist Surf- und Lifestye Fotograf Morgan Maassen, der mit Anfang 20 einer der gefragtesten Fotografen und Filmer in der Branche ist. Cait Miers könnte man das weibliche Pendant dazu nennen. Die 24-jährige Australierin fotografiert hauptsächlich weibliche Surferinnen, zeigt authentische Situationen, die das echte Leben schreibt und bildet die Surferinnen dabei mit viel Grazie ab. Mit ihrem unverfälschten Blick konnte sie schon große Kunden wie Roxy gewinnen und shootet regelmäßig mit Surfikonen wie Steph Gilmore. Uns zeigt sie hier eine Auswahl an ihren momentanen Lieblingsshots und erzählt von ihrer Berufung.

 

Hallo Cait, würdest du dich bitte unseren Lesern kurz vorstellen?

Hallo Deutschland! Ich bin eine Surf, Fashion und Lifestyle Fotografin aus Melbourne in Victoria, Australien!

Wann hast du deine Leidenschaft fürs Fotografieren und vor allem die Surffotografie entdeckt?
Ich war eher ein „Spätentwickler“ bezüglich meiner Leidenschaft für die Fotografie. Als ich um die 18 Jahre alt war und mit meiner Familie entlang der Küste Urlaub gemacht hab, wurde ich von ihr in den Bann gezogen. Mit 19 habe ich an einem führenden College hier in Melbourne namens RMIT Fotografie studiert und ab da wusste ich, dass ich eine Surf-Fotografin sein möchte.

Deine Arbeit zeigt die weibliche Seite der Surfszene. Wir lieben sie! Was bedeutet surfen für dich und was macht es für dich so besonders, mit weiblichen Surferinnen zu arbeiten?

Danke! Ich bin in einer Surffamilie aufgewachsen und Surfen bedeutet die Welt für mich. Ich denke, ich werde nie genug davon haben! Ich liebe es, die weibliche Surfszene zu präsentieren und sie aus der Perspektive einer Frau einzufangen, weil ich für Frauen im Sport und Gleichberechtigung brenne. Wenn ich shoote, dann suche ich nach Frauen, die die sich im Line-up wie Frauen fühlen und ihre Weiblichkeit und Anmut auf ihre ganz persönliche Art und Weise darstellen können.

 

Wer war dein erster Auftraggeber und wie kam es dazu?

Meine erste Klientin war eine gute Freundin von mir, die das Schmucklabel Arrow Divine besitzt. Ich hatte vorher noch nie Fashion fotografiert und sie brauchte einen Fotografen für ihre erste Kampagne, also sind wir einfach ins kalte Wasser gesprungen! Die Bilder haben sich dann als sehr schön herausgestellt und von da an begann mit der Weiterentwicklung ihres Brands auch mein Instagram Account zu wachsen. Ich habe seither alle ihre Fotoshoots gemacht und wir sind immer noch sehr gut befreundet. Es war unglaublich, diesen wilden Ritt am Anfang mit ihr zusammen zu bestreiten!

Du bist relativ jung aber deine Klienten umfassen schon jetzt bekannte Marken wie Roxy, Billabong und O’Neill Women. Wie fühlt es sich an, mit solch international bekannten Brands zu arbeiten?

Yep, mittlerweile bin ich 24, ich werde also auch älter, haha. Als ich die Möglichkeit hatte, mit Roxy zu arbeiten, ist für mich ein Traum wahr geworden. Es war mein Ziel, als professionelle Fotografin für bekannte Surfbrands zu arbeiten und das habe ich mit 22 Jahren erreicht. Es ist so unglaublich, ein Teil einer solch wundervollen Surfcommunity zu sein und es ist auch wirklich lehrreich. Ich lerne dabei sehr viel!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für dich aus? Gibt es einen „typischen“ Arbeitstag überhaupt?

Jeder Tag ist anders, aber wenn ich zu Hause bin und nicht fotografiere, dann bin ich morgens normalerweise immer für einen Surf oder andere Unternehmungen zu haben. Danach hole ich mir einen Kaffee und mach mich auf den Weg in mein kleines Büro! Ich arbeite erst meine E-Mails ab, dann folgen all die Dinge wie editieren, meine Website aktualisieren, Fotos bearbeiten und meinen nächsten Trip planen!

Wenn die Bedingungen gut sind: Gehst du selbst surfen oder fotografierst du andere Surfer?

Haha gute Frage! Ich liebe es definitiv zu surfen, wenn es ein bisschen kleiner ist. Aber wenn es größer ist, tendiere ich eher dazu zu fotografieren, denn unter solchen Bedingungen fühle ich mich wohler, wenn ich schwimme statt surfe! Wenn ich zu Hause bin, gehe ich normalerweise surfen, da hier im Moment nicht viele Mädels unterwegs sind und es total kalt wird!

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit für Klienten von der Arbeit für deine eigenen Bilder?

Tatsächlich unterscheidet sich das ziemlich! Für Kunden versuche ich wirklich, deren Vision aufzugreifen und diese mit meinem eigenen Stil zu vereinen. Ich liebe es, mit anderen an kreativen Konzepten zu arbeiten und ihnen dabei zu helfen, ihren Ideen Leben zu verleihen. Für mich persönlich zu arbeiten macht auch total Spaß, aber im Moment finde ich kaum Zeit dafür!

Gibt es deiner Meinung nach das „perfekte Foto“?

Nope! Ich suche nach dem unvollkommenen Foto. Heikle Momente, Dinge, die aus dem Gleichgewicht sind, ein freches Lachen und Momente, die man so nicht erwartet.

Welche Ausrüstung und Kamera benutzt du für deine Fotografie im Wasser?

Derzeit benutze ich eine Canon 5D Mark IV, die ist FANTASTISCH! Außerdem benutze ich ein Aquatech Unterwasser-Gehäuse.

Was möchtest du mit deiner Arbeit ausdrücken? Hast du eine Botschaft?

Ich glaube, am wichtigsten ist, du selbst zu bleiben. Ich versuche Frauen im Wasser in ihrer Einzigartigkeit zu erfassen. Unverfälscht, verletzlich, wunderschön. Meine Botschaft ist, dass Frauen es durchaus annehmen können, sexy, feminin und mädchenhaft zu sein und trotzdem im Line-up abzuliefern!

Wie trägt Reisen und draußen sein zu deiner Arbeit bei?

Es liebe es wirklich zu reisen, also ist das ein echt guter Aspekt meines Jobs! Ich fotografiere so gut wie immer am oder in der Nähe des Strandes, das liebe ich. Ich denke, man kann also sagen, das Meer ist mein Büro J

Wie wichtig ist Reisen für dich?

Sehr wichtig. Es gibt keinen besseren Weg, über dich selbst und die Welt mehr zu erfahren, als durch Reisen. Man ist gezwungen über sich hinauszuwachsen und seine Wohlfühlzone zu verlassen und in Erfahrungen und Kulturen einzutauchen, die so ganz anders als zu Hause sind. Wenn ich einer Reise zurückkomme, fühle ich mich immer wahnsinnig frei und motiviert!

Du machst auch den Bikini Brand Zea. Wie kam es dazu und wie läuft’s?

Das stimmt! Damit habe ich vor einem Jahr begonnen, als ich nach spezieller Schwimmkleidung zum Surfen gesucht habe und auf dem Markt einfach nicht fündig geworden bin! Also habe ich Zea gegründet und dabei meine Fotos als Prints benutzt, was das Ganze einzigartig macht. Es läuft wirklich gut und ich nutze es gerne als kreatives Ventil, wenn ich mich mal in anderen Teilen meiner Arbeit gefangen fühle.

Du hast einige Monate auf Bali gelebt. Wie ist das Leben auf Bali?

Vor zwei Jahren hab ich dort für fast ein Jahr gelebt und es war märchenhaft! Ich lebe nicht mehr dort, aber ich bin immer wieder da. Es unterscheidet sich ziemlich von Australien. Alles läuft langsamer ab, somit ist es manchmal auch schwer, wirklich Arbeit fertig zu kriegen! Aber es war eine wunderschöne Erfahrung!

Was begeistert dich außer surfen und fotografieren noch?

Ich liebe es, zu Reisen (ganz offensichtlich) und Live Musik zu sehen. Immer wenn ich nicht gerade arbeite oder surfe, verbringe ich Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zuhause.

Es hört sich an, als wären deine Träume bereits wahr geworden… Was hat dir dabei geholfen, an deine Träume zu glauben und sie zu verfolgen?

Das sind sie auf jeden Fall, aber das bewegt mich nur dazu weiter zu träumen und meine Grenzen zu pushen! Ich glaube, es hat mir sehr geholfen, dass ich keine Angst vor Ablehnung hatte. Ich habe in meiner Anfangszeit viele Leute angeschrieben und damit einfach sichergestellt, dass ich präsent bin. Ich bin außerdem meinem eigenen Stil treu geblieben und ich glaube, das haben die Leute gemerkt!

Wenn du deinen Traum-Foto-Trip planen könntest: Wen würdest du fotografieren und wo?

Ich wollte schon immer mal nach Tahiti! Ich würde eines Tages so gerne einmal ungefähr 50 Mädels zusammenbekommen, alle schwimmend und surfend!

Wo siehst du dich in einem Jahr?

Hoffentlich immer noch häufig reisend und mehr mit den Top Mädels der weiblichen Surfszene zusammenarbeitend! Aber egal wo ich sein werde, ich bin sicher, ich werde ein Lächeln im Gesicht haben :).

 

www.caitmiers.com