Travelguide Französische Atlantikküste

Camembert, Rotwein und barrelnde Beachbreaks

250 Kilometer Sandstrand, Wellen soweit das Auge reicht und Sonnenuntergänge wie auf einer Fototapete: Jeder Surfer muss einmal einen Sommer im Südwesten Frankreichs verbracht haben. Wir* verraten dir, wo Jeremy Flores im Line up sitzt, wann der Australier Woodie die besten BBQ-Partys schmeißt und wie du dein Zelt direkt hinter der Stranddüne aufschlagen kannst.

Foto von: Roxy

Das Herz der europäischen Surfszene

Im Winter wohnen in Hossegor nicht einmal 4000 Menschen, aber in den Sommermonaten verwandelt sich der kleine Ort in „Surf City“: Dann rollen Massen von VW-Bussen und Vans mit ausländischen Kennzeichen und Surfboards auf dem Dach durch die engen Straßen, die Flagships Stores der großen Surfmarken haben bis spätabends geöffnet und die World Pro Tour feiert die wildesten Partys. Großstadt-Flair gibt es nur 20 Minuten entfernt in Biarritz, einer wunderschönen Küstenstadt mit 30.000 Einwohnern, exklusiven Designerläden, angesagten Clubs und einem Casino direkt am Meer.

Endless Summer

Im Juli und August, wenn ganz Paris und der Rest der Welt in Hossegor, Biarritz und Umgebung Urlaub macht, sind alle Apartments belegt, die Campingplätze ausgebucht und die Preise astronomisch, der Strand ist bis zum Horizont mit Handtüchern übersät und der Line Up überfüllt. Das ändert sich von einem Tag auf den anderen mit dem letzten französischen Ferientag, der meist auf die erste Septemberwoche fällt. September ist auch der beste Surfmonat: Das Wetter ist sommerlich, das Wasser hat 21 bis 22 Grad und die Wellen sind konstant und clean. Außerdem fallen die Preise in der Nebensaison drastisch, meist um bis zu 50 Prozent. Das gleiche gilt auch für Mai und Juni: Guter Surf, günstige Preise.

Foto von: Roxy

Surf’s up!

Hossegor ist zwar für einige der besten Beachbreaks der Welt bekannt, aber nur die wenigsten Surfer werden hier jemals eine Welle reiten. Zu groß und zu brutal brechen die Spots La Nord und La Graviere am Plage Centrale. Durch den Tiefseegraben, der hier verläuft, treffen die Wellen ungebremst auf die Küste und bei einem großen Swell werden schon einmal die Jet Skis aus der Garage geholt. Allerdings liegen genügend andere Spots in Reichweite, teils sogar in Fußentfernung: Bei etwas größerem Swell bricht oft eine sanfte Welle am Plage Sud, südlich vom Plage Centrale, an der Hafeneinfahrt zum Nachbarort Capbreton. Aber Achtung: Nur bei Ebbe surfen, bei Flut bricht hier nur ein Shorebreak, der schon einige Surfer auf den Sand genagelt hat. Capbreton ist die Heimat von Pros wie Jeremy Flores und Benjamin Sanchis, die sich am liebsten in La Piste barreln lassen: Eine hohle, schnelle Welle, die nur Profis zu empfehlen ist. Aber von den Bunkern am Strand, einem Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg, kann man die Show bequem genießen.

In der entgegengesetzten Richtung, entlang der Strandstraße nach Seignosse, reiht sich ein Spot an den nächsten: Les Estagnots, Les Bourdaines, Le Penon, Agreou – je nach Qualität der Sandbank variiert auch der Crowd-Faktor, aber voll ist es auch dort  meistens. Es gilt: Je weiter entfernt vom Surf-Epizentrum Hossegor, desto einsamer die Strände und leerer die Line Ups. Sandbänke gibt es hier mehr als genug, du musst sie nur finden!

Anders sieht es dagegen in Biarritz aus: Hier sind alle Buchten erkundet und die Line Ups in den Sommermonaten voll mit Locals und Surfschulen. Die „Côte des Basques“ südlich des Stadtzentrums ist nicht nur der Geburtsort des europäischen Surfens, sondern auch ein beliebter Longboardspot. Sind die Wellen so groß, dass die Strände in Hossegor und Biarritz nicht mehr surfbar sind, bleibt nur noch ein Ausflug nach Hendaye an die spanische Grenze, hier bricht dann meist eine hüfthohe, sanfte, aber eher durchschnittliche Welle.

Check-In

Du willst surfen lernen und keine Party verpassen? Dann bist du in der Surfer’s Villa, dem ehemaligen Roxy-Teamrider-Haus, das zwischen Hossegor und Seignosse liegt, gut aufgehoben. Hier lernt man schnell neue Leute kennen, zum Strand sind es zu Fuß nur zwei und ins Zentrum von Hossegor 15 Minuten. (4- bis 6-Bett-Zimmer, ab 30 Euro/ Nacht, www.surfersvilla.com).

Ein echter Geheimtipp ist die Natural Surf Lodge in der Nähe von Seignosse: Nur etwa zehn Autominuten vom Meer entfernt und mitten im Naturschutzgebiet, liegt das Anwesen von Claire und Stéphane Becret. Die beiden haben 2001 ein 300 Jahre altes Bauernhaus gekauft, renoviert, weitere Bungalows angebaut und den ehemaligen begehbaren Brotofen in ein Gästehaus verwandelt. Neben dem Surfen dreht sich hier alles um Natur und Umwelt: Für den Bau der Bungalows wurden alte Bäume aus den Pinienwäldern vor Ort verwendet, Solarzellen auf den Dächern sorgen für warmes Wasser und der Van der Surfschule besitzt einen Spezialfilter, der CO2-Emissionen reduziert (eine Woche Unterkunft und Surfkurs ab 455 Euro, www.naturalsurflodge.com). Sind die Wellen mal nicht so gut, sorgen Miniramp, Pool und Hamam dafür, dass garantiert keine Langeweile aufkommt. Ein echtes Paradies unter 200 Jahre alten Eichen!

Wer von einem echten Profi surfen lernen möchte, besucht Eva Kreyer in Cap Ferret. Die 32-Jährige gehört zu den besten deutschen Surferinnen und betreibt etwa zwei Autostunden nördlich von Hossegor das Backwash Surfcamp. Geschlafen wird auf dem Campingplatz, gesurft in kleinen Gruppen, gefeiert am Lagerfeuer unter Pinien (7 Tage Surfkurs und Unterkunft ab 330 Euro, www.wellenreitcamp.de).

Camping ist sowieso die einzige Möglichkeit, direkt hinter der Düne zu schlafen: Ideal dafür ist zum Beispiel der Campingplatz in Saint-Girons-Plage, etwa 40 Kilometer von Hossegor entfernt –  nirgendwo ist der Strand näher und leerer (zumindest in der Nebensaison).

Ein Abstecher nach Biarritz kann ein ganz schönes Loch ins Portemonnaie reißen, die Stadt ist so teuer wie München! Ein guter Tipp ist das Hotel Amaia (ab 49 Euro/ Nacht, www.amaia.fr), das ein Herz für Surfer hat, denn es spendet 1 Euro pro Zimmer und Nacht direkt an die Surfrider Foundation.

Bon Appetit!

Hier an der Küste hängen die Schilder mit der Aufschrift „Moules frites“ an jedem Restaurant. Aber die absolut besten und zugleich günstigsten Muscheln (6 Euro) gibt es bei „Chez Minus“ (tgl. ab 19 Uhr, Avenue de Notre, Quai Bourret, Capbreton, www.chezminus.com): Das Restaurant liegt direkt am Hafen von Capbreton und serviert ausschließlich Muscheln, Garnelen oder Sardinen, alle eingelegt in eine streng geheime Kräutersoße. Als Beilage gibt es riesige Plastikschüsseln Pommes Frites, gegessen wird an langen Holztischen und mit den Händen – ein absolutes Muss. Genauso wie ein Besuch bei Woodie Bouma. Der australische Surfer, ehemalige Freeski-Pro und Koch hat sich mit Le Surfing den Traum vom eigenen Restaurant direkt am Meer erfüllt. Bei erstklassigem BBQ (jeden Sonntag) und Sushi (nur samstags) hört man das Meer rauschen, die Cocktails schmecken viel zu lecker (Donnerstag ist Lady’s Night) und sobald es dunkel wird steigen hier die wildesten Mottopartys (tgl. 18-1 Uhr, Plage des Estagnots, Seignosse). Wer sich mitten in Frankreich wie in Bali fühlen möchte, isst bei Chez Monette in mit Stroh bedeckten Holzpavillons  Nasi Goreng und exotische Gerichte aus aller Welt im Sitzen. Hier trifft sich der Jet-Set von Hossegor und auf einen Tisch wartet man schon einmal eine Stunde (tgl. ab 19.30 Uhr, 5 Avenue Jean Moulin, nur bei schönem Wetter geöffnet).

 

Places to be

Das Rockfood am Plage Centrale in Hossegor ist legendär, hier feiern die Surf Pros und Besitzer Roland vergibt schon mal Champagnerflaschen für Mädels, die im BH auf der Bar tanzen (tgl., 10-2 Uhr, www.rockfoodhossegor.com). Dick’s Sand Bar spielt die bessere Musik und ist gleich gegenüber – allerdings darf man sich nicht wundern, wenn man am nächsten Tag Fotos von sich auf der Website wiederfindet, Besitzer Dave ist für seine schrägen Partyfotos bekannt (tgl., 10-2 Uhr, www.dicks-sand-bar.com). Die größte Sause des Jahres steigt während des Quiksilver Pros (4.-13.10.), wenn Kelly Slater und Co. in der Stadt sind und um zehntausende Dollar Preisgeld surfen.

Die berühmt-berüchtigte Finalparty im Café de Paris (547 Avenue du TCF, Hossegor, www.cafe-de-paris-hossegor.com) sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen: Der Contest ist zu Ende und die Pros feiern sich und das Leben.

Capbreton ist eigentlich nicht für sein Nachtleben bekannt, hat aber einen Joker im Ärmel: Das Café de la Gare. Jeden Freitag trifft sich hier „tout le monde“ zur Happy Hour (19.30- 22 Uhr), der Mojito für 3 Euro hat es in sich und wer es wirklich wissen will, zeigt auf einen der Rumtöpfe hinter der Bar. Mein persönlicher Favorit ist die St.Barth-Mischung, aber halte dich unbedingt an die „Niemals-mehr-als-1-Becher-pro-Abend-sonst-kannst-du-die-Morgensession-sowas-von-vergessen“-Regel!

Der beste Ort, um sich für eine lange Nacht in Biarritz einzustimmen, heißt „Les 100 marches“: Bei Tapas, Sangria und kaltem Bier genießt man den Sonnenuntergang und einen unglaublichen Blick über die Cote des Basques, Biarritz und die Pyrenäen (tgl. 20-2 Uhr, Square Jean Baptiste Lassale, www.les100marches.fr).

Was für Hossegor der Quiksilver Pro ist für Biarritz der Roxy Jam: Dieses Jahr gehört die Stadt vom 11. bis 17. Juli den Mädels! Neben den Women’s World Longboard Championships findet zeitgleich zum ersten Mal auch der Roxy Pro, ein Stopp der ASP Women’s World Tour, statt. Heißt: Weltklasse-Surferinnen wie Kassia Meador, Steph Gilmore, Coco Ho und Sally Fitzgibbons werden vor Ort sein und eine Woche lang nur surfen und feiern. Das Beste daran: Es ist alles kostenlos! Der Contest, Ausstellungen, Surfstunden (Anmeldung auf www.roxy.com) und sogar das große Open-Air-Konzert im Vieux Port mit The Sounds und Lilly Wood & The Prick (16.7.).

Foto von: Biarritz Tourism

Shop ‚til you drop

Die Hauptstraße von Hossegor (Avenue Paul Lahary) ist die Hochburg der Surfmarken: Quiksilver, Roxy, Billabong, Rip Curl und Volcom haben hier Flagship Stores, aber auch ein Besuch bei den kleineren Brands wie Element, Vans oder Globe lohnt. Wer ein bisschen abseits des Mainstreams shoppen möchte, schaut bei Mademoiselle Lilly (33 Allee Louise Pasteur) vorbei: Nur hier gibt es den wunderschönen Vintage-Schmuck von Cutie Pie zu kaufen. Das Label ist ein echter Geheimtipp und gehört der Engländerin Danielle Butler, die seit einigen Jahren in Hossegor lebt (www.ilovecutiepie.com). Schnäppchenjäger besuchen die großen Outlet-Stores von Billabong, Quiksilver & Co. in der Industriezone (Z.A. Pédebert) von Hossegor-Soorts. Tipp: Zeit mitbringen, das Gelände ist riesig. Ein Muss: Der mit Vintage-Möbeln dekorierte Flagship Store von Insight, der hier erst letztes Jahr eröffnet hat!

Flat und nun?

Zum Beispiel eine Yogastunde bei Caroline Béliard besuchen, die manchmal sogar am Strand stattfindet! Die Französin hat letztes Jahr ihre Karriere als Snowboard Pro an den Nagel gehängt und ist von den Pyrenäen nach Hossegor gezogen, um ihren zwei anderen großen Leidenschaften nachzugehen: Surfen und Yoga. Sie hat in Los Angeles eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin absolviert und unterrichtet nun Vinyasa Yoga, einer Yogaform, bei der man so richtig ins Schwitzen kommt und alle Muskeln beansprucht, die man auch zum Surfen benötigt (Di/Do 18.30, So 10.30 Uhr, 1.5 Std.: 12 Euro, Studio Eluere, 365 Avenue du Touring Club, Hossegor, www.carolinesyoga.com). Tipp: Vom 12. bis 19. Juli unterrichtet Caroline eine ganze Woche lang beim Surf & Yoga Retreat im Girls Surf Affinity Camp in Vieux Boucau  (www.surfaffinity.com)!