Meeresschutz mit Gleichgestinnten


„Das Meer ist mein Zuhause“, sagt Lea. Sie ist eine der beiden Frauen der Surfrider Foundation Germany. Die beiden haben sich über die Stellenausschreibung des eingetragenen Vereins beworben und kennengelernt. Seitdem sind sie unzertrennlich. Unzertrennlich ist auch ihre Liebe zum Meer und anderen Gewässern. Deshalb setzen sie sich ein und der Kalender der beiden Wasserliebhaberinnen ist voll: Sie koordinieren, kommunizieren, planen und gestalten.

Ihr Engagement ist nicht uneigennützig und beide sind mit Meerurlauben groß geworden. Lea kommt von der Flensburger Förde und hat dort Schwimmen gelernt. Am Meer hat sie ein „Zuhause-Gefühl“. Deshalb lässt es sie nicht kalt, was sie dort an Vermüllung und Verschmutzung vorfindet. Katharina, genannt KC, war hingegen unter anderem in Costa Rica, als sie auf Surfrider aufmerksam wurde. Obwohl sie aus Nordrhein-Westfalen kommt, gehörten Wassersportarten wie Windsurfen, Segeln und Surfen schon immer zu ihrem Leben. Das Meer war und ist für sie ein Ort, an den sie sich zurückziehen kann.

 

„Das Meer zeigt einem, wie klein man eigentlich ist. Ihm ist egal, ob du da bist oder nicht. Es ist ein schützenswerter Ort.“

Katharina und Lea von der Surfrider Foundation Germany
Beach Clean up der Surfrider Foundation Germany

„Die Arbeit wird nicht weniger, aber sie trägt sichtbare Früchte. Wir werden immer mehr Freiwillige – das sieht man an zunehmenden Veranstaltungen, Personen in Calls, bei Events und in WhatsApp Gruppen. Besonders klasse ist, dass bestehende Volunteers immer mehr Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. Sie beflügeln, inspirieren und schulen sich gegenseitig. Auch unsere Bekanntheit in Deutschland nimmt zu und wir knüpfen immer mehr Kontakte zu anderen Vereinen, Initiativen und Gleichgesinnten. Hier freuen wir uns besonders über gemeinsame Events und Kampagnen.“, sagt KC stolz.

Bei den Aktivitäten der Foundation geht es um den Schutz und den Kreislauf von Gewässern – egal, ob Bach, Kanalisation, Teich, See oder Meer. Wer in der Stadt Plastikmüll, Kippen und sonstige nicht-organischen Abfälle in die Natur wirft, ist Teil der Ursache für die Verschmutzung des Wasserkreislaufes. Derzeit sind in Deutschland fünf verschiedene Ortsgruppen des Vereins aktiv: in Kiel, Hamburg, Leipzig, Baden-Pfalz und München. Drei weitere Ortsgruppen in Rostock, Bremen und Berlin sind derzeit im Aufbau. Sie suchen sich Aktionen aus dem Surfrider-Portfolio heraus. Viele machen bei Müllsammelaktionen mit oder beteiligen sich an Wasserqualitätstests.

„Das Meer beginnt hier“: Ursachen der Meeresverschmutzung

 

Die Surfrider Foundation Germany ist Teil einer weltweiten Bewegung, denn es geht um die Auswirkungen unseres Alltags auf die Gesundheit der Meere. Das verdeutlicht der Beitrag „Das Meer beginnt hier“ im Youtube-Kanal der Surfrider Foundation Germany. Die 170 Billionen Plastikteilchen, (d.h. ein Partikel Mikroplastik pro Liter) in den Meeren kommen nicht von ungefähr. 80% des Plastiks kommen aus dem Inland. Das Meer beginnt dort, wo der kleine Bach vor der Haustür, der durch die Stadt oder den Ort fließt. Alles, was wir in die Abflüsse geben, landet früher oder später im großen Wasserkreislauf.

Kampagne Das Meer beginnt hier

Dafür trägt jede Person die Verantwortung durch sein Konsumverhalten: Welche Kosmetik- und Reinigungsprodukte verwende ich? Wieviel Plastikverpackung landet in meinem Haushalt? Drei einfache Tricks sind bereits gelebter Umweltschutz im eigenen Haushalt:

  • Waschtemperatur & Umdrehungen senken: Bei jeder Wäsche von Synthetik-Kleidung reiben sich Textilfasern ab. Wer die Waschtemperatur und die Umdrehungszahl der Waschmaschine reduziert, trägt dazu bei, dass bis zu 70 % weniger Mikroplastikfracht ins Abwasser gelangen.

    surfrider.eu
  • Eco-Modus nutzen: Den Eco-Modus bei der Geschirrspülmaschine verwenden.

  • Unverpackt einkaufen: Frisches Obst und Gemüse kaufen, das nicht in Plastik eingepackt ist.

 

Wissenschaft als Basis für die Lobbyarbeit gegen Plastikmüll

Alles, was die Surfrider Foundation unternimmt, hat wissenschaftlichen Hintergrund: Der Müll wird nicht nur gesammelt, er wird quantifiziert und die Daten werden in ihre europaweite Datenbank eingespeist. Auf Basis dieser Daten kann das Lobbyteam arbeiten, das sich in Brüssel und Paris befindet. Es geht darum auszuprobieren, zu verstehen und zu lernen um dann im nächsten Schritt alles, was gemessen und herausgefunden wird, sinnvoll adressieren und kommunizieren, um eine echte Veränderung zu bewirken.

Die Beteiligten klären also auf, schaffen Bewusstsein und rufen Aktionen ins Leben. Jede Person kann mitmachen und sich beteiligen; die Projekte sind für alle zugänglich.

Surfrider Kids & Retrace: Selbst aktiv werden und Müllsammelaktionen organisieren

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum einen gibt es die „Surfrider Kids“-Sportveranstaltungen im Wassersportbereich, wo Kindern und Jugendlichen der Zugang zu Gewässern ermöglicht wird, Müllsammelaktionen durchgeführt werden und Bildungsarbeit einfließt. „Wir wollen Kinder für das Element begeistern, das wir schützen wollen“, betont Lea und ergänzt: Es ist ein Engagement im Sinne von „Protect what you love“.

Zum anderen gibt es die Plattform Retrace!, über die jede Person ganz einfach eine eigene Müllsammelaktionen organisieren und registrieren kann. Egal, ob in der Stadt, in einem kleinen Ort, an der Küste, an Seen oder an Flussufern. Einfach anmelden und loslegen. Doch bei Retrace! geht es um mehr als das reine Müllsammeln. Im Mittelpunkt steht die partizipative Wissenschaft (Citizen Science): Bürger:innen werden selbst zu Mitwirkenden an einer europaweiten Untersuchung der Gewässerverschmutzung.

Auf der Plattform finden sich alle wichtigen Informationen für die Organisation und Durchführung einer Sammelaktion. Außerdem besteht die Möglichkeit, kostenlose Materialien wie Handschuhe und Müllsäcke zu erhalten. Nach der Sammelaktion werden die gefundenen Abfälle sortiert, kategorisiert und systematisch erfasst. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in die europäische Surfrider-Datenbank eingepflegt. So machen die gesammelten Daten Verschmutzungsquellen in ganz Europa sichtbar und liefern Fakten für die Lobbyarbeit von Surfrider – mit dem Ziel, Müll bereits an der Quelle zu vermeiden.

Fremde Länder, fremde Sitten, aber ein gemeinsames Ziel

Ein bis zwei Mal im Jahr treffen sich alle in einer europäischen Stadt zu den sogenannten Volunteer Days. Es ist ein Fest für, von und mit Freiwilligen jeglichen Alters. Oftmals kommen aus allen Gruppen Europas Vertreter:innen der ehrenamtlich Tätigen zusammen.

„Als wir uns 2025 in Marseille am Hafen getroffen haben, strömten die Beteiligten aus allen Himmelsrichtungen herbei. Das war beeindruckend und ein richtiger Gänsehaut-Moment“, schwärmt Lea. Man kennt sich. Für zwei bis drei Tage tauschen sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen aus, stellen neue Kampagnen vor oder geben bzw. bekommen Input, wo es noch hakt. Es ist im Grunde wie ein Surfrider-Workshop-Wochenende mit dem Gefühl eines Klassentreffens. In Marseille waren es 93 Teilnehmende aus sieben Ländern, in Biarritz sogar 134 Ehrenamtliche.

Genau das ist auch das Ziel der Surfrider Foundation mit ihren mittlerweile 54 Ortsgruppen in 12 verschiedenen Ländern (wie z. B. Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien und der Schweiz).

Über den Ursprung der Surfrider Foundation

Die Surfrider Foundation verdankt ihren Namen dem Malibu Beach in Kalifornien, wo einer der Gründer, der Surfer und Umweltaktivist Glenn Hening, im August 1984 in einem Motel übernachtete: dem Surfrider Inn. Hier entschlossen sich drei engagierte Menschen – Glenn Hening, Lance Carson (eine legendäre Malibu-Surfikone) und Tom Pratte (ein Experte für kalifornisches Küstenrecht und Umweltpolitik) –, die Organisation zu gründen. Auslöser war die geplante Umgestaltung der Malibu Lagoon und Bauarbeiten am Strand durch die Parkbehörde im Jahr 1983/1984. Neben der Wellenqualität ging es ihnen darum, Überbebauung, Meeresverschmutzung und die Zerstörung natürlicher Küstenlebensräume zu stoppen. Sie legten wissenschaftlich und rechtlich fundierte Alternativpläne vor. Dies führte nicht nur zum Erhalt des berühmten Surfspots, sondern legte auch den Grundstein für eine weltweite Bewegung zum Schutz von Ozeanen, Wellen und Stränden.

Surfrider Foundation Germany Spenden

Mach mit!

Wenn auch du aktiv werden möchtest, kannst du dich per E-Mail an Surfrider wenden: info@surfriderfoundation.de. Natürlich sollte man sich den Schritt gut überlegen, denn er bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Im besten Fall trifft man diese Entscheidung nicht alleine, sondern hat direkt eine Gruppe von 3, 4 oder 5 Leuten an der Hand.

Wer eine Müllsammelaktion an seinem Wohnort, in der eigenen Gemeinde oder im Urlaub durchführen will, kann sich auf der Webseite von Retrace! registrieren!

Du liebst das Meer? Mehr Stories rund um Wellen und den Ozean findest du hier:

Golden Ride Magazine Surf Issue

Between Waves

Surf Issue 26

In dieser Surf-Ausgabe geht es um den Stoff für salzige Träume: die Jagd nach Momenten, die uns den Atem rauben, nach Wellen, die unser Herz höherschlagen lassen, und nach Abenteuern, die uns verändern.